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Text: Lukas Wogrolly; Fotos: Markus Sibrawa (2), Living Culture (2)

AUF MICHAEL FOLGT MICHAEL – WECHSEL AN DER SPITZE DER BUNDESHAUPTSTADT

Seit Ende Mai 2018 ist Michael Ludwig als Nachfolger von Michael Häupl neuer Bürgermeister und Landeshauptmann von Wien. Living Culture stellte ihm einige Antrittsfragen, darunter auch so manche mit Bezug zu Graz und zur Steiermark.  

 

Welche Beziehung haben Sie zu Graz?
Da gibt es eine Reihe von Beziehungen, da ich schon öfters in der steirischen Landeshauptstadt gewesen bin. Der aktuellste Bezug ist sicherlich, dass ich die nun ehemalige Intendantin des steirischen herbst [Veronica Kaup-Hasler, Anm. d. Red.] dafür gewinnen konnte, meinem Regierungsteam in Wien als Kulturstadträtin anzugehören.

Und zur Steiermark im Allgemeinen?
Ich habe so manchen Urlaub in der Steiermark verbracht, schon als Kind hat es mich hierher verschlagen. Und ich werde wohl auch in Zukunft noch so manchen Urlaub in der Steiermark verbringen.

Was sagt Ihnen Max Lercher? Und Alfred Stingl?
Max Lercher ist der Bundesgeschäftsführer der SPÖ mit einer starken Stimme aus der Steiermark. Für Alfred Stingl möchte ich gerne die Bezeichnung „Sir“ verwenden. Er war ein erfolgreicher Bürgermeister der steirischen Landeshauptstadt.

Kommen wir nun zur Wiener Stadtpolitik: Was macht für Sie als neuer Wiener Bürgermeister die Stadt Wien aus?
Ich kann – gemeinsam mit den Wienerinnen und Wienern – die Herausforderungen der Zukunft wie die Themen Digitalisierung und Sicherheit meistern. Wir stehen vor großen Chancen. Wir wollen das Potential, das in unserer Stadt steckt, auch nutzen. Wir wollen unsere Stadt optimistisch weiterentwickeln. Bei allen Veränderungen und Herausforderungen müssen wir aber auch darauf schauen, dass die Wienerinnen und Wiener diese Wege mitgehen können und wollen. Die Interessen der Wienerinnen und Wiener zu vertreten, ist mein größtes Anliegen.

Und was macht für Sie den Menschen Michael Ludwig aus? Was macht ihn als Politiker einzigartig?
Meine Kindheit war für mich sehr prägend. Nach der Scheidung meiner Eltern zogen wir von Neubau nach Floridsdorf in eine kleine Gemeindewohnung. Meine Mutter war eine fleißige Arbeiterin und Alleinerzieherin. Mir ist nichts in die Wiege gelegt worden und ich musste mir alles hart erarbeiten. Mit Bruno Kreisky als politisches Vorbild begann ich mich jung in der SPÖ zu engagieren und dieses Engagement für soziale Gerechtigkeit, Gleichheit, Freiheit und Solidarität charakterisiert jetzt noch meine Arbeit als Politiker.

Inwieweit spielt das Thema Sicherheit in Ihrem Parteiprogramm eine Rolle?
Sicherheit ist weder ein linkes noch ein rechtes Thema, sondern ein Grundbedürfnis der Menschen, das wir ernstnehmen müssen und werden. Wien ist eine der sichersten Metropolen. Damit das so bleibt, müssen wir uns täglich anstrengen. Die Menschen in dieser Stadt müssen sich an die Hausordnung halten, damit das Miteinander funktioniert.

Und welches sind für Sie die Sozialen Aspekte der Wiener Sozialdemokratie?
Die Wiener Sozialdemokratie hat mit Anbeginn ihres Bestehens den sozialen Aspekt in den Fokus ihrer Tätigkeit gestellt. Und das ist es auch, das das sprichwörtliche „soziale Wien“ ausmacht. Es gibt sehr viele Institutionen in Wien, die zur sozialen Sicherheit und zum Lebensgefühl maßgeblich beitragen – alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Stellvertretend für alle möchte ich aber dennoch ein paar erwähnen. Der Fonds Soziales Wien bietet viele Hilfsstellungen und Leistungen zum Leben mit Behinderung, für Seniorinnen und Senioren, Schuldnerberatung, Wohnungslosenhilfe und Pflege und Betreuung allgemein. Wir legen Wert darauf, dass Bildung für alle zugänglich ist und Weiterbildung leistbar ist, weshalb wir Organisationen wie den Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds stark unterstützen. Durch den sozialen Wohnbau sichern wir seit Jahrzenten, dass wohnen in der Stadt für alle leistbar ist. Die sozialdemokratische Handschrift ist aus Wien nicht wegzudenken.

Welche Beziehung haben Sie zu Dr. Michael Häupl? Und wie empfanden Sie jetzt, mit etwas zeitlicher Distanz, die Wahl zum Bürgermeister am 24.5. bzw. die Wahl zum Landesparteivorsitzenden am 27.1.?
Michael Häupl war 24 Jahre lang Wiens Bürgermeister. Er hat sich stets für das Ziel eines gemeinsamen Europas eingesetzt und das war ein guter und richtiger Schritt. Ich habe 2003 ein Buch mit dem Titel „Michael Häupl in der Kommunalpolitik“ über seine Jahre im Gemeinderat geschrieben. Eigentlich wäre es interessant, einen zweiten Band von 2003 bis heute herauszubringen. Michael Häupl hat jedenfalls große Vorgaben ümgesetzt. Ich werde mich bemühen, in meinen – nicht seinen – Schuhen zu gehen und kreativ die Stadt weiterzuentwickeln. Zu Beginn des Jahres hatte die Partei eine Entscheidung zu fällen, die über die Zukunft und Stoßrichtung der Zukunft entscheiden sollte. Seit Jänner merke ich, dass der Zuspruch innerhalb der Partei groß ist und dass – trotz teils unterschiedlicher Ansichten und Meinungen – die SPÖ Wien gemeinsam und geeint in die Zukunft schreitet.

Welche Beziehung haben Sie zum Koalitionspartner, den Grünen? Sie eint ja vieles, aber bei Alkoholverbot und Lobautunnel sind Sie ja anderer Meinung…
Bei einer Koalition gibt es nicht immer Einigkeit. Wir stehen für unterschiedliche Ziele und Werte, aber es gibt auch gemeinsame Themen und Ziele. Wir arbeiten nicht gegeneinander, sondern miteinander.

Was sagen Sie zu Ihrem neuen Regierungsteam, in dem mit Veronica Kaup-Hasler ja auch eine Frau mit Steiermarkbezug ist…?
Für mich war von Anfang an klar, dass mein Regierungsteam die perfekte Mischung aus erfahrenen Politikerinnen und Politikern und Fachexperten von außen sein soll. Ich freue mich über ein kompetentes Team, das unterschiedliche Schichten und Gruppen anspricht. Veronica Kaup-Hasler war ab 2006 als Intendantin des steirischen herbst tätig. Sie förderte genreübergreifende Projekte, auch zahlreiche Ur- und Erstaufführungen fanden im Programm Platz.

Stichwort: Wien-Wahl 2020. Was erwarten Sie sich? Und wie sicher sind Sie, dass „erst“ 2020 in Wien gewählt wird, und nicht schon früher? Denn Neuwahlen sind ja immer wieder Thema in den Medien oder auch in der Wiener Opposition…
Ich arbeite für und im Interesse der Wienerinnen und Wiener. Deshalb möchte ich aus strategischen oder anderen Gründen keine Neuwahl vom Zaun brechen. Sollte es dennoch notwendig sein, die Wahl vorzuziehen, werde ich mich dem nicht verschließen.

Letzte Stichwörter: Floridsdorf, Transdanubien. Was macht für Sie Floridsdorf bzw. allgemein Transdanubien im Vergleich zum restlichen Wien aus? Mir persönlich kommt, wenn ich ans andere Donauufer fahre, immer wieder Kanada in den Sinn, weil ja der 21. und 22. Bezirk im Vergleich zum restlichen Wien viel weitläufiger sind…
Als Floridsdorfer liegt mir mein Heimatbezirk natürlich sehr am Herzen, aber als Bürgermeister dieser weltoffenen, vielfältigen und großartigen Stadt schlägt mein Herz für ganz Wien. Wichtig ist es für mich, die Wienerinnen und Wiener dort abzuholen, wo sie sind: in ihren Bezirken, in ihren Grätzln. Gemeinsam machen wir Wien noch besser und lebenswerter.

     Danke für das Interview.

 

 

Das neue Team für Wien
v.l.n.r.: Jürgen Czernohorszky, Barbara Novak, Peter Hacker, Michael Ludwig, Ulli Sima, Ernst Woller, Kathrin Gaál, Veronica Kaup-Hasler, Peter Hanke

 

Zukunftsklausur
15. März 2018, Zukunftsklausur am Kahlenberg mit SPÖ-Wien-Vorsitzendem Michael Ludwig und dem damaligen Noch-Bürgermeister Michael Häupl

 

Living Culture Chefredakteur Lukas Wogrolly mit Michael Häupl

 

Living Culture Chefredakteur Lukas Wogrolly mit Michael Ludwig
 


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