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Von: Lukas Wogrolly; Fotos: Diana Loibnegger

Camping auf Piazza San Marco (Ausgabe XI / 2010)

LIVING CULTURE beim Carnevale in Venedig. Während ich im Palazzo Pisani Moretta auf Einladung von Hoteldirektorin Nadia Baldissera ein sechsgängiges Menü genoss, nahm meine Kollegin Diana mit ihrer Kamera ein Bad in den Masken am Markusplatz.

In Italien gibt es zur Faschings- bzw. Karnevalszeit zwei verschiedene Arten von „carnevale“, wie er bei Österreichs südwestlichem Nachbarn genannt wird. Die erste Variante ähnelt dem Fasching in Graz. Bunte Wägen mit überproportionierten Figuren aus Pappmaché ziehen im Schritttempo durch die Straßen und parodieren im Konfettiregen Politik, Sport oder andere gesellschaftlich relevante Themen. Als italienische Karnevalshochburgen gelten Ivrea (Piemont), Sauris (Friaul), Muggia (bei Triest) und vor allem Viareggio an der toskanischen Mittelmeerküste, das an den Karnevalswochenenden über 100 000 Besucher zählt und dessen Karneval sogar ins UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen werden soll.

Neben dieser „herkömmlichen“ Karnevalsvariante gibt es in Italien auch noch den Karneval von Venedig. So wie Venedig im Gegensatz zu (fast) allen anderen Städten weltweit nicht von Asphaltstraßen für Räderfahrzeuge, sondern von Kanälen für Wasserfahrzeuge gesäumt ist, so findet man auch in Venedig zur Karnevalszeit keine zwanzig Meter messenden Pappmaché-Figuren, die Politiker parodieren, sondern vor allem eins: Masken und historische Kostüme aller Art. Die Maske hat in Venedig eine lange Tradition und im Laufe der Jahrhunderte sind viele verschiedene Varianten entstanden: Halbmaske nur für die Augen, sodass Essen, Trinken und Sprechen problemlos möglich sind; klassische Ganzmaske, auf Wunsch auch mit extralanger Nase. Letztere wurde von den Ärzten getragen, als in der Stadt noch Seuchen wüteten und man hoffte, dank der im Inneren angebrachten Aromastoffe bei den Untersuchungen von den Patienten nicht angesteckt zu werden.

Ich hatte die Gelegenheit, im vergangenen Jahr den berühmtesten italienischen Karneval „ersterer Variante“ in Viareggio zu erleben und 2010 den Karneval in Venedig. In Italien selbst spricht man weit mehr von Viareggio (von wo am Faschingdienstag ähnlich wie in Österreich aus Graz auch 1 Stunde Live-Bilder im Fernsehen gezeigt werden), während in Österreich der Karneval von Venedig wesentlich bekannter ist. In der Fastnacht hatte ich die Möglichkeit, an einem Kostümball im noblen Palazzo Pisani Moretta teilzunehmen und somit ins Herz des Venezianer Karnevals einzutauchen.

Ein antiker Palazzo des Adels, mit Deckengewölbe auf blauem Grundton wie im Grazer Schloss Eggenberg, ein sechsgängiges Festmahl, Live-Musike und vor allem: Masken. Viele bunte Masken, teils aufwändig mit Federn geschmückt, historische Kostüme der Ballteilnehmer, wie sie der Adel im 18. Jahrhundert trug, z. B. ein Herr als Feldmarschall Radetzky verkleidet. Dazu passend der berühmte gleichnamige, weil selbigem gewidmete Marsch von Johann Strauss Vater von den anwesenden Musikern gespielt. Die weibliche Begleitung des „Radetzky“, eine venetianische Frau in höheren Jahren, bringt bei Tisch ihre Unzufriedenheit über das ungepflogene Verhalten der zu Karnevalszeiten in Massen in die Lagunenstadt strömenden Touristen zum Ausdruck. Sie essen ihre mitgebrachten Brötchen am Markusplatz und setzen sich dort hin. (Mir fällt dabei das bei einer Vaporettostation gesehene Verbotsschild eben für Sitzen, Liegen, Essen und Trinken am Markusplatz ein.) Es haben schon Leute im Zelt auf dem Markusplatz übernachtet und ein Spanier hatte dort einen Herd (fornelli) aufgestellt, kommt mir zu Gehör. O tempora, o mores – um es auf Lateinisch zu sagen!

Auf dem Ball im Palazzo Pisani Moretta sind alle Altersklassen vertreten, es gibt allerdings einen Dresscode und der heißt Kostüm. Licht kommt ausschließlich von Kerzen und das einzige, was nicht ins 18. Jahrhundert passt, sind die Fotoapparate. Auch das Auge kommt nicht zu kurz. Dafür sorgen Unterhalter des „Cirque du Soleil“ und auch die zu Karnevalsbeginn gewählten Missen oder Marien, von denen eine auch an der Wahl zur Miss Italia teilnehmen wird. Alles in allem eine Reise in die Vergangenheit, wie sie wohl nur in Venedig zu Karnevalszeiten möglich ist. Aber auch Viareggio mit 20 m hoher Pappmaché ist keinesfalls zu vernachlässigen. Jedem das Seine, wie man es eben gerne mag. Venedig und Viareggio, zwei Vs machen zusammen ein W. Das W steht im Italienischen symbolisch für „Ewiva“ – also „es lebe“. In diesem Sinne: Es lebe der Karneval – egal ob in Venedig, in Viareggio (oder anderswo).   

Zitate:

In der Fastnacht hatte ich die Möglichkeit,
an einem Kostümball im noblen Palazzo Pisani Moretta teilzunehmen und somit ins Herz des Venezianer Karnevals einzutauchen.

Es haben schon Leute im Zelt auf dem Markusplatz übernachtet, und ein Spanier hatte dort einen Herd (fornelli) aufgestellt, kommt mir zu Gehör.

Die Maske hat in Venedig eine lange Tradition; im Laufe der Jahrhunderte sind viele verschiedene Varianten entstanden:
Halbmaske nur für die Augen, sodass Essen, Trinken und Sprechen problemlos möglich sind; klassische Ganzmaske, auf Wunsch auch mit extralanger Nase


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