Interessiert an exklusiven Kulturerlebnissen? Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Ihre LC news straight home. Finden Sie Anregungen für mehr Lebensqualität ohne Zeitaufwand und besuchen unsere Events mit dem speziellen LC Faktor.



Sprache:

Anrede:


Titel:


Vorname:

Nachname:

E-Mail:


Text: Maria Wonisch
Foto: Foto Toto bzw. Alexander Wenzel, KUG

Der Stoff, aus dem ein Traum sein kann

Ivana Zdravkova ist jung, begabt, singt einen wunderschönen Sopran und steht möglicherweise am Beginn einer großen Opernkarriere. Vor ihrem Auftritt bei einem Schubert-Liederabend in Graz erzählt sie über Sternstunden und weniger glanzvolle Zeiten auf dem Weg zum Traumberuf Opernsängerin.



LIVING CULTURE: Wir werden von Ihnen heute Abend Schuberts "Traum" hören. Wenn Sie sich zurück erinnern, wovon haben Sie geträumt?

Ivana Zdravkova: Als Kind wollte ich entweder Marathonläuferin, Britney Spears oder Maria Callas werden. Egal wer oder was, ich wollte jedenfalls in allem immer die Beste sein.  

Klingt sehr zielstrebig. Sie studieren noch und singen bereits anspruchsvolle Opern-Rollen und Liederabende. Sind Sie ein besonders talentiertes Wunderkind?

Das Talent zu Musik und Gesang bekam ich vielleicht in die Wiege gelegt: mein Vater war Musiker, meine Mutter Souffleuse an der Oper in Skopje. Ich bin aufgewachsen mit Musik und habe schon früh zu Callas- oder Bartoli-Arien gesummt. Im Musikgymnasium war ich sehr fleißig beim Lernen und Üben, oft zu verbissen. Ich arbeite heute noch immer hart an mir, aber ganzheitlicher und achte auch auf meine mentale Stärke, ausgewogene Ernährung sowie körperliche und psychische Fitness. Eine gute Balance ist wichtig für Top-Leistungen. Und ich bin überzeugt von "Self-fulfilling prophecy": das, woran man auch im Unterbewusstsein glaubt, kann man erreichen. Nur so können Träume wahr werden.

Sie stehen am Beginn einer möglicherweise großen Karriere. Zufall oder Planung?

Ich bin einigen Menschen in meinem Leben sehr dankbar, dass sie mich auf meinem Weg begleitet haben. In der Schule hatte ich das Glück, dass ich von meinen Lehrern "entdeckt" wurde, die mich dann an die Musikuniversität in Skopje empfohlen haben. Die Wiener Regisseurin Ursula Horner hat mir später zu ersten Vorsing-Möglichkeiten und Rollen verholfen, mich aber auch sprachlich, finanziell und motivatorisch immer wieder unterstützt. Meine Gesangsprofessorin Joanna Borowska hat mit mir konsequent an meiner Gesangstechnik gefeilt und so die fachliche Basis für meine Karriere gelegt.
Ein ganz wichtiger Meilenstein für mich war das "Best-of-Southeast-Stipendium" der Steiermärkischen Sparkasse, mit dem ich mein Master-Studium in Graz machen konnte und wofür ich sehr dankbar bin. Es hat mir die Tür geöffnet, mich als Mensch weiter zu entwickeln und meinem Traum – einer Sängerkarriere – näher zu kommen.  

Sie haben unlängst ihren ersten großen Erfolg gefeiert:  als Olympia in Hoffmanns Erzählungen mit internationaler Besetzung an der Staatsoper in Skopje.  Wie war Ihr Debüt?

Ursula Horner führte Regie und wollte mich unbedingt für diese herausfordernde Rolle haben. Wir wussten beide allerdings bis zur Generalprobe nicht, ob es tatsächlich klappen wird, da die künstlerischen Besetzungen oftmals auch unter Einflussnahme von politischen oder gesellschaftlichen Netzwerken erfolgen. Letztlich ist es zum Glück gelungen. Die vielen Stakkati, das schnelle Tempo und die anstrengende Stimmführung der Olympia haben mir alles abverlangt, aber es wurde ein totaler Erfolg.

Wie stehen Sie zu den aktuellen Diskussionen über das „Verheizen“ junger Sänger durch zu frühe und zu schwere Partien und ausbeuterische Künstler-Gagen?

Als Sänger muss man sehr oft und sehr weit reisen, in Hotels nächtigen oder bei längeren Engagements eine Wohnung mieten. Diese Kosten werden von den Gagen kaum abgedeckt. Daher gibt es viele Sänger, die davon nicht leben können, Nebenjobs machen müssen, sich dadurch nicht voll auf das Singen konzentrieren können und daher letztlich nur durchschnittliche Leistungen bringen. Dazu bin ich nicht bereit. Ich arbeite ständig an meiner Stimme, meinem schauspielerischen Können und meiner Psyche. Das ist zeitaufwendig und verlangt meine volle Konzentration.
Als junger Sänger muss man sicher sehr viel geben, oft über seine Grenzen gehen und bekommt für Engagements nur sehr wenig Geld. Es ist ein ständiger Spagat, mit seinem Können auch zu überleben.

Was könnte man ändern?

Es gibt, im Unterschied zur Wirtschaft kaum Richtlinien für die Bezahlung, an denen man sich orientieren könnte. Junge Künstler haben daher große Hemmungen, eine angemessene Bezahlung zu verlangen. Eine Art Gehalts-Bandbreite mit klaren Parametern würde jungen Künstlern helfen, selbstbewusster zu verhandeln und fairer behandelt zu werden.
Außerdem gibt es zu viel Studierende, die eben nur durchschnittlich gut sind und sich falsche Hoffnungen machen für ihre künstlerische Zukunft. Sie schlagen bei Dumping-Angeboten zu und machen so den Sänger-Markt kaputt.

Haben Sie ein Erfolgsgeheimnis?

Durch ständiges Mentaltraining gelingt es mir bei Auftritten, mich total auf meine Rolle zu fokussieren. Ich kann sehr gut eine Verbindung von meiner Rolle zum Publikum aufbauen. Die Menschen im Publikum wollen mitfühlen, wollen emotional ergriffen werden. Ich konzentriere mich voll auf meine „emotionale“ Aufgabe als Sängerin und mache mir keinen Druck, technisch völlig fehlerfrei zu sein. Daher kann ich auch mit Lampenfieber gut umgehen.  

Herzlichen Dank für das Gespräch und viel Erfolg beim Umsetzen Ihres Traumes!

 



Steckbrief IVANA ZDRAVKOVA: geboren 17.1.1989, 4 Jahre Musikgymnasium Skopje, 4 Jahre Bachelor-Studium Gesang in Skopje, seit 2011 Masterstudium Gesang an der Kunstuni Graz. Operndebüt als Olympia im Mai 2013 in Skopje.
Leidenschaft: Lesen, v. a. Romane, Dokumentationen und Biografien über historische Persönlichkeiten.
Liebster Aufenthaltsort auf der Welt:  Ich bin noch auf der Suche, er muss jedenfalls in der Natur mit viel Grün und an einem See oder Fluss liegen.
Mein Idol: Danielle de Niese und Anna Netrebko. Sie sind schauspielerisch, stimmlich und optisch top. Vor allem aber verstehen sie es, ihr Publikum emotional zu fesseln. Das möchte ich auch.  
Diese Person würde ich gerne kennenlernen: Oprah Winfrey: sie interessiert sich für die Menschen und ihre Probleme und schürft nicht nur an der Oberfläche.
Wertvollste Telefonnummer in meinem Handy: die meines Freundes.  
Nachhaltigkeit bedeutet für mich: Immer auf seine eigene Balance zu achten: nur wer selbst ausgeglichen ist, kann Beziehungen zu anderen aufbauen und den Menschen in seinem Umfeld Energie zurückgeben.
"Living Culture" bedeutet für mich: Menschen und ihre typischen Lebensweisen, die eine Stadt oder ein Land „ausmachen“.
Was ist wichtig im Leben? Ständig an sich und seinem Unterbewusstsein arbeiten. Da kann man unendlich viel aus sich herausholen, beruflich und menschlich.


Ivana Zdravkova als Carolina in Il matrimonio segreto, Mumuth Graz, Mai 2013


« zurück

Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at