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Von: Monika Wogrolly; Fotos: Diana Loibnegger

Des Jandls Muse (Ausgabe X / 2010)

Wien, Gasthof „Steirerstöckl“.
„Das Stammlokal der Frau Mayröcker“, weiß der Ober.
„Aber sie isst nie viel“, setzt er hinzu.

Es hat geregnet. Draußen wird es dunkel, und wir bestellen eine Kleinigkeit gegen das Warten. Dann kommt sie. Eine Nymphe, wie soeben einem Tümpel entstiegen, schlüpft aus einem Wintermantel und blickt uns unverwandt an. Sie ist mittelgroß, hat schwarz gefärbtes Haar, zartbitter schön. Schwarzer Kajal umrandet ihre Augen. Friederike Mayröcker ist die Dichterin der Nation. Und Lebensmensch, Muse des verblichenen Wortakrobaten Ernst Jandl. Ebenso entflohene Lehrerin, die dem Drängen des Vaters auf einen Brotberuf nachgab. Jeden Morgen bis Mittag werde geschrieben, sagt sie, sie habe fixe Zeiten, habe immer gegen den Wahnsinn angeschrieben. Nur in den Zeiten mit Ernst Jandl im Ferienhaus sei ihr das Schreiben vergangen, wogegen er erst recht beflügelt gewesen sei. Der Dichter und seine Muse. War sie mit Jandl verheiratet? „Um Gottes Willen, nein!“, ruft sie, „ein Schriftsteller darf nicht heiraten und keine Kinder kriegen!“ Warum nicht? Weil es sich nicht vertrage. Mit Jandl sei das von vornherein abgeklärt gewesen, dass sie nie zusammenleben würden, weil dann automatisch die Frau dafür zuständig sei, dass Brot im Haus sei, usw. Nur am Ende seines Lebens hätten sie in einem Haus gelebt, jeder in einem anderen Stockwerk. Als es ihm schlecht ging, kurz vor seinem Tod, sei sie nachts „oben geblieben“, aber dann morgens, um zu arbeiten, „hinunter gegangen“. Sie müsse immerzu schreiben. Sie hustet. Die trockene Luft. In ihren Augen blitzt es, als sie an Ernst Jandl denkt. „Wir haben jeden Abend geredet. Jeder hat vorher seine Arbeit getan.“ Die Arbeit, das Schreiben.

Zitat:

So zeitlos ist Dichtung.
SIE IST DIE GRANDE DAME DER LITERATUR:
Wir trafen Friederike Mayröcker, für Lyrik und Prosa bekannt.


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