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Text: Michael Lippitsch, Fotos: Elisabeth Plank

Haushofer-Verfilmung mit Martina Gedeck

Am 5. Oktober startet "Die Wand" in den österreichischen Kinos. In der Verfilmung des bekannten Romans von Marlen Haushofer spielt Martina Gedeck die Hauptrolle. Der steirische Regisseur Julian Roman Pölsler (begeisterte 2009 mit der Erherzog-Johann-Verfilmung "Geliebter Johann Geliebte Anna") realisierte im Salzkammergut über mehrere Jahre hinweg dieses außergewöhnlichen Projekt. In "Die Wand" geht es um eine Frau, die, abgeschieden von der Außenwelt, nur mit Tieren in der Natur lebt und durch Isolation und Zivilisationslosigkeit erst das Leben in seinem Ursprung kennenlernt.

Die Romanvorlage kann als radikal bezeichnet werden und lässt viele Schlüsse offen. Seit dem Erscheinen 1963 wurde das Werk auch ganz unterschiedlich interpretiert und von verschiedenen Strömungen für sich beansprucht. Für die einen ist es ein feministischer Roman, andere sehen darin eine moderne Robinsonade. LIVING CULTURE war bereits im Juni 2010 bei einem Teil der Dreharbeiten zu "Die Wand" dabei, traf Hauptdarstellerin Martina Gedeck und hat bei ihr nachgefragt, welchen Zugang sie zu Haushofer und zur Romanvorlage hat. Dabei betonte die bekannte Schauspielerin, dass sie für sich "Die Wand" aus einem emanzipatorischen Zusammenhang befreit hat. "Ich denke, wenn man dieses Werk in die Aktualität holt, ins 21. Jahrhundert, dann hat das etwas mit existenziellen Dingen zu tun, vielleicht auch mit existenzieller Bedrohtheit", sagte Gedeck, für die es auch keine Bedeutung hat, dass die Hauptfigur der Geschichte eine Frau ist. Denn Gedeck sieht in Haushofers Roman sämtliche Grenzen ineinander verschwinden. "Die Frau ist der Mann, das Tier ist der Mensch und der Mensch ist das Tier. In diesem Roman lösen sich Kategorien auf und genau darum geht es auch bei diesem Filmprojekt. Wir wollen aus den Schubladen heraussteigen. Der Charakter in Haushofers Buch wechselt auch zwischen Mann- und Frausein und das versuchen wir im Film darzustellen", erzählte Martina Gedeck beim Pressetermin in Gosau/Oberösterreich.
Der fertige Film schafft es nicht zu hundert Prozent diese Schubladen hinter sich zu lassen und hat vor allem eine Schwäche: Er macht die Wand, die im Buch nie genau definiert wird, als überdimensionale Käseglocke sichtbar, die Gedeck in ihr Waldgefängnis einschließt. Man kann durch die Wand durchsehen, gegen sie klopfen, aber sie gibt ihre Insassen nie frei. An einer Stelle des Films rast Gedeck sogar mit dem Auto gegen die durchsichtige Wand, was nicht nur einen Totalschaden, sondern auch die Erkenntnis mit sich bringt, dass es durch die Wand kein Entkommen gibt. Diese Szenen sind aufwändig gemacht (man arbeitete für den Effekt der Wand etwa mit riesigen Glasscheiben), jedoch kann die Wand im Film nie diese Bedrohung herstellen, die Marlen Haushofer in ihrer Romanvorlage damit erreichte, einfach offen zu lassen, was die Wand überhaupt ist - ob sie real existiert oder nur in der Wahrnehmung der Protagonistin vorhanden ist.
Neben Gedeck gibt es in dieser Literaturverfilmung noch einen weiteren Hauptdarsteller: Die Natur. "Regisseur Julian Pölsler hat mir von Anfang an gesagt, dass ich starke Partner bei diesem Film haben werde – den Wald und das Licht", so Gedeck, die auch keine Scheu davor hatte, für diesen Film in der Erde zu wühlen und sich schmutzig zu machen. "Ich bin in Bayern am Land groß geworden und liebe und schätze es, in der Natur zu arbeiten. Das ist mir etwas sehr Vertrautes."


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