Interessiert an exklusiven Kulturerlebnissen? Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Ihre LC news straight home. Finden Sie Anregungen für mehr Lebensqualität ohne Zeitaufwand und besuchen unsere Events mit dem speziellen LC Faktor.



Sprache:

Anrede:


Titel:


Vorname:

Nachname:

E-Mail:


Ein Kommentar von Markus Schwingenschlögl

Ich hab' das ganz schön dicke



Wir sind ganz schön fett geworden. Sie und ich, meine ich. Sie verbitten sich derart grobschlachte Verbalinjurien? Verständlich, aber der eigene Wanst trägt sich leichter herum, wenn man vergleichbare Problemstoff-Endlagerstätten auch bei anderen als amorphen Extension Pack wähnt. Risiko einer zusätzlichen dicken Lippe hin oder her. Verzeihen Sie mir, einem ausgezehrten Geist in einem genussmitteldeformierten Körper, also bitte.

Sicher, theoretisch plagt es einen ganzjährig, dass das Delikatessenkrematorium auf ziemlich kleiner Flamme vor sich hin lodert und beständig Erweiterungstrakte anbaut. Dennoch entstehen zusätzlich Härten, wenn etwa die Rechnung über den neuen Anzug vom Lastwagenplanenhersteller kommt, oder auch einfach, wenn es wieder einmal Sommer wird. Ja, die warme Jahreszeit ist für alle unter uns, deren BMI eine Stellenanzahl erreicht hat, die einen eher an die Telefonnummer des BundesMinisteriums für Inneres denken lässt, eine echte Qual. Die Hitze motiviert dazu, sich an diversen öffentlichen Gewässern der ohnehin zu engen Kleidung zu entledigen und die tendenziell recht zweifelhaften Vorzüge der leichten Badegaderobe zur Schau zu stellen.

Wie soll man dieser Misere nun adäquat zu Leibe rücken? Die einfachste Variante ist, sich während des Verzehrs der 2 Liter Box Walnusseis in den Frühjahrsausgaben der Societymagazine die Fotos etwas zu wohlgenährter und cellulitärer Stars anzusehen, wodurch das eigene Selbstbewusstsein derart aushärtet, dass man fortan normalgewichtige Strandpromenadenflaneure als chronisch anorektisch wahrnimmt.

Effizienter ist da das Fettabsaugen. Für mich kommt diese illegale Abkürzung  jedoch nicht in Frage. Außerdem ist das doch total letztes Jahrhundert. Heutzutage verschlankt man sich mittels Kryolipolyse, bei der einem die Fettzellen einfach erfroren werden. Soll übrigens auch gegen Falten helfen. Statt Botox nimmt man heute Frotox. Wahrscheinlich kommt der nächste Anti Aging Trend dann direkt von bofrost.

Und dann sind da noch diese Diäten. Es existieren tausende Handbücher zum Thema, Ratschläge im Fernsehen und selbstverständlich der Geheimtipp des Bekannten, dessen Bürokollege eine Schwiegermutter hat, deren Dackel unlängst an einem Neufundländer geschnüffelt hat, der auf das Gewichtsniveau eines Chihuahua abgespeckt hat. Wem soll man nun vertrauen? Dem stark bulimieverdächtigen Bestsellerautor der neuesten Schlankheitslektüre? Der pummeligen Fernsehtante, die adipöse Kinder im TV dressiert und demütigt? Oder doch der Köterdiät?

Ersparen Sie sich das ganze Gesülze. Langfristig betrachtet sind Diäten nämlich genauso wirkungslos gegen Übergewicht wie das klassische „Reparaturbier“ gegen ein knackiges Delirium tremens. In Wahrheit helfen dauerhaft nur elementare Kenntnisse über die Energiebilanz thermodynamischer Systeme. In der Formulierung für den menschlichen Körper etwa: Weniger Energie verbrauchen, als zu sich nehmen.

Ich selbst werde daher in dieser Saison meine Strandfigur wohl nur dadurch bekommen, dass ich beständig auf der Flucht vor der Meute von Diätaposteln und plastischen Chirurgen sein werde, die ihre Pf(r)ünde durch meine verkürzten Darstellungen dahinschmelzen sehen. Sollten Sie schon fit fürs Badeoutfit sein: Wohlan, schönen Sommer! Und sollte Ihnen der ganze Schlankheitswahn und das Feilen an den eigenen Abmessungen zu anstrengend sein: Seien Sie getröstet, der nächste Winter kommt bestimmt.


« zurück

Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at