Interessiert an exklusiven Kulturerlebnissen? Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Ihre LC news straight home. Finden Sie Anregungen für mehr Lebensqualität ohne Zeitaufwand und besuchen unsere Events mit dem speziellen LC Faktor.



Sprache:

Anrede:


Titel:


Vorname:

Nachname:

E-Mail:


Text & Foto: Michael Lippitsch

Karl Markovics: „Österreichischer Film in Gefahr!“

Er gehörte zu den ersten Interviewpartnern von LIVING CULTURE: Karl Markovics, einer der bekanntesten Schauspieler Österreichs, der mittlerweile auch als Filmregisseur große Erfolge gefeiert hat. Als wir ihn 2008 das erste Mal trafen, gab es nur Positives zu berichten: „Die Fälscher“ mit Markovics in der Hauptrolle wurde gerade in Hollywood gefeiert. Nun ist der Gesprächsanlass ein weniger erfreulicher: Der Dachverband der österreichischen Filmschaffenden lud zur Pressekonferenz ins Wiener Café Landtmann, um vor massiven Bedrohungen der österreichischen Filmwirtschaft zu warnen.
Einerseits stehen Einsparungspläne des ORF in der Höhe von 35 Millionen Euro im Raum, die – wie eine aktuelle Studie zeigt – der heimischen Filmbranche bis zu 1000 Jobs im Filmbereich und ca. 900 in angrenzenden Branchen kosten könnte. Weiters bereitet den österreichischen Filmschaffenden ein Freihandelsabkommen der EU mit den USA Sorgen, das die bisherigen Kulturförderrichtlinien komplett umkrempeln könnte. Film-Gewerkschafter Gerhard Schedl dazu auf der Pressekonferenz: „Die Förderungen können dann nicht mehr auf Europa eingeschränkt werden, es werden auch die amerikanischen Produzenten als Antragsteller kommen.“ Bisher kämpft Frankreich als einziges EU-Land vehement dafür an, dass Kulturgüter aus dem Freihandelsabkommen ausgenommen werden.



LC: Herr Markovics, sehen Sie in dem Freihandelsabkommen mit den USA auch eine große Gefahr für die österreichische Filmbranche?

Karl Markovics: Ja und ich begreife nicht, warum wieder einmal nur Frankreich und nicht auch andere Länder einsehen, dass es unbedingt notwendig ist, Kulturgüter und die kulturelle Förderung aus diesem Freihandelsabkommen auszunehmen. Dass wir alles opfern, wofür Europa steht, nur  des Geldes wegen, finde ich katastrophal.

Würden mit diesem Abkommen nicht noch mehr amerikanische Filmproduktionen nach Europa kommen?

Aber das tun sie im Grunde genommen jetzt schon. Die werden bereits rundherum gefördert. Also um amerikanische Produktionen mache ich mir wirklich keine Sorgen.

Aber profitieren heimische Firmen nicht auch davon, wenn amerikanische Produktionen nach Österreich kommen? Die Amerikaner können ja nicht alles mitnehmen, müssen dann also Aufträge an heimische Firmen vergeben: Firmen der Filmbranche, aber auch Unternehmen, die die ganze Infrastruktur stellen: Autovermietung, Caterer, Hotels etc.

Jein. Ein amerikanischer Film kommt nicht hier her wegen dem Catering. Was bieten wir einer amerikanischen Produktion? Haben wir ein Studiogelände? Nein. Haben wir große Firmen, die Filmequipment verleihen und überhaupt die Menge an Equipment haben, die die Amerikaner brauchen? Nein. Wir wissen von der Vergangenheit, dass wenn US-Produzenten nach Österreich kommen, dann kommen sie, weil sie eine ganz konkrete Location brauchen. Dafür müssen sie dann häufig aus der Slowakei Equipment anmieten, weil, wenn bei uns gleichzeitig eine Fernsehserie gedreht wird, wir nicht genug Kräne, nicht genug Schienen usw. haben. Das heißt unsere ganze Infrastruktur ist so kleinteilig und auf unser kleines Filmschaffen ausgerichtet, dass wir für große Produktionen völlig uninteressant sind. Die gehen lieber gleich nach Tschechien, dort haben sie super Studios, oder nach Ungarn, Rumänien oder Bulgarien, weil es dort sehr billig ist und auch tolle Studiogelände gibt. Oder sie gehen nach Deutschland, dort ist es zwar teuer, aber dort bekommen sie massive Förderungen. Also nach Österreich kommen US-Produktionen nur, wenn sie den Uhrturm brauchen, das Riesenrad oder die Festung Hohensalzburg. Den Rest holen sie sich aus München.

Und aus der Sicht des Schauspielers? Sie haben z.B. in der amerikanischen Produktion „Unknown Identity“ mit Liam Neeson mitgespielt. Verdient man in US-Filmen deutlich mehr als in österreichischen oder deutschen Produktionen?

Nein, überhaupt nicht. Es ist im Gegenteil so, dass die dann hier oft massiv auf die Gagen drücken. Die Amerikaner haben immer einen deutschen Koproduzenten und mit dem verhandelt man dann die Gage. Ich verhandle ja nicht mit den Amerikanern direkt.

Das heißt, die Gagen sind in etwa gleich?

Wenn überhaupt. Also das hat für einen Schauspieler kaum einen Einfluss.


« zurück

Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at