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Von: Margret Hausegger, Monika Wogrolly; Fotos: Ushakova, Schendl

Natalia Ushakova: Stimme Voller Luxus und Hingabe (Ausgabe II / 2008)

Natalia Ushakova über ihre Wahlheimat Graz, ihre Förderer, die harte Schule der Oper, die Liebe zu Reiner Schendl und Anna Netrebko.

Diven hautnah.: Teil I unserer Serie.

Eine temperamentvolle junge Frau öffnet uns die Tür einer schicken Grazer Altbauwohnung, wo die Netrebko schon so manche Nacht inkognito verbrachte. Warmherzig bietet Starsopranistin Ushakova uns mit einladenden Gesten verschiedene Teesorten, Zotter-Schokolade und das Du-Wort an. Mit dabei ihre Herzensmänner: Der Nachbarskater und Gatte Reiner, den sie auf der Bühne kennen lernte...

Liebe Natalia, stimmt es, dass dich mit Anna Netrebko eine große Freundschaft verbindet?

Ja, sechzehn Jahre sind wir schon befreundet, wir haben in St. Petersburg im Studentenheim zusammen gewohnt. Als ich in Deutschland auftrat, ist sie gekommen und hat eine Woche bei uns am Boden geschlafen. Und jetzt machen wir bald gemeinsam Urlaub. Wir brauchen nicht so viel Luxus.

Wie bist du in Graz gelandet?

Professor Schmid, Rektor Otto Kolleritsch und Professor Pöppelreiter waren damals in St. Petersburg bei einem Wettbewerb, bei dem sie je eine Sopran, einen Tenor und eine Mezzosopran ausgesucht haben. Ich hatte Glück und war dann drei Jahre Stipendiatin der Stadt Graz. Ich habe hier Deutsch gelernt und meine musikalische Ausbildung gemacht. Im Endeffekt war es für mich ein Studium des Lebens, aber natürlich auch der Kunst.

Wie kann man sich deinen Alltag damals vorstellen?

Es waren sehr harte Proben. Wir mussten um neun Uhr dort sein, und da ich kein Deutsch konnte, habe ich wie ein Affe immer alles wiederholt, ohne zu verstehen. Erst später habe ich überhaupt verstanden, was ich sagte. Bei der ersten Produktion habe ich Poppea in „Die Krönung der Poppea“ gesungen, eine sehr schöne Produktion, die ich nie vergessen werde.

Und wie ist es dazu gekommen, dass du heute in Graz eine Wohnung hast?

Ich habe hier viele Freunde gefunden, auch Studienkollegen und andere Menschen, Opernliebhaber. Günther Nebel hat mir auch wahnsinnig viel geholfen. Er ist mein lieber Freund und Sponsor. Außerdem habe ich auch österreichische Wahleltern, Dr. Werner Kuss und Mag. Sonja Kuss, die sich um mich gekümmert haben.

Wie waren zu Beginn deiner Studienzeit die Lebensbedingungen?

Zuerst habe ich in einem Loch gewohnt. Meine Freundin, eine Stipendiatin aus Litauen und ich hatten kein Geld, und wir haben ohne Wasser im Keller gewohnt. Im Winter haben wir unsere Haare mit kaltem Wasser in einem Waschbecken im Flur gewaschen und ich weiß selbst nicht, warum wir nicht Meningitis bekommen haben. Wir haben außerdem schwarz als Putzfrauen gearbeitet, mussten um fünf Uhr aufstehen, um sechs mussten wir dann schon zu putzen beginnen. Um elf oder zwölf bin ich dann zur Probe gekommen und habe immer gegähnt, und Herr Professor Pöppelreiter hat immer gefragt „Was machst du bloß nachts, du bist immer müde?“ Das waren schon schwere Zeiten, da ich Geld gebraucht habe um meine Großeltern, bei denen ich in Taschkent aufgewachsen bin, zu unterstützen. Das Flugticket hat auch sehr viel gekostet. Ich glaube, es sind 7000 km von hier, jedenfalls sehr weit weg in Asien an der Grenze zu Afghanistan.

Graz ist ein bedeutender, schicksalsträchtiger Ort…

Ich habe hier sehr liebe Menschen kennengelernt, auch meinen Mann bei den Proben zu „Krönung der Poppea“ getroffen. Er hat auch gesungen und wir haben uns auf der Bühne getroffen.

Hast du dann auch an der Grazer Oper gesungen?

Ich habe schon überall auf der Welt gesungen, in der Scala, in der MET, mit Plácido Domingo, mit Riccardo Muti, nur für die Grazer Oper war ich nie gut genug. Sie haben mich nie engagiert. Es gab zum Beispiel eine Produktion von „Eugen Onegin“, bei der die Tatjana, meine Lieblingspartie, ausgefallen ist und sie haben dann Sängerinnen aus der Ukraine und aus anderen fernen Ländern geholt und ich bin hier in Graz gesessen, aber sie haben mich nicht genommen.

Das ist merkwürdig. Vielleicht liegt das an mangelndem kulturellen Selbstbewusstsein dieser Stadt.

Wahrscheinlich. Ich wollte so gerne in der Grazer Oper singen! Es ist so ein schönes Haus und meine Freunde, Günther Nebel und meine Wahleltern, meine Studienkollegen und Professoren, sie alle wollen mich hier in Graz hören! Ich habe sogar schon mehrmals vorgesungen, was für mich ein großer Schritt war, denn normalerweise singe ich nicht vor. Ich meine, es ist immer Geschmackssache, manchen gefällt diese Stimme, manchen eine andere. Aber sie haben mich verschiedene Partien vorsingen lassen, auch „La Traviata“, meine Schicksalspartie. Ich habe in Busetto in Italien an einem Violetta-Wettbewerb teilgenommen. Dort waren hunderte italienische Violettas und das Publikum hat mich ausgewählt. Ich habe dann in Busetto, Verdis Geburtstort, am Verdi Theater debütiert als Violetta, und das ist unglaublich. Für die BBC habe ich dann in einem Film Verdis zweite Frau gespielt und auch Violetta gesungen. Eine der berühmtesten Verdi-Sängerinnen, Virginia Zeani, sie hat Violetta über 700 Mal gesungen, öfter als alle anderen. Sie war zu Maria Callas-Zeiten ein Weltstar und sie hat mir geschrieben, dass ich eine zarte, große Stimme voller Luxus und Hingabe habe. Seitdem habe ich jetzt schon über hundert Mal die Violetta gesungen, und in Graz haben sie mich nicht genommen. Überall werde ich umjubelt, nur in meiner quasi Heimatstadt werde ich nicht respektiert. Aber Ioan Holender hat mich für die Wiener Staatsoper engagiert, ohne mich viel gehört zu haben und ich bin ihm sehr dankbar dafür. Er hat einfach gefragt „Wollen Sie das singen? Können Sie das gut?“ und ich habe gesagt „Ja! Ja!“ und dann hat er gesagt, „Gut, dann probieren wir’s.“

Holender ist souverän.

Ja, er ist ein Profi und eine sehr große Persönlichkeit und ein großer Kenner. Für mich ist er ein großer Diamant in der Opernwelt, er hat eine einzigartige Begeisterung für die Oper und ist auch ein Künstler. Er spürt neue Talente und vertraut, entdeckt neue Stars und er hat Mut und macht auch Mut. Wir waren dann alle in Wien, auch Anna Netrebko, die die Manon gesungen hat und Holender ist bei meiner ersten Aufführung im Publikum gesessen und war sichtlich besorgt über seinen eigenen Mut, mich einfach so singen zu lassen. Aber nach der ersten Arie war das Wiener Publikum begeistert, es gab großen Jubel, und Holender ist dann zu mir gekommen und hat gesagt, „Du hast gewonnen, du hast gewonnen!“, und ich habe gesagt: „Nein, wir haben gewonnen.“ Und dann habe ich eine halbe Stunde Autogramme geben müssen, und ich habe zuvor zu Anna gesagt, wer will schon ein Autogramm von mir, aber sie hat gesagt, du wirst schon sehen. Und die Leute sind gekommen mit Fotos von mir und waren total begeistert und haben sich über mich erkundigt. Es waren drei Vorstellungen, bei der ers-ten bin ich für eine andere Sängerin eingesprungen und durch Mundpropaganda hat sich das dann so verbreitet, dass die beiden anderen Vorstellungen völlig ausverkauft waren. Nicht einmal ich habe noch eine Karte bekommen. Ich wurde sofort ein Publikumsliebling, und sie haben gesagt, „Sie ist gut, sie ist toll“. Das war wirklich super cool und toll und dafür muss ich Direktor Holender danken, weil er so einen Mut gehabt hat.

Entdecken Sie in der nächsten Ausgabe von LIVING CULTURE weitere Eindrücke der privaten Ushakova-Netrebko-Fotogalerie und die Ushakova im Interview zu Sexszenen auf der Opernbühne und Rivalität zwischen Operndiven

Zitate:

Die Ushakova zu ihrer Wahlheimat Graz:

Ich habe schon überall auf der Welt gesungen, in der Scala, in der MET, mit Plácido Domingo, mit Riccardo Muti, nur für die Grazer Oper war ich nie gut genug.

Als ich mit Domingo gesungen habe, haben alle gedacht, dass ich die Rolle nur bekommen haben, weil ich seine Geliebte wäre.

Studienzeit:

Im Winter haben wir unsere Haare mit kaltem Wasser in einem Waschbecken im Flur gewaschen, und ich weiß selbst nicht, warum wir nicht Meningitis bekommen haben.


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