Interessiert an exklusiven Kulturerlebnissen? Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Ihre LC news straight home. Finden Sie Anregungen für mehr Lebensqualität ohne Zeitaufwand und besuchen unsere Events mit dem speziellen LC Faktor.



Sprache:

Anrede:


Titel:


Vorname:

Nachname:

E-Mail:


Von: Adele Schwingenschlögl; Transkript: Lukas Wogrolly; Gespräch: Monika Wogrolly; Fotos: Christian Jungwirth, www.bigshot.at

Nhut La Hong „Der Perlensticker“ (Ausgabe XX / 2012)

„Es war einmal…“ wäre eigentlich ein stimmiger Beginn für die Lebensgeschichte des Modeschöpfers aus Vietnam, liest sie sich doch fast wie ein Märchen. Als er vierzehn war, flüchtete seine Familie nach Österreich. Vorarlberg, um genau zu sein. Von dort sollte ihn ein bewegtes Leben von Null weg bis in den Modeolymp führen. Während zahlreiche Konzerne bei der Produktion ihrer Kleidung unmenschliche Arbeitsbedingungen in Kauf nehmen, beweist er eindrucksvoll, wie man mit Fleiß und solider Ausbildung nicht nur bestehen, sondern ganz groß werden kann. Und heute, heute steht man Schlange, um an eine seiner begehrten Kreationen zu gelangen. Dennoch fand der nur knapp 1,50m große Exklusivschneider Zeit, uns zu erzählen, wie aus Nhut „DER“ La Hong wurde.

„Erstens macht man seine Arbeit gut, zweitens macht man sie für sich selbst. Aber drittens tut man etwas für seine Mitmenschen, erst dann ist der Mensch vollkommen.“
Tiefschürfende Worte eines Mannes, der es versteht, selbst aus den Niederlagen, die das Leben bereithält, maßgefertigte Siege zu schneidern. So ließ er sich nicht erschüttern, als sich nur einen Tag vor Weihnachten der Adventkranz entzündete und der Großteil seines Ateliers und seiner Kollektion verbrannte. „Man soll das Wasser nicht tadeln, wenn man ins Wasser fällt“, zitiert er dazu ein asiatisches Sprichwort. Und so „schwamm“ er nach dem Schock zu neuen Ufern, an denen schon das Brandmuseum wartete und ein versehrtes Stück erbat, um es dort auszustellen, wo bereits berühmte Brände wie jener der Hofburg dokumentiert wurden.

Humorvoll und optimistisch, so ist er, so lebt er, so begegnet er seinen Kunden. Und so veredelt er auch seine Modelle. „Es gibt gewisse Perlen, die nur ich setzen kann, das ist wie ein Bild, wie ein Kunstwerk.“ So individuell wie sein Leben.

„Ich war immer das schwarze Schaf unter meinen sieben Geschwistern!“, erinnert sich der smarte Asiate. „Einerseits wirke ich so lieblich, so zart und so süß. Andererseits bin ich sehr wild, ich habe mich alles getraut.“ Und gezeichnet hat La Hong schon als Kind den ganzen Tag. Sein Vater, ein Zahnarzt, hieß das schon früh aufkeimende Interesse seines Sohnes nicht unbedingt gut. „In seiner Generation war das so. Männer dürfen nicht putzen, kochen oder nähen. Das sind alles Frauenberufe.“ Daher sollte auch der junge Nhut in die Fußstapfen des Vaters treten, doch der rote Faden des Lebens sah das anders. So zeigte ein Eignungstest nach der Hauptschule in Österreich, was schon immer augenscheinlich war, La Hongs künstlerisches Talent.

Also begann er eine Lehre als Technischer Zeichner und lernte ein Designerehepaar kennen, das begeistert von ihm war. „Die haben gesagt: Wow, La Hong, du kannst das. Du hast ein Gefühl dafür. Geh nach Wien und mach die Textilschule.“ So stieg der etwa zwanzigjährige Nhut in den Zug, bestand die Aufnahmeprüfung an einer der ältesten und renommiertesten berufsbildenden Schulen der Welt, der HTBLVA Spengergasse, und schloss sie nach fünf Jahren mit Matura ab. „Ich habe angefangen und war verliebt, in die Schule und auch in den Beruf.“

Kurioserweise wurde er danach von der Akademie für angewandte Kunst abgelehnt.
„Da habe ich gedacht: Kein Studium, keine Schule mehr, gar nichts. Du musst jetzt arbeiten gehen, du musst dein Leben leben.“ Freunde rieten ihm, nach Paris zu gehen, doch La Hong blieb Wien treu und kam schließlich bei der Boutique Bise in der Wiener Innenstadt als Gehilfe unter.
„Ich habe gesagt, ich kann nähen, aber das war eigentlich gelogen, weil, was ich gelernt habe war Zeichnen und Design. Wir haben nur Bettwäsche nähen gelernt.“ Seine perfektionierten Nähkenntnisse konnte er im anschließenden Zivildienstjahr im Krankenhaus Lainz unter Beweis stellen. Während er tagsüber Gewebeproben oder auch mal ein herrenloses Raucherbein von einer Abteilung zur anderen chauffierte, „nähte“ er dort in seiner Freizeit sämtliche Krankenschwestern „ein.“ „Das war ganz lustig. Wir sind gemeinsam Stoffe einkaufen gegangen, und zu Hause und in der Pause habe ich immer genäht.“

Langsam kam er seiner eigentlichen Berufung näher, dem Designen. Doch vor dem großen Sprung in die Selbständigkeit sammelte er noch einige Jahre als Änderungsschneider Erfahrungen. 2003 war es dann schließlich soweit: La Hong eröffnete sein Atelier im ersten Wiener Bezirk, wo er sich endlich seiner Philosophie entsprechend präsentieren konnte. Die Geburtsstunde der „Hong-Couture“ sozusagen.

Ein Kunde, ein Termin, ein Glas Champagner.
„Egal, was man dem Kunden auch verkauft, zuerst muss er sich wohl fühlen.“ Danach heißt es zuhören, besprechen, einfühlen. An erster Stelle steht nicht die Idee des Künstlers, sondern der Wunsch des Kunden. „Dann spüre ich langsam, was das Richtige ist. Das ist sehr wichtig, so weiß ich, wie ich den Kunden glücklich machen kann. Denn jeder Mensch hat seinen Geschmack. Auch grausig ist eine Geschmacksrichtung, jeder kann nur mit seinem eigenen Geschmack leben.“

Eine Philosophie, die der Designer auch nach dem Brand im Dezember 2011 beibehalten hat, ebenso wie seinen Optimismus. Einzig der Schauplatz wird sich ändern. „Wenn ich schon so viel Energie brauche für etwas, das kaputt gegangen ist, kann ich die Energie gleich in etwas Neues stecken.“

Kurz gesagt, der Stoff, aus dem die Träume sind. Aber bestickt vom Meister selbst.

Infos:

Nhut La Hong …

… wurde 1967 als fünftes von acht Kindern in Saigon, Südvietnam, geboren. Sein Vater war Zahnarzt, die Mutter Schneiderin. Als Nhut vierzehn Jahre alt war, flüchtete die Familie nach Österreich und zwar direkt in die Textilhochburg Vorarlberg. Aufgrund fehlender Konventionen arbeitete sein Vater als Hilfsarbeiter in einer Textilfabrik. La Hong selbst machte nach dem erfolgreichen Volks- und Hauptschulabschluss eine Lehre als Technischer Zeichner in der Schifabrik Kästle. Danach besuchte er in Wien die renommierte, bereits 1758 von Maria Theresia gegründete Höhere Technische Bundeslehr- und Versuchsanstalt Spengergasse. In der Boutique Bise in der Rotenturmstraße arbeitete er zunächst als Gehilfe, bevor er sein Zivildienstjahr im Krankenhaus Lainz absolvierte. Zuerst hauptsächlich als Näher und Änderungsschneider tätig, unter anderem für die Boutique Chegini und für Prada, machte er sich bald einen Namen als Designer. Bevor er 2003 sein eigenes Geschäft in der Wiener Kärntnerstraße eröffnen konnte, musste er jedoch die Meisterprüfung als Damenkleidermacher ablegen, wofür er ein Jahr lang die Abendschule besuchte.

Mittlerweile werden seine Roben beim Wiener Opernball getragen, wie etwa von Carmen Elektra, Krista Schüssel, Bettina Steigenberger oder Julia Moretti. Im heurigen Jahr glänzte darin auch Soko-Kitzbühel-Star Kristina Sprenger. Selbst erschien La Hong auf der Grazer Opernredoute als Gast von Werner Gröbl. Er kreierte die Ausstattung des österreichischen Sportlerteams für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2008 und designte T-Shirts für eine Spendenaktion der Caritas und des Wiener Roten Kreuz. Von La Hongs sozialer Ader profitierte auch sein Heimatland. Dort etwa übernahm er die Finanzierung für ein Schulgebäude und zeigte 2011 auch erstmals sein Schaffen auf dem Vienna Charity Ball in Hanoi. „Es war für mich eine große Ehre und hat mich mit Stolz erfüllt, Österreich auf dem Boden meiner Heimat repräsentieren zu dürfen!“

Zitate:

Ich habe gesagt, ich kann nähen, aber das war eigentlich gelogen, weil, was ich gelernt habe war Zeichnen und Design. Wir haben nur Bettwäsche nähen gelernt.

In vaters Generation war das so. Männer dürfen nicht putzen, kochen oder nähen. Das sind alles Frauenberufe.

Erstens macht man seine Arbeit gut, zweitens macht man sie für sich selbst. Aber drittens tut man etwas für seine Mitmenschen, erst dann ist der Mensch vollkommen.


« zurück

Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at