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Text: Michael Lippitsch & Lukas Wogrolly
Foto: Rupert Larl, Tiroler Landestheater

Nick Hornby und der Jesus aus Nippeln

"NippleJesus", das erfolgreiche Ein-Personen-Stück des britischen Star-Autors Nick Hornby, das bereits am Grazer Schauspielhaus (Probebühne) oder im Wiener Museumsquartier zu sehen war, wird aktuell am Tiroler Landestheater gezeigt. LIVING CULTURE war in Innsbruck vor Ort und erlebte in der intimen Spielstätte K2 einen kurzen, aber genauso beeindruckenden Abend mit dem Schauspieler Timo Senff.

Der Inhalt des gut 45-minütigen Stücks ist schnell erklärt: Dave, ein ehemaliger Disco-Türsteher, will sich, nachdem er von einem betrunkenen Gast attackiert wurde, beruflich neu orientieren. Er findet eine Anstellung in einer Kunstgalerie und muss exklusiv ein einziges Gemälde bewachen, das Jesus Christus am Kreuz zeigt. Erst bei genauerem Betrachten fällt Dave auf, dass der Jesus auf dem Bild aus lauter weiblichen Brustwarzen zusammengesetzt wurde. Der Skandal in der Presse lässt nicht lange auf sich warten, Kirchenvertreter und christliche Gruppierungen sind über das Kunstwerk empört. Doch Dave baut eine innige Beziehung zu "seinem Bild" auf. Bis es von einem Irren zerstört wird...

Timo Senff gibt in der Innsbrucker Version des weltweit gespielten Stücks den anfangs harten Kerl mit wenig Kunstsinn, dessen Kapital seine Muskeln sind, äußerst überzeugend. Die ersten zehn Minuten des Abends, in denen Daves Abkehr vom Türsteher-Beruf erläutert werden, sind ein Wechselspiel von Videoaufzeichnungen und Senff auf einem überdimensionalen Rechteck sitzend oder turnend. Das Publikum ist um ihn herum platziert, wird aber nur einmal kurz ins Stück miteinbezogen. Als Dave schließlich zum "NippleJesus"-Bewacher in der Kunstgalerie wird, muss sich der Zuschauer selbst vorstellen, wie dieses Christus-Bild aus Brustwarzen aussehen könnte. Allein durch Senffs Spiel baut man, genau wie Museumswächter Dave, eine Beziehung zu dem nicht existenten Bild auf und erlebt als Zuschauer ebenso eine Enttäuschung, als das Gemälde zerstört wird. Dann gibt es noch einen Aha-Effekt, die obligatorische Pointe zum Schluss, die das Stück aber etwas zu schnell enden und Senff wenig Zeit lässt, seine Rolle ausklingen zu lassen. Dennoch ein großes Stück Schauspielkunst in Innsbruck - äußerst kompakt präsentiert.


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