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Peter Patzak: der unbeirrte Bildsucher (Ausgabe VI / 2009)

LIVING CULTURE war zu Gast bei dem bekannten Filmemacher und künstlerischen Multi-Talent.

Herr Patzak, wird es neue Filmprojekte von Ihnen geben?

Es wird ganz gewiss Filme geben, allerdings bin ich sehr vorsichtig mit der thematischen Auswahl und möchte lieber meine eigen erträumten Projekte auf der Leinwand sehen. Seit geraumer Zeit arbeite ich an der großartigen Liebesbeziehung zwischen dem genialen Maler Richard Gerstl und Mathilde Schönberg. An dieser dramatischen Beziehung sind letztlich beide zerbrochen – Gerstl beging Selbstmord und Mathilde Schönberg verfiel in eine Art geistiger Umnachtung. Die ganze Geschichte findet vor dem Hintergrund der Zeit um Egon Friedell, Oskar Kokoschka, Arnold Schönberg und vielen anderen großartigen Veränderern statt, die aber trotz ihres revolutionären Anspruchs diese Liebe fast bürgerlich nicht geduldet haben. Und da kommt man an die Grenze: Was ist Wirkung der Kunst und was Wirkung der Psychologie, wenn man selbst betroffen und mit einem Schmerz konfrontiert ist.

Wie weit ist dieses Projekt fortgeschritten?

Dieser Film über Richard Gerstl ist ein sehr großes Projekt und es gab bereits einige Chancen auf eine Realisierung, wobei es noch an der Spitzenfinanzierung gescheitert ist. Ich bleibe da aber ziemlich beharrlich.

Beharrlichkeit und Durchhaltevermögen sind also unbedingt notwendig für den Beruf des Filmemachers?

Ich glaube, dass Beharrlichkeit in jedem künstlerischen Beruf wichtig ist. Und die Beharrlichen und Konsequenten sind es am Schluss, die wesentlich mehr erreichen, als die, die immer nur im Mittelfeld mitgelaufen sind. Um ein paar Beispiele aus der Kunstgeschichte zu nennen: Oskar Kokoschka ist ausgepfiffen und belacht worden, sowohl als Maler als auch als Theaterautor. Schließlich wurde er eine der ganz großen künstlerischen Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts. Egon Schiele hat man Prozesse gemacht und ein Arnold Schönberg ist ausgepfiffen und von der Bühne verjagt worden. All die, die damals jedoch angepasst und halb erfolgreich gelebt haben, kennt man heute gar nicht mehr.

Sie haben bereits mehrmals mit dem italienischen Filmstar Franco Nero gedreht. Wie war die Zusammenarbeit?

Franco Nero ist ein toller und sehr präziser Schauspieler, der mit seiner Wirkung genau umgehen kann. Das erste Mal sind wir uns bei den Dreharbeiten zu „Die Försterbuben“ begegnet und daraus entstanden danach noch einige weitere Produktionen. Er ist ein Mann mit einer ganz erstaunlichen Energie, den das erfüllte Leben nicht müde gemacht hat, sondern der daraus immer wieder neue Energie schöpft. Mit Franco Nero verbindet mich eine große Freundschaft, die sich aber nicht dadurch ausdrückt, dass man tagtäglich miteinander telefoniert, sondern dadurch, dass man ab und zu miteinander etwas unternimmt oder einen Film zusammen macht.

Für „Die Försterbuben“ konnten Sie noch eine weitere Legende des italienischen und internationalen Kinos gewinnen: Ennio Morricone zeichnete sich für die Filmmusik verantwortlich…

Mit Morricone zu arbeiten war fantastisch, weil er eigentlich die Musik spontan zum Film geschrieben hat. Er hat also quasi bei der Projektion des Films – wir waren damals in seinem Studio in Rom – sein Erkennen des Geschehens und der Bilder unmittelbar als Layout ins Klavier gespielt. Ich habe im Laufe meiner Karriere mit vielen großartigen Filmmusikern zusammengearbeitet, etwa mit Peter Zwetkow, der ein großer Lehrmeister für mich war. Aber dass man sofort spontan auf ein Bild oder eine Geschichte reagieren und dazu komponieren kann, habe ich nur bei Ennio Morricone erlebt.

Bei Ihren Filmarbeiten fällt auf, dass Sie oft mit internationalen Größen und Leuten von Weltformat zusammenarbeiten. (z. B. Elliot Gould, Michael York) Warum gibt es außer Ihnen so wenige österreichische Regisseure, die mit internationalen Künstlern arbeiten?

Man muss einmal festhalten, dass auch weltbekannte Filmgrößen nicht unerreichbar sind. Die sind total erreichbar und genauso neugierig wie ein junger Mensch, der gerade anfängt zu arbeiten. Manche Kollegen haben jedoch Angst vor solchen Leuten, da sie glauben, dass die ihnen die Erzählautorität aus der Hand nehmen. Ich habe davor nie Angst gehabt, da ich immer gewusst habe: Je größer die Qualität eines Künstlers hinter oder vor der Kamera ist, umso mehr kann es nur meiner Vorstellung dienen.

Info:

Peter Patzak

Mit dem legendären TV-Kommissar „Kottan“ schrieb Peter Patzak österreichische Fernsehgeschichte. Seither folgten viele erfolgreiche und preisgekrönte Filmwerke (Zu seinen Ehrungen zählt unter anderem der Regiepreis in Venedig für die Heimito-von- Doderer-Verfilmung „Die Wasserfälle von Slunj“). Doch Peter Patzak ist nicht nur Film- sondern auch Theaterregisseur, Maler und Schriftsteller. Eben erst lief im Wiener „Stadttheater Walfischgasse“ die Wiederaufnahme seines Stücks „Akte – Im Schweigen vermählt“, in dem sich Patzak den Schicksalen der Musen bekannter Maler wie Egon Schiele oder Pablo Picasso widmet. Patzak, der sich selbst als ein „vollkommen aus der Mode gekommener Historienmaler“ bezeichnet, stellt seine eigenen Bilder aktuell in der Wiener „Galerie Elisabeth Michitsch“ aus. „Fenster mit Einsicht“ lautet der Titel der Ausstellung, und jeder, der sich für die Verbindung von Patzaks Malerei mit seinem filmischen Schaffen sowie seinen Texten interessiert, darf sich über eine neue Buchveröffentlichung freuen: In „Peter Patzak. Fenster mit Einsicht. Bild. Film. Schrift“ (Der Drehbuchverlag Wien) analysiert der Kunstpsychologe Walter Schurian die Verwobenheit von Patzaks Werk im Bereich der unterschiedlichen Kunstrichtungen.


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