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Text: Michael Lippitsch
Foto: Christian Klein

Peter Patzak über die Malerei: Grossartiger Prozess der Einsamkeit

Die Wiener Galerie base-level zeigt neue Werke von Peter Patzak unter dem Ausstellungstitel "The Gate to the Garden und die Kartographische Benennung". LIVING CULTURE traf das erste Mal 2008 mit Multitalent Patzak zusammen, als dieser gerade am Bilderzyklus "Fenster mit Einsicht" arbeitete. Damals entstand, nach einem sehr persönlichen Interview mit Patzak (Auszüge waren in LIVING CULTURE VI/2009 zu lesen und sind hier online abrufbar), ein Text über die Einsamkeit des Malens. Teile dieses Textes verwendete Patzaks damalige Galerie für den Einladungstext zur darauffolgenden Ausstellung "Die Zeit und elf Räume und die Anfertigung des Manchmals".
Als LIVING CULTURE-Redakteur Michael Lippitsch nun, vier Jahre später, bei der Vernissage zu "The Gate to the Garden..." in der Wiener Galerie basel-level erneut auf Patzak traf, begrüßte der ihn mit den Worten: "Ich hab' deinen tollen Text über die Einsamkeit noch immer am Schreibtisch liegen."



Selten kommt es vor, dass Filmregisseur Peter Patzak nicht in einem Atemzug mit der von ihm und Helmut Zenker geschaffenen Kultfigur des österreichischen Fernsehens, Major Adolf Kottan, genannt wird. Doch einen Peter Patzak kann man weder auf Kottan, noch aufs Filmemachen reduzieren. Der 67-Jährige ist ein Allroundkünstler, der neben der Filmarbeit auch als Theaterregisseur, Autor und vor allem als Maler ein beachtliches Werk geschaffen hat. Auf die Frage, woher er die Energie nimmt, in all diesen Bereichen der Kunst tätig zu sein, antwortete Patzak: "Es gibt kein äußerliches Rezept, aber es ist bei mir schon der Versuch da, ständig in Bewegung zu bleiben. Wird mir eine gewisse Mitteilungsform vorenthalten - etwa aus wirtschaftlichen Gründen - dann wende ich mich einer anderen Äußerungsmöglichkeit zu. Das ist in mir und das habe ich schon immer, seit frühester Jugend so betrieben. Ich habe schon immer geschrieben und mich auch immer mit der bildenden Kunst auseinandergesetzt. Da gibt es diesen großartigen Prozess der Einsamkeit und der Selbstverantwortlichkeit bis zur letzten Konsequenz."

Sich selbst bezeichnet Patzak als einen "vollkommen aus der Mode gekommenen Historienmaler", auch wenn man das seinen Bildern auf den ersten Blick gar nicht ansehe. Bevor Patzak allerdings zum Pinsel greift, investiert er ein großes Maß an Zeit in Lese- und Recherchearbeit, taucht ein in historische Themen und visualisiert diese dann auf der Leinwand. Ein Bild für den Zyklus "Fenster mit Einsicht" etwa trägt den Titel "Fenster in der Villa Suburbana" und verarbeitet das Schicksal Senecas. "Für den Betrachter mag es möglicherweise ein abstraktes Bild sein, obwohl bei mir überhaupt nie etwas abstrakt ist", so Patzak. "Es wird immer eine konkrete Wirklichkeit in meinen Bildern beschrieben."

Dass sich in Peter Patzaks Schaffen die unterschiedlichen Kunstrichtungen, in denen er tätig ist, nicht selten vermischen, ist irgendwie logisch. Bei dem von ihm geschriebenen und inszenierten Theaterstück "Akte im Schweigen vermählt", das 2008 im "Theater in der Walfischgasse" einen großen Publikumserfolg feiern konnte, widmete sich Patzak den Schicksalen der Musen bekannter Maler wie Egon Schiele oder Pablo Picasso. Patzaks Theaterinszenierung "Die Liebe in Madagaskar" von Peter Turrini war hingegen eine große Liebeserklärung an das Kino und seine Schauspieler. Und seit längerem hat Patzak - dessen jüngster Kinofilm, das Leinwandcomeback von Major Kottan, diese Woche Fernsehpremiere feiert - ein großes Filmprojekt in Planung: Die Verfilmung der dramatischen Liebesbeziehung zwischen dem expressionistischen Maler Richard Gerstl und Mathilde Schönberg. "Diese Geschichte findet vor dem Hintergrund der Zeit um Egon Friedell, Oskar Kokoschka, Arnold Schönberg und vielen anderen großartigen Veränderern statt, die aber trotz ihres revolutionären Anspruchs die Liebe zwischen Gerstl und Mathilde Schönberg fast bürgerlich nicht geduldet haben. An dieser Beziehung sind schließlich beide zerbrochen - Gerstl beging Selbstmord und Mathilde Schönberg verfiel in eine Art geistige Umnachtung", erzählte Patzak den dramatischen Stoff seines Herzensprojekts. Dabei interessiert ihn vor allem die Frage, wie Kunst und Psychologie miteinander interagieren, wenn man selbst mit einem großen Schmerz konfrontiert ist.

Dass Patzaks künstlerisches Werk ineinander verwoben ist, dass seine Film-, Malerei-, Literatur- und Theatertätigkeiten zwar als eigenständige Arbeiten auftreten können, alles aber dennoch in einer Abhängigkeit zueinander steht und sich seine unterschiedlichen Schaffensbereiche gegenseitig beeinflussen, damit beschäftigt sich sogar ein ganzes Buch. In "Peter Patzak. Fenster mit Einsicht. Bild. Film. Schrift" analysiert der bekannte Psychologe Walter Schurian das Gesamtwerk Patzaks. Wem beim Namen Peter Patzak also nur "Kottan ermittelt" einfällt, der wird von Schurians Analysen besonders überrascht sein. Und wer sich jetzt intensiv mit Patzak als Maler, Autor und Theatermacher auseinandersetzt, wird den neuen "Kottan"-Film bei seiner Fernsehpremiere (Donnerstag, 20. Dezember 2012 um 20:15, ORF 1) vielleicht auch intensiver wahrnehmen und nicht nur als Werk für sich, sondern als Teil eines Ganzen sehen.


Tipp:
Neue Werke von Peter Patzak in der Galerie base-level
The Gate to the Garden und die Kartographische Benennung
Rudolfsplatz 13, 1010 Wien

Finissage am 10. Jänner 2013, 19:30 in Kooperation mit UNICEF

www.base-level.com


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