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Sex auf Wolke sieben (Ausgabe III / 2008)

Aus dem geheimen Tagebuch einer Künstlerin

Sind Sie schon auf Wolke 7 geschwebt...? Unsere auf eigenen Wunsch anonym bleibende Künstlerin, die während ihres Aufenthaltes im 2700 Meter hoch gelegenen Künstleratelier am Dachsteingletscher ein geheimes Tagebuch führte, berichtet über sinnliche Erfahrungen über den Wolken.

Man höre und staune; wer an den Dachstein:Cult-Ateliers teilnimmt, blickt bei klarer Sicht auf eine weiße Wolkendecke unter sich, fast wie beim Blick aus einem Flugzeug. Heute ist mein 7. Tag hier oben. In den Kategorien "oben und unten" denkt man, wenn man im Himmel lebt. Und wir Künstler, die bei Dachstein:Cult mitmachen, wir sind so etwas wie Engel im Himmel, oder auch Fische in diesem unendlichen Azurblau... Jetzt stellen sie übrigens Schaukästen auf, die besagen, wie sich die Höhe auf die menschliche Psyche auswirkt. Und wie sich die mittlere Höhenlage auf den Organismus auswirkt. Mein Organismus. Das ist so ein Ding. Jeder hat einen, aber richtig klar kommen tut man nicht mit der Tatsache, einen Körper mit sich herum zu tragen, ein Leben lang, und von dem Ding abhängig zu sein, denn „mens sana in corpore sano“, oder mit anderen Worten, nur in einem gesunden Körper wohnt auch ein gesunder Geist. Es ist schon seltsam, dass ich sagen kann: Ich habe einen Körper, so wie man behauptet, ein Haus oder Auto zu haben. Gibt es da einen Unterschied? Nun, ein Auto kann man verleihen. Häuser neuerdings auch, viele Leute tauschen ihr Domizil von einem Land zum anderen oder übers Internet auch zwischen den Kontinenten. "Tausche Dachstein-WG-Platz gegen eine Woche in einer Schilfhütte mit Glasfußboden übern Meeresgrund auf Bora-Bora."

Auch in der Südsee ist ein weißes Licht. Ist eine Stimmung fast wie hier. Der Unterschied: Auf den Polynesischen Inseln ist es heiß, auch im Winter, wogegen man am Dachstein einiges daran zu tun hat, sich die dicken Winterstoffe vom Körper zu reißen. Sex in der Südsee ist einfach, dort rennt man halbnackt herum, betört vom melodischen Gesang der Frauen, vom Blütenduft und von herab fallenden Kokosnüssen. Autsch! ;-)) Die Stachelrochen fordern ihre Opfer, von den Mantas, die durch die Luft schnellen und Touristen erschlagen, ganz zu schweigen. Ich sitze am Fenster des Gastateliers. Sollte ich mich auf eine der Wolken fallen lassen, darin eintauchen und meinen Traummann imaginieren? Ist es der coole Blonde von der Seilbahngesellschaft? Oder Ernst, Karl, Robert, Michi, Ali, Franz, Seppi, Martin? Sie alle arbeiten hier. Sie prüfen das Gondelseil, stehen in Luken bei Wind und Wetter, trotzen den Stürmen, sprechen kaum, lachen viel, schieben dir den Liftbügel unters Gesäß, telefonieren mit der Zentrale oben, wenn unten die Gondel losfährt, sind aufmerksam, hilfsbereit und zu Scherzen aufgelegt. Wer ist der Mister Gondoliere, der Mister Lover-Lover vom Dachstein? Himmel - ich hab den Höhenrausch! Das Licht, es mag das durchsichtige Sonnenlicht sein, das sich mir so auf die Gedanken schlägt... In meiner Schihose wühlt es und schwillt an, meine Lust nimmt hier Ausmaße an.... Ein Kollege, auch Künstler, kommt ins Atelier, aber kann mein Stimmung nicht trüben. Er poltert herein. „Was machst du, Wolkenschafe zählen?“, fragt er mich und kündigt an, Schifahren zu gehen, er, der zwanzig Jahre den Wintersport negierte. „Ich träume.“, lächle ich ihn an. „Und zähle Bergdohlen“, füge ich angesichts seiner besorgten Miene rasch hinzu. „Dann bist du die Dohlenzählerin“, schmunzelt der Kollege. Sein Blick wandert mir zwischen die Beine. „Es zieht. Dein Hosentürl ist auf.“, sagt er lächelnd und geht. Er ist mir egal. Ich bin glücklich. Ich schwebe. Eine Wolke steigt bis zum Fenster der Bergstation auf und lädt mich ein, weiter zu träumen. So segle ich auf Wolke 7 durch die Lüfte und hinüber zum Dachsteingipfelkreuz, das vereist ist, aber seltsamer Weise wird mir nicht kalt.


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