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Von: Christian Jungwirth; Fotos: www.bigshot.at

Trommeln im Bauch (Ausgabe XIV / 2010)

3 Jahre dein Magazin Living Culture - das sind 3 heiße Exklusivstories in Serie, verfasst im Auftrag von Living Culture: Das Outing der Erotikautorin erfolgt mit bemalter Haut und Highheels im Casineum Graz. auch Erotik hat Stil und Kultur. Lesen Sie Teil III unserer Serie.

Das Publikum tobt, doch die mächtige Taiko-Trommel ist lauter. Jeder Schlag sitzt, als wäre er ein Unikat. Mit kurzen Holzstäben massiert der japanische Glatzkopf das Trommelfell der hüfthohen Trommel, die als Wohnort der Götter gilt. In Japan, so heißt es, trommelt man, um die Götter aufzuwecken. Das muss einfach funktionieren. Es klingt wuchtig und martialisch. Nicht nur mein Trommelfell schwingt, mein ganzer Körper bebt. Mit jedem Schlag.

Stählerne Arme, gegrätschte Beine, ernster Blick: der kahlköpfige Chef-trommler der Tenrindaiko-Gruppe hat das Publikum fest in der Hand. Andächtig lauscht es jedem seiner Schläge, verfolgt es jede seiner fast anmutigen Bewegungen. Als er seine jüngeren Kollegen zum brachialen Trommelwirbel anfeuert, vibriert alles in mir. Es ist ein Wunder, dass ich das Vibrieren in meiner Hosentasche überhaupt bemerke. Die Redaktion meines Blattes klopft an. Wenn sie meinen Urlaub stört, muss es wichtig sein. „Japanische Trommler sind in der Stadt - sensationell!“ flüstere ich ins Handy und schleiche mich aus der Vorstellung. Einen letzten Blick werfe ich auf die Bühne, wo der Glatzkopf soeben zum Stakkato ansetzt - und fluche über meinen Job.

Ich verlasse den Hauptplatz und hetze zum Auto, das wieder einmal irgendwo steht. Irgendwo in der zugeparkten italienischen Altstadt. Mögen andere Angst haben, enge südländische Gassen des Nachts allein zu durchqueren, ich habe keine Zeit dazu und nehme sogar noch die Abkürzung durch den Park. Selbst polizeiliche Schwarzgurte in mindestens drei Disziplinen streifen dort nur paarweise herum. Shaolin ist ja gerade ganz en vogue. Durchtrainiert bis in die Magenschleimhaut. Echte Mönche hätten mit den Dieben und Dealern vermutlich längst kurzen Prozess gemacht. Echte Mönche sind auch sonst kompromisslos. Und bescheiden, nicht nur bei Haarschnitt und Outfit - vielleicht ein Grund, warum sie fünf Jahre länger leben als ihre Geschlechtsgenossen außerhalb der Klostermauern. Angeblich gilt das für alle Mönche.

Während ich mir diese und ähnliche Gedanken über Helden mache, auf die ich hier ganz sicher nicht treffen würde, begegnen mir ein Schwarzer und drei südländisch anmutende Kerle. Kein Problem, sage ich mir und setze zu einem letzten Endspurt an, etwas beeinträchtigt durch High heels und definitiv zu engen Klamotten. Unbehelligt erreiche ich mein Auto und starte los. Die Geschichte ist brennheiß und eilt. An der westlichen Ausfahrt von Sanremo steigt der Fotograf zu, der mich zur Villa des Rennfahrers begleiten soll. Wir berichten all inclusive, mit Fotos und Interviews vom Gärtner, der Raumkosmetikerin, wen immer wir vor die Linse zerren können.

Die Umhängetasche landet auf dem Rücksitz, ihr Besitzer an meiner Seite. „Silvio“, raunt die sonore Stimme, tiefer als ich dem Brustumfang nach vermutet hätte.

Aus den Augenwinkeln sehe ich mir den dunkellockigen Schönling in den Dreißigern näher an. Wo hat die Redaktion nur diesen Beau aufgegabelt? Der Rennfahrer ist vergessen, die japanischen Trommler sind es ebenfalls. Obwohl, nicht ganz vielleicht. Ich fange Silvios Blick auf und mein Bauch vibriert von neuem, stärker als zuvor. Ich seufze, dann gehört meine ungeteilte Aufmerksamkeit wieder der Via Roma, unsere südlichen Nachbarn fahren zum Teil ja wie die Affen, können aber schöner singen und besser kochen. Ob da irgendein Zusammenhang besteht, weiß ich nicht, möchte allerdings dramatische Szenen mit hupenden Autos und kreischenden Frauen auf der römischen Avenue vermeiden.

Eine dunkle Hand legt sich auf meinen Schenkel. „Bella...!“, flötet der Märchenprinz rau.

„Wir sind im Dienst“, wende ich in passablem Italienisch ein, auch wenn ich im Moment auf Urlaub bin.

Silvio grinst. „Genaugenommen noch nicht. Eigentlich sitze ich noch gar nicht in deinem Auto.“

„Ah ja, du biegst gerade um die Ecke mit dem Wunsch, über die Nächstbeste herzufallen, vorausgesetzt sie trägt schwarz und hauteng.“ Jeans und Top punkten schwarz und sündhaft eng auf meiner gebräunten Haut.

Sein gerauntes „Possibile...“ zergeht ihm auf der Zunge. Wie es sich wohl anfühlt, diese zwischen den Schenkeln zu spüren, wie er damit an mir spielt, meine Lust schmeckt, in mich dringt? Mein Puls steigt ob der Prägnanz dieser Vision. O Gott! Diese unverschämt attraktiven Norditaliener, stahlblaue Augen, dunkler Teint...!

Irritiert steuere ich den Corso Imperatrice entlang. Auf den Bürgersteigen die Jugend von Sanremo. Auffordernd nicke ich zum Fenster hinaus. Während Silvios Hand zu allem entschlossen meinen Schenkel hinauf wandert, zuckt seine Schulter verächtlich hoch - die Fülle grellbunter, lauter Teenies lässt wohl die Wahrscheinlichkeit auf ein Abenteuer da draußen gegen Null tendieren. Ich sehe den knackigen nord-adriatischen Nachwuchs differenzierter. Genau diese jungen Dinger haben mir heute Casanova weggeschnappt, den schnuckeligen Barkeeper des Hotels, als ich quasi in Poleposition lag, unten am Pool.

Mein Sonntagsromeo wird bestimmter und ich sitze auf spitzem Hintern und presse die Knie zusammen. Das ist ein Fehler, seufze ich, aber der Job geht vor. „Das zieht bei mir nicht“,
beteuere ich und entdecke an mir ein Talent zu geradezu schamhaftem Lügen.

Eine leichte Unschlüssigkeit hängt in der Luft, dann gibt er – leider – auf, nimmt Haltung an und macht auf sportlich. Souverän dirigiert er mich die Küste entlang bis zur Villa des Rennfahrers. Als wir ankommen, treffen wir nur noch auf die Polizeistreife, das Morddezernat und Dutzende Journalisten. Immer wieder schweift mein Blick zu Silvio. Er arbeitet professionell, handhabt die Kamera mit den präzisen Bewegungen eines Scharfschützen.

Endlich ist unsere Arbeit getan und ich berichte noch im Wegfahren, was über das Blutbad herauszufinden war. Der Hauptbericht folgt im Hotel. Silvio verstaut seine Kamera und ich drehe das Radio an. Drehe lauter. Freudig überrascht trommle ich aufs Lenkrad. Die dumpfen Schläge der übertragenen japanischen Performance hallen in der Magengrube wider und bringen sie zum schwingen. Aus den Augenwinkeln linse ich zu meinem Fotograf und weiß seinen Blick völlig richtig zu deuten. Im Nu befindet sich seine Hand wieder auf halber Strecke zwischen Knie und Himmelreich. Streichelt die zarte Haut an der Innenseite meines Schenkels. Wandert höher. Ich erbebe von der Gasfußspitze bis unter die Haarwurzeln. Das hier, das ist etwas anderes, fühle ich. Sicherheitshalber steuere ich den nächsten Parkplatz an.

Kaum drehe ich den Zündschlüssel um, drückt Silvio mich in die Polsterung. Finger wie Stahl umklammern meinen Oberarm - aber wer will fliehen? Sehnsüchtig schiele ich auf seine weichen Lippen, die sich den meinen langsam nähern. Ich öffne mich ihm und unsere Zungen verschlingen zu einem endlosen Kuss. Zielstrebig streift er die Träger von Top und BH über meine Schulter.

Von der kleinen Grube unter meinem Kehlkopf zieht er eine feuchte Spur bis zur Brustwarze, um deren rosige Aureole er die Zunge kreisen lässt, um hie und da, wie unabsichtlich, über die feste Knospe zu lecken und schließlich flüchtige Küsse daraufzusetzen. Mit zitternder Hand fahre ich durch sein dichtes Haar. Er hebt den Kopf und sucht meinen Blick. Im dunklen Blau der Iris spiegelt sich das schwache Licht der Laterne wider. Dann taucht er ab, umschließt die rosa Himbeere mit den Lippen. Sie wird größer und härter, und er beißt hinein, ganz zart und vorsichtig. Lutscht, knabbert, saugt an ihr. Und eine Hand wandert tiefer. Kundig, neugierig. Meine Hände fliegen nun durch seine Haare, zerzausen ihn schonungslos, meine Lippen halten nicht still, ich stöhne und dränge mich an ihn. Spüre die scharfe Kante in seinem Schritt und taste nach ihr. Köstliche heiße Blitze fahren dorthin, wo es keine Erlösung geben würde - nicht hier im Auto, sage ich mir. Wir sind ja keine sechzehn mehr. Obwohl ... verdammt … und irgendwann frage ich mich, ob ich noch zu retten bin.

Aus dem Äther ertönen noch einmal die Trommeln. Es passiert. Mir und jetzt. Mein ganzer Körper schwingt, ich spüre die Trommeln im Bauch, die Götter sind geweckt.

Zitat:

...Von der kleinen Grube
unter meinem Kehlkopf zieht er eine feuchte Spur bis zur Brustwarze,
um deren rosige Aureole er die Zunge kreisen lässt, um hie und da, wie unabsichtlich, über die feste Knospe zu lecken und schließlich flüchtige Küsse darauf zu setzen...

Eine dunkle Hand legt sich auf meinen Schenkel. „Bella...!“, flötet der Märchenprinz rau.
„Wir sind im Dienst“, wende ich in passablem Italienisch ein, auch wenn ich im Moment auf Urlaub bin.

Info:

OUTING DER AUTORIN IM CASINO
„3 Jahre Living Culture - Dein Magazin“ am 28.10. ab 19.30 im Casineum, Landhausgasse 10

Platzreservierung erbeten: redaktion@living-culture.at


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Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at