Interessiert an exklusiven Kulturerlebnissen? Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Ihre LC news straight home. Finden Sie Anregungen für mehr Lebensqualität ohne Zeitaufwand und besuchen unsere Events mit dem speziellen LC Faktor.



Sprache:

Anrede:


Titel:


Vorname:

Nachname:

E-Mail:


 

Verliebt in eine Insel (Ausgabe XVI / 2011)

Die Insel ist in 10 Minuten zu Fuß umrundet - ein Geheimtipp für Menschen mit Kultur

Zehn Jahre ist es her, dass ich für die Titelstory einer österreichischen Tageszeitung mit „Sting Rays“ [Stachelrochen; Anm. d. Red.] und Riffsharks auf Bora-Bora schnorchelte [laut Tiefsee-Filmpionier Hans Hass menschenfreundlichen Riffhaien; Anm.]. Und nach so langer Unterwasser-Abstinenz verschlägt es mich im März 2011 auf eine geheime Insel. Aber nicht irgendwohin. Sondern in einAtoll, zu dem wohl ungewöhnlichsten General Manager der gesamten über tausend Inselchen. Man fühlt sich wie ein weiblicher Robinson, der auf seinen neuen Busenfreund „Freitag“ trifft. Allerdings klappt es bereits bei der Überfahrt aus der Haupstadt, wo uns ein Schnellbooot erwartet, mit der Verständigung. Kein sich herantastendes „Ich Robinson“ – „Du Freitag“, wie sonst in fremden Gefielden, sind vonnöten. Der sportliche Mossa, als welcher er sich sofort zu erkennen gibt, sitzt wie bestellt im Boot. Und erklärt mir, dass er mein künftiger Ansprechpartner sei. Praktischer Weisen in unserer Muttersprache. Wie das?, frage ich erstaunt – ist Mossa doch ein waschechter Insulaner. Da zückt er seinen Schweizer Pass. Seine Tochter an der Rezeption von unserem neuen Zuhause, reagiert erfreut auf das wohlvertraute „Gruezi“, das mir Augen zwinkernd über die Lippen kommt.

Und was für ein Zuhause ich nun für zwölf Tage habe!

Benachbart dem ältesten Wasserbungalow der gesamten Inselgruppe – heute zur Holz getäfelten Bar und zum Museum umfunktioniert – residiere ich, stets betreut von meinem eilfertigen, langärmligen „Butler“ Redi, der die Badesachen trägt und keine Wünsche offen lässt, inmitten stilvollen Mobiliars. Und nenne einen großzügigen Jacuzzi und einen Süßwasserpool über dem türkisblauen Meer mit prächtigen Papageien- und Doktorfischen, Stachelrochen, Meeresschildkröten und sogar Mantas unser eigen. Den Glasfußboden mit Blick auf die rege Unterwasserwelt nicht zu vergessen. Wen wundert da noch, dass der Fernsehapparat abgedreht bleibt.

Worauf General Manager Mossa besonders stolz ist – er war selbst viele Jahre Küchenchef, ist seine besondere Kulinarik, welche alle Gäste verzaubert.

Mein „Ober Ahmed“ – kein besseres Wort als der Wiener Ausdruck des „Obers“ für jemanden, der „mehr ist als nur eine Bedienung im Restaurant“ trifft auf seine zielsichere souveräne edachtsamkeit zu. Es ist eine Wonne, ihm zuzusehen, wie er bei jeder Mahlzeit das Besteck auf die hierorts unverwechselbare Art und Weise wie mit dem Winkelmesser platziert: Die Gabeln bilden mit den letzten zwei Zacken außen rechts zugleich die Halterung der Messer. So liegen zwei bis drei Messer und Gabeln ineinander verschlungen, wie die beiden Mantarochen im spontanen Liebesduett, dessen Zeugen ich zwei Mal beim morgendlichen Schnorcheln werde.

Bei der optischen und olfaktorischen Lieblichkeit des einzigartigen Gartens, den Hoteldirektor Mossa auf die Frage nach dem „USB der Insel“ als erstes nennt, ist uns nach etwas Tiefgang.

Das lässt sich der verwegene Mossa nicht zwei Mal sagen. Und „entführt“ mich mit einer Crew aus zwei aufmerksamen Indern seines Mitarbeiterstabs auf einem Fährboot an Meeresstellen, wo uns dann Korallen mit Abertausenden Fischen, manche von ihnen elegant wie Schmetterlinge (Butterfly fish), andere plump und bedächtig und mit einem Horn auf der Stirnseite, voll Selbstvergessenheit umschwirren, als wären wir einer von ihnen. Immer wieder macht Mossa das Taucherzeichen für „alles ok“, wenn ich zu ihm hinschaue. Die Strömung treibt uns mit, als würden wir fliegen. Ich verliere die Orientierung inmitten der Kosmologie aus farbigen Korallen und bunten Meeresbewohnern, als unser professioneller Guide auf einmal beide Hände zusammenführt und das Sharkzeichen macht. Hai-Alarm. Aber kein weißer, atme ich auf und beobachte, zwei Meter entfernt, wie sich katzenhaft interessiert und geschmeidig ein zwei Meter Rief-Shark im Dunkel tieferer Meereszonen bewegt

Was, wenn es ein gestörter Hai ist, der nicht weiß, dass wir nicht seinem Beuteschema entsprechen?

Solche Gedanken verschwimmen wie die Sicht durch meine Taucherbrille, die sich wieder mal beschlägt. Nebel. Wir tauchen auf. Anderntags entsendet mich Mossa mit dem Schnellboot zur Nachbarinsel. Hier sind vor allem Italiener, werden Beachpartys gefeiert und Karaoke angeboten. Nette Insel, aber nichts für mich. Statt der dortigen Buffetkultur ziehe ich das Service des „Obers Ahmed“ und die Gabelzackenkultur vor. Das ist Living Culture, finde ich. Und will mich nur schwer von der stillen Harmonie dieser geheimen Oase trennen. Mossa verspricht, mich im Sommer in Österreich zu besuchen. So fällt der Abschied nicht so schwer und ich vertrauen darauf, durch Living Culture eine neue Synergie gefunden zu haben.

Zitat:

Die Strömung treibt uns mit, als würden wir fliegen. Ich verliere die Orientierung inmitten der Kosmologie aus farbigen Korallen und bunten Meeresbewohnern …


« zurück

Living Culture, Sparbersbachgasse 55/28, A-8010 Graz, 0664 / 50 38 300, redaktion(at)living-culture.at