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Von: Monika Wogrolly; Fotos: Nina Krok

Was kostet das (süsse) Glück, Herr Josef Zotter (Ausgabe VII / 2009)

Herr Zotter, Ihre Schokolade ist berühmt. Zotter-Schokolade aus der Steiermark ist wie Mozartkugeln aus Salzburg…

Wenn uns das wirklich gelingt, ist das natürlich sensationell! (lacht, Anm.) Aber so weit sind wir aus meiner Sicht noch nicht… Faktum ist, dass wir immer noch ein Randsegment sind, aber das wollen wir auch. Wir wollen ja nicht „Masse“ sein…

Das Glück kann man bekanntlich nicht festhalten, auch Schokolade schmilzt im Mund… Was fällt Ihnen dazu ein? Schokolade ist doch auch...

…vergänglich. Schokolade ist nur gut, wenn sie gegessen ist. Das ist wie beim Lebenszyklus eines Weins. Schokolade hat nach drei Wochen ab Produktion ihren geschmacklichen Höhepunkt, hält dann zwei Monate an, und dann baut sie ab, das ist einfach so. Die kann man nicht konservieren, ist auch nicht notwendig. Die Banderolen, dass wir Kunst auf die Schokolade bringen, eignet sich vielleicht zum Sammeln, aber weder der Andreas (Anm. d. Red. : Andreas Huber-Kratze, Freund von Josef Zotter und „Sein Künstler“, der die Schokoladebanderolen äußerst kreativ gestaltet) Einmal fuhr ich durch einen Ort und sah in einem Privathaus an der Fensterscheibe Zotter-Schokolade-Banderolen kleben. Hab ich mir gedacht, na, auch witzig, aber (lacht, Anm.) Ich weiß nicht recht, ob ich da stolz sein sollte oder nicht… Ich glaube, das ist es nicht.

Wie kommt es zu einer neuen Schokoladesorte, küsst Sie das wie den Dichter die Muse?

Ich mache das immer so, zuerst schreibe ich die Idee nieder und schicke dann das grobe Konzept, was in der Schokolade drin sein wird, an meinen Künstlerfreund, den Andreas, und daraufhin macht der Andreas dann ein Bild. Da z. B. ist Sellerie, Trüffel und Portwein..oder hier: Zedernnuss, das sind optisch sibirische Früchte hier…

Das eröffnet einem Welten, wenn man die Schokolade auswickelt.

Wir schreiben aber nicht Bio oder Faitrade groß auf die Schokoladen drauf, obwohl alles von uns biologisch ist und fair gehandelt. Alles, das ganze Sortiment ist Fairtrade und Bio. Wir reflektieren natürlich auf die Emotionen der Menschen. Mein Einstieg bei Fairtrade, es ist auch eine Organisation klarer Weise, aber bevor wir hinzu kamen, stand Fairtrade eher für die Jutesackphilosophie, nach dem Motto „Man darf nix verdienen“, „Wirtschaft ist was Schlimmes“.

Nicht gerade sinnlich angelegt.

Nicht realistisch. Denn wer gegen Wirtschaft ist, ist gegen Arbeit. So ist nun einmal unser System. Wie kann man faitrade sein: Indem man gute superluxuriöse Produkte macht und dafür den entsprechenden Preis kriegt, denn was hilft’s, wenn ich sag, ich kauf einen Kaffee, das kostet das Kilo um 3 Euro mehr – und der ist nicht zum Saufen. Das mach’ ich drei Mal, weil ich mir sage, dass es sein muss, aber denn nehm’ ich doch wieder Illy-Kaffee oder sonst was. Da setzte ich an, um was zu ändern. Fairtrade und Bio ist eins, aber zuerst muss das Produkt superluxuriös und gut sein. Und dass es dann Bio ist Und Fairtrade – das ist nicht nur die Draufgabe, sondern das ist Ehrensache. Deswegen spielen wir auch nie am Cover damit. Denn aus meiner Sicht ist das kein Verkaufsargument. Almosen verteilen tun wir keine.

Dort sind Ihre Plantagen…

Ja, und dort hab ich auch das richtige Reisegefühl. Dort komme ich hin, und es ist eine völlige Veränderung, wo ich mich anpassen muss, weil das die Leute nicht interessiert, ob ich als Supereuropäer super geschalt dorthin komme. Dort bist du einer von ihnen, und sonst kannst dich schleichen. Und wenn ich nach Bangkok komm’, und ich werde dort mit der Limousine abgeholt, dann ist das für mich Oasch, weil ich brauch’ das nicht. Es ist immer das Gleiche, ob du in Syndny oder Denver am Flughafen aussteigst, du hast immer die gleichen Schilder, das gleiche Taxi, die gleichen Hotels. Die Globalisierung ist längst gegessen. Eine Monokultur auf der ganzen Welt wird nicht funktionieren.

Zitat:

Bei Josef Zotter fährt die Schokolade mit der Gondel himmelwärts.

Fairtrade-Schokolade-Guru Josef Zotter: „Wenn ich nach Bangkok komm’, und ich werde dort mit der Limousine abgeholt, dann ist das für mich Oasch, weil ich brauch’ das nicht.“


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