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Von: Monika Wogrolly

Wie entsteht ein Welthit, Herwig Rüdisser? (Ausgabe III / 2008)

Wir Fragen den Life-is-life-Ohrwurmerzeuger & Opus-Frontman:
"Wie entsteht ein Welthit, Herwig Rüdisser?"

Graz, Hilmteich im April. Es regnet, als ich das Café Purberg betrete. Opus-Sänger Herwig Rüdisser, den der Welthit „Life is live“ wie ein Schatten begleitet, kommt herein. Unser Fotograf Jan Zischka kommt wenig später. Jagawirt Werner Goach, den ich um ein Titelfoto gebeten habe, wird noch erwartet. Herwig Rüdisser will rauchen. Das ist im Purberg nicht erlaubt. Der Sänger zuckt mit den Achseln: Macht nichts. Wie in Italien, lenke ich ein. Die Stimmung ist melancholisch wie der Apriltag. Die Kellner scheinen im Zeitlupentempo zu arbeiten, auch mein legendäres Gegenüber spricht langsam und überlegt. Im Lauf des Gesprächs wird das Tempo zunehmen. Herwig Rüdisser wird lachen und gelöst wirken. Schließlich erscheint Werner Goach, den viele als Jagawirt vom Reinischkogel kennen und nichts seiner verborgenen Künste als Fotograf wissen. Ebenso wurde OPUS (und wird immer noch) zu oft auf einen Titel reduziert.

Die neue Platte gibt Gelegenheit, das ganze Spektrum zu erleben. Und erscheint Ende Mai unter dem Titel „The Ultimate Best of OPUS“:  Ein MUST HAVE Für alle, die etwas nachzuholen haben. Und alle, die es schon immer wussten.

Herwig Rüdisser, du pendelst zwischen Graz und Kärnten – wo ist nun dein Lebensmittelpunkt?

Das ist in Graz. Hier bin ich schon seit über 30 Jahren. Ich bin schon fast mehr Grazer als Klagenfurter.

Da fällt mir ein: Thomas Bernhard sagte den berühmten Satz, „In Graz muss man nicht gewesen sein…“

Er hat über Klagenfurt auch nicht viel Gutes geschrieben und über Kärnten. (Anm. d. Red.: lacht)

Warum ausgerechnet Graz…?

Ich hab meine Musikerkollegen in Graz getroffen. Wir sind ja eine der ältestgedienten Bands in Österreich, die Dinosaurier, wie es so schön heißt. Dadurch war für uns immer Graz das Zentrum. Wir haben unser Studio in Judendorf.

Ist das wahr, dass dich die anderen Bandmitglieder gecastet haben?

Das Wort „Casting“ gab es damals noch nicht. (schmunzelt) Nein, ernsthaft: Ich kannte die Band OPUS schon von diversen Auftritten. Irgendwann hab ich ein Inserat in der Zeitung gesehen: „OPUS sucht Sänger“. Das war im Herbst oder Spätherbst 78. Schaust dir das Ganze halt einmal an, hab ich mir gesagt. Und so kam es.

Nun zum Welthit „Life is live“ – Wie entsteht ein Welthit?

Aufgenommen haben wir den Titel 84, und verbreitet hat es sich dann in den folgenden Jahren wie beim Schneeballeffekt weltweit. Land für Land wanderte „Life is live“ in alle Charts. Zuerst war es in Österreich Nummer 1, dann in Deutschland, es hat dann geografisch Kreise gezogen. Der ganze Hipe dauerte zwischen zwei und drei Jahren, das verlagerte sich dann so von Nation zu Nation, und bis es dann endlich in Südamerika ankam, war schon ein Jahr vergangen.

Wie kam es zu diesem Mysterium? Ich kann mir denken, dass es kein Patentrezept dafür gibt, aber wer, wenn nicht OPUS, sollte darüber Auskunft geben?

Wir feierten damals ein Bandjubiläum, und der Ewald (Anm. der Red.: OPUS-Mitglied Ewald Pfleger) hatte die Idee, dem Publikum zu dem Anlass einen neuen Titel zu präsentieren. Zuerst dachten wir, machen wir’s in Graz, aber da das Gros von uns aus dem oststeirischen und südburgenländischen Raum kommt, schlug er vor, dort ein Konzert zu machen. Sozusagen als Geburtstagsgeschenk für die Fans in dieser Region. Oberwart, das dortige Fußballstadion, war dann die auserwählte Location. Dort wollten wir den Fans ein Geburtstagsständchen bringen. Ewald spielte uns dann auf der akustischen Gitarre eine Melodie vor und meinte, das würde lustig klingen und habe was von einem Geburtstagsständchen, so ähnlich wie „he is a jolly good fellow“. Wir waren uns einig, das zu machen. Wir haben die Nummer ein paar Mal geprobt und das ganze Konzert damals live mitgeschnitten. Wir wollten eine Live-LP raus bringen, doch da war noch keine Rede von „Life is live“ – von diesem Titel.

Und so entstehen Welthits…

Dann gab’s noch diese wahre berühmte Geschichte, dass genau, als wir „Life is live“ spielten, das Band aus war. Das wurde damals noch mit Mehrzollbändern aufgenommen, mit riesigen Maschinen, die wie Waschmaschinen aussahen, mit großen Bändern drauf. Nach dem Konzert kam der damalige Produzent, der Peter Müller, zu uns und eröffnete uns: Ich hab alles super drauf, nur diese eine neue Nummer, diese komische Nummer hab ich nicht drauf, denn da war grad das Band zu Ende. Wir sagten, okay, du nimmst ein neues Band, und wir spielen die Nummer noch einmal als Zugabe. Dann sind wir auf die Bühne, haben diese neue Nummer nochmals gespielt. Und das war’s eigentlich. Das ist die ganze Geschichte. Es gibt so viele Zufälle und Merkwürdigkeiten in Zusammenhang mit dieser Nummer… Beim Abhören der Live-Aufnahmen sagten wir dann etwas erstaunt: Ja hey, das klingt ja wirklich lässig…Opus ist allerdings schon ziemlich auf „Life is live“ reduziert worden. Wir haben sicher 15 Alben gemacht, oder noch mehr.

Das steht dann alles ein bisschen im Schatten…

Ja, sicher. Aber, ich sage einmal, ich bin nicht undankbar… (lacht) Mittlerweile gibt’s, glaube ich, 1000 Versionen von dieser Nummer. Bei uns im Studio gibt es ein eigenes „Life is live“- Regal, da sind nur Covers drinnen. Von russisch über Kasachstan bis hin zu Feuerland.

Wie oft hast du das magische Lied gesungen?

Sicher zig Tausende Mal. Hab aber keine Ahnung. Seit einigen Jahren haben wir auf 20 bis 30 statt auf 150 Konzerte jährlich fokussiert. Relativ viel im Ausland, am 17. Mai in Paris. Im Ausland ist die Nachfrage groß.

Ihr habt bei Falcos „Junge Römer“ mitgewirkt…

Wir haben die Chöre gesungen. Es wurden damals zwei Jungs gesucht, die so auf schwule Römer singen, es hieß, weil der Hansi macht ein Album, das heißt „Junge Römer“. Das war das Wochenende, wo in Kitzbühel die Abfahrt war, da hat der Franzi Klammer zum letzten Mal gewonnen. Da fuhren wir ins Studio, irgendwo an der tschechischen Grenze. Wir haben dort irgendwo im Schlafzimmer gesungen.

Im Schlafzimmer habt ihr „Junge Römer“ gesungen und einen auf schwule junge Römer gemacht? (Anm. d. Red.: lacht herzlich) Wie war der Hansi Hölzl?

Er war ein Schmähführer, hat a guate Goschen gehabt, wie’s so schön heißt. Er hat uns alles genau erklärt: „Wisst’s eh, Burschen, das müssen zwei schwule Römer sein, die dastehen in der Toga…“

Was ist dein persönlicher OPUS-Lieblingssong?

Es gibt Songs, die ich seit 15 Jahren nimmer gehört hab…

Was sagt „Life is live“ eigentlich aus?

Live zu spielen, auf der Bühne zu stehen, ist das wahre Leben. Aber es gibt ungeheuer viele andere Interpretationen.

Ich hätte das eher so verstanden, dass man den Augenblick leben soll. So wie beim Motto: Carpe diem. Das ist aber nicht gemeint?!

Live mit ‚v’ geschrieben, ist ja das Live-Spielen auf der Bühne. Also eine sehr autobiografische Nummer. Auf der Bühne-Stehen ist Adrenalin pur. Manche verwenden den Titel „Life is live“ aber auch schon als landläufigen Spruch im Sinne von „Such is life“.

Ist Musik dein Leben?

Ein Teil meines Lebens. Bei mir zu Hause geht es ganz ruhig ab.

Was hörst du privat an Musik?

Gar keine.

Und ich bin Literatin und lese nicht gern. (beide lachen, Anm.)

Was macht dich glücklich?

Es gibt keine Anleitung zum Glücklichsein. Musik ist schon was Tolles. Du kommunizierst ohne Worte. Drei, vier, fünf Musiker wirken zusammen, und das Ganze verselbstständigt sich. Ich mag die Ruhe, abseits der Reizüberflutung, die es heute schon überall gibt. Ich liebe es, manchmal nur ins Grüne zu schauen. Für mich gibt’s bald nichts Schlimmeres als MTV-Fernsehen zu schauen, wo ich die ganze Zeit beschossen werde. Das hatte früher einmal seinen Reiz. Aber mittlerweile gibt’s das auch schon über 20 Jahre…

Wo tankst du Energie? Wenn du auf der Bühne stehst? Oder bist du dann eher ausgepowert…

Beim Autofahren und Lesen kann ich gut entspannen. Auf der Bühne ist das wie im Spitzensport: Adrenalin pur.

Wie ist das Gefühl, wenn man vor sich Zehntausende Zuschauer hat?

Wenn es wirklich Menschenmassen sind, ist es fast wie ein einziger großer unbekannter Zuhörer. Wir haben aber auch Konzerte vor 30 – 35 Leuten gespielt. Das ist ganz anders, denn da ist viel weniger Distanz. Das Publikum steht einen Meter von einem entfernt und schaut einen so an. Da muss man drauf achten, dass man beim Artikulieren niemand anspuckt… (lacht)

Ist Opus so etwas wie eine Familie?

Klar, wir sind total zusammen geschweißt. Haben anfangs sogar zusammen gewohnt, uns ein Zimmer geteilt. Nach 30 Jahren kennt man sich natürlich.

Was ist für dich Kultur?

Schwierige Frage. Als Musiker wird man immer in die Kulturecke gestellt. Die Grenzen sind sicher fließend. Als Österreicher fällt mir natürlich auf Anhieb die Esskultur ein aus der guten alten böhmischen Tradition, der k.u.k.-Zeit und so weiter und so fort. Österreich hat auch eine lange Liste in der Musik und Literatur an kulturellen Meilensteinen. Und die Summe daraus ist die österreichische Kultur.

Ich sehe, du trägst Kontaktlinsen. Gab es dich früher mal bebrillt auf der Bühne zu sehen?

Früher hab ich wahrscheinlich sogar Brillen getragen. In Klagenfurt, als ich den ersten Bandwettbewerb gewann, hab ich sicher noch Brillen getragen.

Magst du Italien?

Schon als Jugendliche sind wir mit den Mopeds nach Italien gefahren. Früher fuhr man zum Saufen nach Italien – heute zum Genießen. Man trinkt jetzt die besseren Weine. (lacht) Es hat alles seine Zeit.

Life is live.

Genau.

Vielen Dank für das Gespräch.

Zitate:

Herwig Rüdisser über die Entstehung des Welthits"Life is live":

Es gibt so viele Zufälle und Merkwürdigkeiten in Zusammenhang mit dieser Nummer… Beim Abhören der Live-Aufnahmen sagten wir dann etwas erstaunt: Ja hey, das klingt ja wirklich lässig…

RÜDISSER ÜBER LIFE IS LIVE:

Mittlerweile gibt’s, glaube ich, 1000 Versionen von dieser Nummer. Bei uns im Studio gibt es ein eigenes „Life is live“- Regal, da sind nur Covers drinnen. Von russisch über Kasachstan bis hin zu Feuerland.

RÜDISSER ÜBER FALCO:

Er war ein Schmähführer, hat a guate Goschen gehabt, wie’s so schön heißt. Er hat uns alles genau erklärt: „Wisst’s eh, Burschen, das müssen zwei schwule Römer sein, die dastehen in der Toga…“

Opus ist allerdings schon ziemlich auf „Life is live“ reduziert worden. Wir haben sicher 15 Alben gemacht, oder noch mehr.

Info:

Opus ist eine österreichische Pop-Rock-Band. Mit dem Titel Live is Life landete Opus 1985 einen internationalen Nr.1-Hit. Auch in Deutschland war es in jenem Jahr die meist verkaufte Single-Schallplatte. Der Erfolg des bereits im Vorjahr als Live-Mitschnitt veröffentlichten Hits brachte die Band auf Welttournee bis nach Südamerika. Im Musikgeschäft ist Opus jedoch schon seit 1973. Ihre ersten Erfolge hatten sie 1980 mit dem Album Eleven. Die Band ist bis heute noch aktiv und zählt zu den größten österreichischen Bands. Die neue LP „The Ultimate Best of Opus“ kommt im Mai auf den Markt


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