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Von: Monika Wogrolly, Stefan Polzhofer; Transkript: Nicole Fleischanderl; Fotos: Christian Jungwirth, www.bigshot.at

Wie leben Sie Kultur, Herr Frank Stronach? (Ausgabe XVI / 2011)

LIVING CULTURE zu Gast im Headquarter von Frank Stronach. Ganz „frisch gekürter Gentleman“ goss er seinen Tischdamen beim Lunch im „Fontana“ Kernöl über den Salat. Ministerin Beatrix Karl war schon bei der kür des Gentleman des Jahres live dabei gewesen.

Frau Bundesministerin, Sie waren bei der Verleihung des Gentleman Award auf der Opernredoute dabei - was bedeutet der frisch gekürte Living Culture Gentleman Frank Stronach für Sie?

BK: Frank Stronach hat gezeigt, wie weit man es mit dem entsprechenden Willen bringen kann. Er hat hart dafür gearbeitet um jetzt dort zu stehen, wo er steht. Und so wie ich ihn kennengelernt habe, wird er auch künftig nicht leiser treten.

Herr Stronach, Sie haben den Living Culture Gentleman Award 2011 auf der Grazer Opernredoute überreicht bekommen, für Ihre Art, den „Faktor LC“ als „Living Culture“ in Ihrer Unternehmenskultur zu etablieren. Woher kommt diese Fähigkeit, Kultur zu leben, Kultur in die Tat umzusetzen…?

FS: Ich bin in sehr einfachen Verhältnissen aufgewachsen, es gab manchmal drei Mal am Tag Sterz … [schmunzelt; Anm. d. Red.]

…Das ganze Leben ist wirklich eine Frage der Umstände, des Schicksals. Wenn du zur richtigen Zeit am richtigen Ort bist und gewisse Eigenschaften hast, dann kann sehr viel Gutes passieren.

Dazu fällt mir eine Anekdote aus meinem Leben ein: Nach der Lehre bin ich in die Schweiz ausgewandert, habe da Fußball gespielt und in einer Firma als Werkzeugmacher gearbeitet. Mit meinem ersten Lohn ging ich in Bern in ein feines Restaurant. Dort wurde das Fleisch auf einem Silberteller präsentiert, und ich habe dazu angesetzt, das Fleisch auf diesem Teller anzuschneiden..., da hat mir eine Kellnerin angedeutet: „Das macht man nicht – man muss das auf dem Teller zerschneiden.“ Von diesem Tag an wurde ich „sophisticated“, das war mir eine große Lehre in Living Culture. Bis zu dem Zeitpunkt war ich nur hin und wieder in einem Bauerngasthaus in Weiz gewesen, und zuhause hatten wir kein Silbergeschirr. [Pause] Sie hat mir das auf so eine höfliche, nette Weise gesagt, dass man das nicht tut. Ich bin mit ihr dann später ausgegangen, für den netten Tipp…

In jedem Land gibt es Tugenden, die sehr nett sind und manche, die nicht so nett sind, und ich versuche immer, mir die guten Tugenden anzueignen, und was nicht so gut ist, versuche ich mir nicht anzueignen.

Hat das Zufallsprinzip in Ihrem Leben und für Ihren Werdegang eine große Rolle gespielt? Ist Erfolg planbar?

BK: Erfolg ist sicher nur bedingt planbar. Natürlich braucht man Ziele und auch den Willen und die Kraft, sie zu erreichen. Aber auch Zufall und ein Quäntchen Glück spielen eine Rolle – mal mehr, mal weniger. Wenn eine Tür zugeht, geht meistens eine andere auf. Ich hätte mir nie träumen lassen, Ministerin zu werden. Aber ich bin froh, dass ich es nun bin.

FS: Der Zufall hat einen großen Einfluss auf eine Person, die „das gewisse
Etwas“ hat. Es kommen immer viele Zustände oder Zufälle zur Geltung.

Und was ist „das gewisse Etwas?“

FS: …Zum gewissen Etwas gehört zum Beispiel, ob man eine gute Lebensanschauung hat... So kann man sich ein bisschen positionieren, wo der Zufall vorbeigeht.

Das heißt, für den Erfolg man muss das richtige „Gespür“ haben?

FS: Ja, ich glaube, man muss einen gewissen Spürsinn haben für Leute, für das Umfeld...Spürsinn ist ganz wichtig.

BK: Bauchgefühl gehört dazu. Ich überlege mir Dinge recht pragamatisch. Und spüre dann deutlich, ob sie passen oder nicht.

Frau Bundesministerin, hatten sie eine/n Mentor/in, die/der in ihrer beruflichen und persönlichen Entwicklung eine Schlüsselrolle eingenommen hat?

BK: Es gab und gibt immer wieder Personen in meinem Umfeld, die mir zur Seite stehen, mit denen ich wichtige Entscheidungen bespreche. Eine klassische Mentorin oder einen klassischen Mentor gab es nicht. Bei meiner wissenschaftlichen Karriere war aber jedenfalls Franz Marhold ein wichtiger Begleiter.

Herr Stronach, erzählen Sie unseren Leserinnen und Lesern etwas vom Faktor LC [für: Living Culture; Anm.], gleichsam Ihrer Unternehmensphilosophie – wofür Sie auch den Gentleman Award erhalten haben. Sind dabei Mitarbeiter nicht so etwas wie Teilhaber...

FS: Die Magna ist ja eigentlich eine Kultur. Wir nennen es “Fair Enterprise“: Die Grundphilosophie vom fairen Wirtschaftssystem ist: Das Menschenrechtsverfassungsgesetz ist nicht ausreichend, wir müssen es ergänzen und verstärken durch eine Wirtschaftsrechtsverfassung. Wirtschaftsrechtsverfassungen werden zu ökonomischen Demokratien führen und ökonomische Demokratien sind die Basis für Demokratien an sich.

Das ist auch der Living Culture Gedanke, dass in der Wirtschaft Kultur gelebt werden kann...

Eine Firma, die keine Kultur und keine Prinzipen hat, kann man vergessen. Wichtig ist die Wirtschaftskultur. Das Verständnis für die Arbeiter.

Eine Nation kann nur daran bemessen werden, wie die Leute an der untersten Stufe leben. Ein Land kann nicht daran bemessen werden, wie die Leute in den Villenvierteln leben, sondern daran, wie sie in den Armenvierteln leben.

Also wird von unten nach oben gedacht?

FS: Beides. Von unten nach oben und oben nach unten. Die Anstöße kommen meist von Leuten, die die Möglichkeit gehabt haben, in gute Schulen zu gehen, und dergleichen. Und im größeren Kontext betrachtet, von Firmen, die profitabel sind.

Was sind Ihre Ambitionen für Österreich?

FS: Ich möchte die Österreicher zum Nachdenken anregen. Wichtig ist, in einer zivilisierten Gesellschaft soll niemand der Sündenbock sein. Wir sind alle ein bisschen schuld daran, wenn es nicht besser geht. Die Säulen der Gesellschaft sind die Regierung, die Wirtschaft, Gewerkschaften, der akademische Bereich und die Medien. Die Frage ist: Was müssen wir tun, um Arbeitsplätze zu halten, neue zu schaffen, und den Lebensstandard der Österreicher zu verbessern und Armut zu eliminieren?

Herr Stronach, Sie sind mit 22 Jahren weg aus Österreich. Wo mangelt es Ihrer Meinung nach, was sind die Stärken des Landes?

FS: Ich bin Österreicher und glaube, die Leute in Österreich sind im Grossen und Ganzen sehr balanciert und liebenswürdig. Die Demokratie in Österreich kann jedoch verbessert und weiterentwickelt werden. Außerdem müssen wir Produktivität, Kreativität und Genuinität fördern. Wie ich schon eingangs sagte, kann eine Nation nur daran bemessen werden, wie die Leute auf der untersten Stufe leben und unsere Aufgabe als Gesellschaft ist dafür zu sorgen, dass die Menschen von den unteren Stufen nach oben kommen können. Wir brauchen eine Gesellschaft, - wenn du Kanalputzer bist, dass die Deckel oben nicht verschraubt sind, dass du raus kannst, um das höchste Amt in einer Nation zu erreichen. So sollte unsere Gesellschaft sein.

Eine schöne Vision...

FS: Keine Vision, das ist alles möglich. Wo liegt das Problem - nicht nur in Österreich, in allen Demokratien? Wir verstehen nicht, dass die Regierung das Management-Team eines Landes ist und dieses Management - und ich meine das nicht zynisch, meine Tochter war selbst Ministerin in Kanada - dieses Management besteht aus Politikern. Das Problem ist, dass fast alle Entscheidungen politisch motiviert sind, von Überlegungen wie: „Was muss ich tun, um gewählt oder wieder gewählt zu werden?“ Daher brauchen wir etwas, das das politische Management ausbalanciert. Ein Gegengewicht auf Basis sozial-ökonomischer Gerechtigkeit. Die Wirtschaft spielt eine ganz wesentliche Rolle, aber man kann auch der Wirtschaft nicht freien Lauf lassen. Ebenso spielen die Gewerkschaften eine tragende Rolle.

Das Problem der meisten Leute ist, dass sie alles so kompliziert machen. Ich versuche alles zu vereinfachen. In der Einfachheit liegt die Kunst. Wenn du sprichst, sollen es alle, auch einfache Leute verstehen.

Bei unserem Steuersystem zum Beispiel kennt sich keiner aus, das kann doch nicht sein, dass Leute Angst haben müssen vor einer Steuerprüfung. Der Staat soll ja da sein, den Leuten zu helfen, sie zu unterstützen, aber alle haben Angst vor einer Steuerprüfung, weil es so viele Grauzonen gibt. Und das gibt den Bürokraten so viel Macht, die wollen das vielleicht sogar so.

Ich bin dabei, einen Verein zu gründen. Der Vereinszweck ist schlicht: Wie können wir den Lebensstandard der Österreicher verbessern? Wie können wir die Demokratie verbessern? Die zentrale Frage ist, wie können wir etwas besser machen?

Auf Basis des Vorhandenen, der Ressourcen…?

Die Frage muss lauten: „Was müssen wir tun, um Arbeitsplätze zu erhalten und neue zu schaffen und den Lebensstandard der Österreicher zu verbessern?“ Wenn du eine Firma hast, dann können die Leute noch so fleißig arbeiten in der Halle, wenn du vorne zu viel Verwaltung hast, dann kann diese Firma nicht konkurrenzfähig sein. Der Staat Österreich ist überverwaltet.

Stichwort „Staat“, was sind Ihre Wünsche als „Staatsmanagerin“, Frau Bundesministerin?

BK: Herr Stronach hat schon einige wichtige Punkte angesprochen… Es geht um das Steigern und Sichern von Lebensqualität und Wohlstand. Da sehe ich eine ganz zentrale Funktion von Bildung, Wissenschaft und Forschung. Bildung ist die soziale Frage des 21. Jahrhunderts und der Schlüssel zu mehr Wohlstand und mehr Lebensqualität. Je gebildeter eine Bevölkerung ist, desto höher der Wohlstand. Deshalb glaube ich, dass es auch in der Bildung ganz wichtig ist, für Chancengerechtigkeit zu sorgen: Jede und jeder soll die Chance auf gute Bildung haben. Bezüglich zukunftsorientierter Arbeitsplätze und der Frage, wie man Arbeitsplätze sichern kann: Hier sehe ich ebenso eine große Bedeutung von Wissenschaft und Forschung. Denn hier geht’s um Innovationen. Damit können wir Aufschwung und Wachstum schaffen und damit Arbeitsplätze sichern und neu schaffen.

Gerade wenn wir Österreich betrachten, müssen wir eines sehen: Wir haben in Österreich nicht die großen Rohstoffvorkommen - außer Kernöl [schmunzelt]. Wir können also nicht mit jenen Ländern konkurrieren, die viele Rohstoffvorkommen haben. Wir können und wollen aber auch nicht mit Billiglohnproduzenten konkurrieren. Wir müssen daher auf Bildung, Wissenschaft und Forschung setzen. Da ist es wichtig, unseren Wissenschafts- und Forschungsbereich als Innovator für das Land zu sehen. Dadurch entstehen innovative neue Arbeitsplätze, vor allem auch durch die Zusammenarbeit mit der Wirtschaft. Dadurch sind wir in Österreich wettbewerbsfähig.

Spielt dabei „Living Culture“ eine Rolle?

BK: Wettbewerbsfähigkeit bedingt, dass wir auf unsere hellen, innovativen Köpfe setzen. Innovation und Kreativität müssen für uns die Schlüssel sein, und da brauchen wir Bildung, Wissenschaft und Forschung in Verbindung mit der Wirtschaft. Da müssen wir bereits in der Schule ansetzen und dieses kreative, innovative Potential stärken, das muss sich durchziehen.

FS: Ob wir es wollen oder nicht, wir leben in einem globalen Wirtschaftsgefüge und niemand bleibt sitzen, es wird exportiert und importiert. Export schafft mehr Arbeitsplätze. Das Wohlbefinden einer Nation kann man leicht feststellen: bei einer Nation, die immer mehr importiert und immer weniger exportiert, da bricht die Wirtschaft zusammen.

Die Frage ist, wo fängt man zuerst an, was sind die Prioritäten? Wenn irgend-etwas nicht funktioniert im eigenen Leben, oder im Geschäft, muss man wissen, dass man ein Problem hat. Nur wenn man nicht weiß, dass man ein Problem hat, hat man wirklich ein Problem. Ein Problem muss man identifizieren, man muss schauen, was die Prioritäten sind. Es ist nur eine gewisse Menge Geld vorhanden. Das muss folglich gut eingesetzt werden. Bei einem Haus fängt man auch nicht mit dem Dachstuhl an, sondern muss zuerst ein stabiles Fundament schaffen. Bildung ist ein wichtiger Teil davon. Österreich müsste sich auf gewisse Werte besinnen, die wichtig sind für das Land. Das sollte dann auch in den Schulen entsprechend vermittelt werden.

BK: Ich arbeite gerade mit Unterrichtsministerin Claudia Schmied an einer Weiterentwicklung der Aus- und Weiterbildung von Pädagoginnen und Pädagogen. Und da ist es uns auch wichtig, diese Durchlässigkeit zwischen der Wirtschaft und dem Lehrberuf zu verbessern: dass ein Lehrer zwischendurch einen Arbeitsplatz in der Wirtschaft hat und jemand aus der Wirtschaft auch in den Lehrberuf wechselt- das sollte möglich sein.

FS: Haben Sie schon mal was von der Goldenen Regel gehört? Die Menschheit ist seit eh und je von der Goldenen Regel dominiert worden: Wer das Gold hat, macht die Regeln. Ich möchte von niemandem dominiert werden, ich soll auch nicht die Möglichkeit haben, jemanden zu dominieren. Ich habe zwei Kinder, die ich liebe, und ich möchte auch nicht, dass sie von jemandem dominiert werden. Die Frage lautet, wie können wir die Ketten der Dominanz konstruktiv lösen? Nicht durch zerstörende Revolutionen, sondern durch eine geistige Revolution. Das ist unsere Aufgabe. Früher mal gab es Könige und Grafen, die das Gold hatten, irgendwo oben auf einer Burg. Hin und wider gab es Bauernrevolten, meistens haben sie verloren, aber letztendlich sind sie immer weiter vorgedrungen. Heute sieht man nicht immer ganz klar, wer das Gold hat. Milliarden werden innerhalb von ein paar Sekunden transferiert. Also, wie können wir die Ketten der Dominanz konstruktiv lösen?

Schon Churchill hat gesagt „only politicians in parliament“ und zur gleichen Zeit hat er aber gesagt, dass wir noch kein besseres System erfunden haben. Ich stell mir vor, dass wir Bürgervertreter wählen, ähnlich wie beim Geschworenensystem durch ein Zufallsprinzip. Die Bürgervertreter würden vielleicht für 4 bis 5 Wochen im Jahr die Regierung unterstützen, sie würden ihren Beruf weiterhin ausüben. Sie hätten eine Stimme im Parlament und würden im Geheimen abstimmen, damit es keine Belohnung und keine Bestrafung gibt. Und diese Stimmen würden zu den Stimmen der Parlamentarier dazugezählt werden.

Das Wichtigste ist, die Opposition muss Teil der Lösung sein, aber nicht in der üblichen Zusammenarbeit...da ist alles verbandelt. Lasst die Bürger mitentscheiden.

Zitat:

Frank Stronach:

Ich bin Österreicher und
glaube, die Leute in Österreich
 sind im Großen und Ganzen sehr balanciert und liebenswürdig.
Die Demokratie in Österreich kann jedoch verbessert und weiterentwickelt werden.

Beatrix Karl über Kernöl:

… Wir haben in Österreich nicht die großen Rohstoffvorkommen - außer Kernöl …

Stronach über „das gewisse Etwas:

… Zum gewissen Etwas gehört zum Beispiel, ob man eine gute Lebensanschauung hat… so kann man sich ein bisschen positionieren, wo der Zufall vorbeigeht.

Stronach über die „Goldene Regel“: 

Die Menschheit ist seit eh und
je von der goldenen Regel
dominiert worden: Wer das Gold hat, macht die Regeln.

Ich möchte von niemandem dominiert werden, ich soll auch nicht die Möglichkeit haben,
jemanden zu dominieren.


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