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Auf Strauss folgt Strauss folgt Strauss – Neu­jahrs­kon­zert der Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker 2026


Text: Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re; Fotos (sofern nicht anders ange­ge­ben): Wer­ner Kme­titsch / Oper Graz
Mit gedämpf­ter Stim­me, aber viel Musik ent­führ­ten Lenz, Black, Kol­ler und die Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker nach „Bel­la Ita­lia“.

Auf Strauss folgt Strauss folgt Strauss. Was soll die­ses Wort­spiel am Beginn des Bei­trags über das Neu­jahrs­kon­zert der Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker am Abend des Neu­jahrs­ta­ges 2026? Noch dazu, wo die­ses Kon­zert unter der sou­ve­rä­nen Lei­tung von Mari­us Bur­kert den Titel „La bel­la Ita­lia“ trug. Und nicht etwa „Das schö­ne Wien der Wal­zer­klän­ge“. Ganz ein­fach, gehen wir es zeit­lich durch vom Neu­es­ten zum Ältes­ten. Johann Strauss Sohn, genannt Scha­ni, ist bei allen drei „Strauss“-Ausdrücken zu Beginn gemeint. Und nicht etwa unter­schied­li­che Namens-Sträu­ße. Man könn­te also auch schrei­ben „Auf Scha­ni folgt Scha­ni folgt Scha­ni“. Klingt aber irgend­wie nicht so rich­tig, schon allein, weil „Scha­ni“ 2 Sil­ben hat, „Strauss“ hin­ge­gen nur eine. Die­ser Johann Strauss Sohn ist eben nicht nur bekannt für sei­ne Wal­zer­klän­ge, son­dern auch für ganz viel Bel­la Ita­lia. Neben der Ope­ret­te „Eine Nacht in Vene­dig“ kom­po­nier­te „Scha­ni“ auch „Wo die Zitro­nen blühn“. Was die Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker zum Bes­ten gaben. Das ist der 3. Strauss-Aus­druck zu Beginn.
Und die­ser Strauss, am Neu­jahrs­abend 2026, folg­te auf jenen berühm­ten Strauss am Neu­jahrs­vor­mit­tag 2026, näm­lich im Neu­jahrs­kon­zert der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker. Wo zwar nie zur Gän­ze, aber immer zu einem Groß­teil, Melo­dien erklin­gen von Johann Strauss Sohn. Ganz beson­ders als 2. Zuga­be und als vor­letz­tes Stück ins­ge­samt, fast immer „An der schö­nen blau­en Donau“. Das ist der zwei­te Strauss-Aus­druck des Eröff­nungs­sat­zes.
Und mit dem ers­ten Strauss ist nicht etwa die­ser Donau­wal­zer gemeint, wenn er um Punkt Mit­ter­nacht getanzt wird zu den Klän­gen der Pum­me­rin. Nein, mit dem ers­ten Strauss gemeint ist viel­mehr das mitt­ler­wei­le ver­gan­ge­ne Johann-Strauss-Jubi­lä­ums­jahr 2025. Das in Wien eine Fül­le von unter­schied­li­chen Johann-Strauss-Ver­an­stal­tun­gen mit sich brach­te, und an vie­len von denen hat­te ich auch teil­ge­nom­men, ins­be­son­de­re ein­mal im Ron­cal­li-Zir­kus­zelt und ein­mal in einer Rie­sen­rad­gon­del. Denn am 25. Okto­ber 2025 hat­te Scha­ni sei­nen 200. Geburts­tag gefei­ert.
Doch nun end­gül­tig zurück zum eigent­li­chen The­ma die­ses Tex­tes, näm­lich das Neu­jahrs­kon­zert 2026 der Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker. Das zwei Stun­den lang am Abend des 1.1.26 in der Oper Graz erklang und von Mari­us Bur­kert gelei­tet wur­de. Außer „Wo die Zitro­nen blühn“ von Johann Strauss Sohn gab es Wer­ke ande­rer Kom­po­nis­ten zu hören, die alle­samt Ita­li­en the­ma­ti­sier­ten. Im ers­ten Teil vor der Pau­se noch die Außen­ste­hen­den, wie etwa auch der Gra­zer Robert Stolz mit „Arri­ve­der­ci, bel­la Ita­lia“ oder der Deutsch-Ame­ri­ka­ner Vic­tor Her­bert mit „Ita­li­an Street Song“. Und nach der Pau­se, in Teil 2, dann aus­schließ­lich Ein­hei­mi­sche, also ita­lie­ni­sche Kom­po­nis­ten. Die bekann­ten Gioa­chi­no Ros­si­ni und Rug­ge­ro Leon­ca­vallo, aber eben auch weni­ger bekann­te Namen, wie Erman­no Wolf-Fer­ra­ri, Nino Rota und Alfre­do Casel­la. Mir fiel auf, dass man in Teil 2 den Über­gang zwi­schen den Stü­cken gar nicht unbe­dingt merk­te. Fre­ne­tisch in jedem Fall der Applaus und fre­ne­tisch auch die zwei­te Zuga­be, die Diri­gent Mari­us Bur­kert selbst anmo­de­rier­te: „Wir wol­len auch noch was zum Mit­klat­schen spie­len. Aber, kei­ne Sor­ge, wir spie­len nicht den Radetz­ky­marsch. Sie wer­den sofort erken­nen, was es ist. Sie müs­sen nur schnel­ler klat­schen als beim Radetz­ky­marsch.“ Und, es war, das all­seits bekann­te und belieb­te „Funi­culì, Funi­cu­là“, ein Volks­lied in nea­po­li­ta­ni­scher Spra­che, das 1880 aus Anlass der Eröff­nung der Stand­seil­bahn auf den Vesuv geschrie­ben wor­den war. Radetz­ky­marsch auf Ita­lie­nisch bezie­hungs­wei­se Nea­po­li­ta­nisch sozu­sa­gen.
Nicht zu ver­ges­sen: die wei­te­ren Prot­ago­nis­tIn­nen des Abends. Sie alle ver­ein­te eine erkäl­tungs­be­dingt redu­zier­te Stim­me, was aber der Stim­mung kei­nen Abbruch tat. Da war zu einen auf der weib­li­chen Sei­te Sopran Cori­na Kol­ler und zum ande­ren auf der männ­li­chen Sei­te waren da Tenor Ted Black und last but not least Mode­ra­tor und zugleich Inten­dant der Oper Graz Ulrich Lenz, der an die­sem kal­ten Win­ter­abend zumin­dest nament­lich auch noch ein Stück Früh­ling bot, denn Lenz ist bekannt­lich ein ande­res Wort für Früh­ling. Über­zeugt haben das Publi­kum in jedem Fall an die­sem kal­ten ers­ten Abend des neu­en Jah­res alle Betei­lig­ten. Und somit kann man zu einem gelun­ge­nen Jah­res­auf­takt gra­tu­lie­ren. Der für mich, als inten­si­ver wie getreu­er „Fol­lower“ sowohl des Johann-Strauss-Jubi­lä­ums­jah­res 2025 als auch des Neu­jahrs­kon­zerts der Wie­ner Phil­har­mo­ni­ker 2026, unter dem Mot­to stand: „Auf Strauss folgt Strauss folgt Strauss“.