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1 x Luftburger um 0 Euro


Text: Lukas Wogrolly; Fotos: Living Culture
Eine Woche nach Ostern begab sich Living Culture wieder ins Corona-geplagte Wien. Von Normalzustand kann keine Rede sein, dennoch kommt langsam wieder Leben „in die City“.

Nach knapp zwei Wochen war Living Culture zum zweiten Mal im „Wien der Corona-Krise“. Die Stimmung ist schon etwas aufgehellter als beim letzten Mal. Von Normalzustand kann jedoch nicht die Rede sein. Vielmehr scheint sich schön langsam einzupendeln, was Bundeskanzler Sebastian Kurz „die neue Normalität“ nennt: Ein öffentliches Leben unter strengen Auflagen, mit genauen Richtlinien, wie man sie so bislang bestenfalls aus Asien kannte. Will heißen, mit mehr Abstand zueinander, mit der Pflicht Schutzmasken zu tragen in zahlreichen öffentlichen Gebäuden und allen öffentlichen Verkehrsmitteln. Und auch mit doch einigen Unterschieden zu all dem Gewohnten. Nichtsdestotrotz: Man gewöhnt sich daran.

Wir suchten bei diesem Wien-Aufenthalt nicht mehr nur das am Stadtrand gelegene, weitläufige Areal des Lainzer Tiergartens auf. Sondern auch bestimmte, stärker bevölkerte Hotspots der Stadt. Die teilweise auch Schlagzeilen gemacht hatten, Stichwort Bundesgärten.

 

Beginnen wir chronologisch, im Lainzer Tiergarten. Dort hat sich im Vergleich zum letzten Besuch ein bisschen was verändert. Auffallend zahlreich sind Familien mit sogar spielenden Kindern. Eine etwas genervte Spaziergängerin sucht ein Ventil im „Corona-Frust“, weil ihr offenbar der Abstand beziehungsweise die Gehweise nicht passt. Es ist Wochenende. Samstag. Beim Gasthaus Rohrhaus, inmitten des Lainzer Tiergartens, ist der Gastgarten logischerweise verwaist und auch angeschrieben, dass er unbenutzbar ist. Lediglich „WC für Sie geöffnet“ steht da. Wenn man zu einem Hinweisschild geht, hält man Abstand oder wartet, bis gerade niemand dort ist. Der Sicherheitsabstand wird zu 100% nahezu eingehalten, die Bänke sind eben eher spärlich besetzt. Und viele Menschen in der Wiese. Spielplätze nach wie vor abgesperrt. Man hat das Gefühl, hier braucht es keine Polizei. So wie sich hier alle vorbildlich an das immer geltende Radfahr- und Hundeverbot halten, so geschieht das auch mit den Abstandsregeln. Kein Wunder: Hier, in diesem extrem weitläufigen Areal von 2.450 Hektar ist Platz für alle. Lediglich die Beschilderung lässt manchmal ein bisschen zu wünschen übrig, aber das ist Corona-unabhängig und kann ja noch nachgebessert werden. Dass etwa von der Hermesvilla kein Wegweiser in Richtung Gütenbachtor am Südrand weist, sondern nur in Richtung des Wirtshauses „Hirschgstemm“. Um zum Gütenbachtor zu kommen, muss man diesen Weg gehen.

Schauplatzwechsel, Donauinsel. Erster Sonntag nach Ostern. In der Nacht hat es abgekühlt und auch nach langer Zeit endlich mal wieder geregnet. Bei kühlen 15 Grad plus ist auch die Donauinsel verwaist. Zumindest ist hier wesentlich weniger Getümmel als zu Nicht-Corona-Zeiten und an sonnigeren, wärmeren Tagen, wie wir sie heuer schon hatten. Die Landschaft und die Wege sind relativ monoton. Im Gegensatz zum Lainzer Tiergarten ist hier sowohl Radfahren als auch das Mitführen von Hunden erlaubt. Und das wird auch genützt, vor allem für Drahtesel-Fans ist dieses zum Hochwasserschutz aufgeschüttete Eiland ein richtiges Eldorado. Es sind schon ein paar Menschen hier, vor allem von den eben erwähnten nicht motorisierten Zweirädern werden wir als Fußgänger ständig überholt. Aber es fehlt die Gastronomie, es fehlt – noch – der Badespaß, da zu kalt. Lediglich die Angler mit ihren langen Angelruten kommen uns immer wieder auf ihren Fahrrädern entgegen und scheinen die Ruhe sichtlich zu genießen. Die keine Ruhe vor dem Sturm ist. Denn solange es das Coronavirus gibt beziehungsweise kein Impfstoff existiert, kann man schwer von komplett „alten Zeiten“ und von Normalität sprechen. Man könnte fast meinen, diese Ruhe hier seien die „Modern Times“, zu denen es der Mensch mit seiner Gier (Wildtiermärkte in China unter besorgniserregenden Hygienebedingungen die ja letztendlich als Auslöser für das Virus gelten) und Vernetztheit (das Virus konnte sich so schnell ausbreiten aufgrund der schnellen Zug- und vor allem Flugverbindungen in nahezu alle Teile der Welt) gebracht hat. Die Gaststätten haben geschlossen (was sich aber Mitte Mai ändern sollte), und auch vereinzelt nur fährt ein Polizeiauto über die Insel. Dass die Donauinsel an diesem Tag nicht so bevölkert ist, liegt nicht unbedingt an ihrer Eintönigkeit und auch nicht unbedingt an Corona, sondern vielmehr am deutlich kühleren Wetter.

Schauplatzwechsel: Nach dem Überqueren der Praterbrücke, wo getrennt von der Autobahn (Südosttangente A23) der Fußweg und auf der anderen Seite der Radweg angelegt ist – also auch getrennt Fußgänger und Radfahrer, dennoch kommt uns als Fußgänger ein Fahrrad entgegen – sehen wir von oben die Unendlichkeit des Handelskais, wo auch ein paar Leute spazieren. Durch eines der vielen Stadtentwicklungsgebiete rund um die U2-Station „Donaumarina“, wo diverse Hochhäuser mit Wohnungen entstehen und vorbei am Ferry-Dusika-Stadion geht es zum „Kolosseum der Neuzeit“, wie mir das Ernst-Happel-Stadion während eines Damentennisturniers im Jahr 2001 im nahegelegenen Tennisclub erschienen war. Mit seiner Rundbauweise erinnert es an das römische Original, auch weil es auf einem so großen, runden Platz angelegt ist. Allerdings sind das Konstruktionsmaterial und das Architektonische, abgesehen von der Rundbauweise, komplett anders als beim Flavischen Amphitheater – eben wegen der komplett anderen Zeitepoche. Mir kommt in den Sinn: Wenn man Fußballspiele mit möglichst großem Abstand zwischen den Leuten veranstalten möchte und dabei aber möglichst viele Personen daran teilnehmen lassen möchte, so würde sich dieses größte Fußballstadion Österreichs am besten dafür eignen. Zumal es ohnehin kaum für Matches genutzt wird, abgesehen von der A-Nationalmannschaft der Herren, die aber nun auch Corona-bedingt fast ein ganzes Jahr pausieren muss. Denn wenn man in dieses zirka 45.000 Plätze fassende Rund in jeden Sektor nur ganz wenige Personen lassen würde, so wäre der Sicherheitsabstand definitiv gewahrt. Der zum Spielfeld ist ja ohnehin wegen der Laufbahn sehr groß im Vergleich zu vielen anderen Stadien. Es ist Sonntag und so wie beim Einkaufszentrum Stadion Center in der Nähe ist auch hier – bis auf ein paar Läufer und Spaziergänger – gähnende Leere. Aber kein Wunder, das ist auch ohne Corona sonntags hier ähnlich, sofern kein Spiel stattfindet. Denn in die Tribünen des Stadions hineingebaut sind zwar zahlreiche Büros, die aber alle logischerweise nur unter der Woche offen haben.

Von diesem Ort inmitten des grünen Wiener Praters wo kaum ein Unterschied zu Nicht-Corona-Zeiten ist, besuchen wir nun jene Teile dieser großen Erholungsoase, wo einiges anders ist.

Beginnen wir beim ans Ernst-Happel-Stadion angrenzende Stadionbad. Hier würde am 1. Mai die Freibadsaison beginnen, und normal hätten die Herrichtungsarbeiten schon begonnen. Diesmal kann keine Rede davon sein, denn wann und ob überhaupt Freibäder in dieser Sommersaison aufsperren dürfen, steht noch in den Sternen. Die Politik ist sich diesbezüglich noch uneins, zumal es ja auch zu einer vielzitierten „zweiten Welle“ kommen könnte. Auch auf der den ganzen Prater als eine Art Magistrale durchquerende, geradlinige, ebene Prater Hauptallee ist ein Unterschied zum Normalzustand zu spüren. Wenn auch in erster Linie durch die vielen Polizeiautos die immer wieder durchfahren. Hier ist trotz des etwas kühleren und bewölkten Wetters einiges los. Im Oktober wurde hier der nicht offizielle anerkannte Weltrekord im Marathonlauf aufgestellt, erstmals unter 2 Stunden. Allerdings eben unter künstlichen Bedingungen wie Tempomacher und Abhalten des Windes, daher eben kein offizieller Weltrekord. Dennoch, ein Medienspektakel. Der Asphalt ist hier genau gekennzeichnet, strichliert, wo das Polizeiauto zu fahren hat. Neben der asphaltierten Fahrbahn gibt es links und rechts parallel dazu auch einen Schotterweg, den die meisten Fußgänger nutzen, während Radler eher am Asphalt unterwegs sind. Eine genaue Vorgabe, wer was zu benutzen hat, gibt es hier aber nicht – mal abgesehen vom Polizeiauto, dessen Bahn eben durch die strichlierte Markierung am Asphalt genau ausgewiesen ist. Lediglich die Polizeiautos und eben auch, dass die teils parallel zur Prater Hauptallee verlaufende Liliputbahn außer Betrieb ist an einem Sonntag im April, weisen darauf hin, dass hier Coronazeit ist. Ganz deutlich wird dies jedoch hingegen im Volksprater, dort wo die vielen Fahrgeschäfte sind, Imbissbuden et cetera.

Die einzigen Personen die man umarmen darf (abgesehen von denen mit denen man in einem gemeinsamen Haushalt wohnt) sind die aufgestellten Kunstfiguren an den diversen Plätzen im Volksprater, zum Beispiel Cowboy oder Kellner. Hier gibt es wahrlich alles. Souvenirshop, Gastronomie – das berühmte Schweizerhaus oder auch Kolarik’s Luftburg, nicht zu vergessen der Englische Reiter – Ponyreiten, Fahrgeschäfte für Kleine und Große. Ganz wilde Sachen, aber auch eher gemütliche. Indoor und Outdoor. Sie alle haben aber an diesem Tag, beziehungsweise allgemein zu Coronazeiten eines gemeinsam: Sie sind geschlossen. Dort, wo sich sonst Menschenmengen schieben, um ihrem Vergnügungssinn zu frönen und Geld ausgeben, tummeln sich nur Spaziergänger, die nirgends ihr Geld loswerden. Die Gerichte, teils angeschrieben, teils fotografisch abgebildet, bei den diversen Gastronomiestätten lassen einem das Wasser im Mund zusammenlaufen. Aber es gibt nur Luftburger um 0 Euro! Zumindest das Geldbörsel wird bei diesem Praterbesuch definitiv nicht erleichtert. Die Geisterbahn, imposante Figuren, schöne Farben. Und das Areal des Palazzo-Zelts. Ein einsames Pferd. Und die Hinweisscreens wo zum Beispiel steht dass das Areal zwischen 20 Uhr abends und 7 Uhr morgens nur von Eigentümern und vom Sicherheitsdienst betreten werden darf. Wir sind nicht die einzigen Besucher, auch andere Schaulustige erleben den Prater an einem Aprilsonntag so, wie sie ihn wohl noch nie zu dieser Zeit erlebt haben. Im Winter unter der Woche ist vielleicht vormittags ähnlich wenig los. Doch selbst am 1. Dezember vergangenen Jahres, als wir die Dinner-Show im Palazzo-Zelt besucht hatten, war hier mehr Leben. Gespenstisch wie die Geisterbahn, vor der einige Fotos entstehen, ist die Stimmung. Wo sind die Menschen alle hin? Und wann kommt hier endlich wieder der „Sturm“? Wann ist die Ruhe vorbei?

Vielleicht ja Anfang des Sommers, wenn die Politik zu einer „kontrollierten Normalität“ lädt. Sofern es die Fallzahlen zulassen. Der Schönbrunner Tiergarten öffnet Mitte Mai, genauso wie die Tierwelt Herberstein. Vielleicht wird auch dieses Areal bald von Maskenträgern bevölkert sein. Und würde so ein komplett neues Bild bieten. Da die Mehrzahl an Aktivitäten sich hier im Freien abspielt, wo sich das Virus bekanntlich nicht so gut hält, ist gut möglich, dass auch hier es bald wieder lebhafter zugeht. Auch das Riesenrad steht still, die Souvenirshops sind verwaist und auch einzelne Bänke im Eingangsbereich des Praters, in der Nähe des Riesenrads, mit einem Absperrband versehen. Der Tankwart in der nahegelegenen Tankstelle, die wir nur mit Mund- und Nasenschutz betreten, hat nur Leberkäse, aber keine Semmel für eine Leberkäsesemmel. Und auch kein Brot. Das der letzte Eindruck eines ganz besonderen Praterbesuchs. Und ganz besonders geht es auch am Folgetag zu.

Die Wiener Innenstadt ruft. Zum ersten Mal seit dem allgemeinen Shut-down Mitte März, also fünf Wochen später, bin ich wieder hier. Einzelne Geschäfte – die unter 400 m2 – haben geöffnet. Und, da es ein Werktag ist, nämlich ein Montag, ist auch einiges an Leben. In der Kärntner Straße ist ein bisschen was los. Mit der Betonung auf „ein bisschen was“. Kein Vergleich zum „Normalzustand“, über den sich viele Wienerinnen und Wiener schon beschwert hatten. Bei der Staatsoper asiatisch aussehende Menschen. Die leben vielleicht hier, denke ich mir. Denn Hotels sind geschlossen und Flugverbindungen nahezu komplett gestrichen. Der Hauptunterschied zu Nicht-Corona-Zeiten in diesem neuen Wien sind zweifellos die fehlenden Touristenströme, die geschlossenen Hotels, die geschlossenen größeren Shops, die geschlossene Gastronomie und die durch Masken geschlossenen beziehungsweise bedeckten Münder und Nasen der Flanierer. Es ist zwar etwas kühl, aber strahlend blauer Sonnenschein. So wie schon zu Normalbevölkerungszeiten habe ich etwas Schwierigkeiten, mich durchzutanken durch die Menschen. Aber diesmal weniger deshalb, weil es so viele sind. Sondern vielmehr, um den Sicherheitsabstand zu wahren. Aber ich schaffe es. Der Stephansdom im Sonnenschein, vereinzelt Menschen auf den Sitzbänken. Zwar keine gähnende Leere. Aber auch bei weitem kein Normalzustand. Vor allem die geschlossene Gastronomie fällt auf. Der Demel, eines meiner Stammlokale, wird mit seinen geschlossenen Rollläden von einem Passanten fotografiert. Dass er das auch mal erleben darf, wird er sich wohl gerade denken. Ein Lokal, eine Wiener Institution aus k.u.k.-Zeiten, tagaus, tagein bevölkert von in erster Linie Menschen aus aller Herren Länder, und geschlossen nur abends ab 19 Uhr beziehungsweise ausnahmslos am 24. Dezember schon ab 14 Uhr nachmittags. Nun auf einmal gezwungen zu monatelangem Stillstand, Shut-down. So wie die Fitness-Studio-Reihe „Kieser Training“ mit ihrem Slogan „365 Tage im Jahr geöffnet“ wirbt. Abgesehen davon, dass das in einem Schaltjahr wie heuer ohnehin nicht ganz korrekt ist, macht ihr nun – wie auch dem Demel und vielen anderen Hotels und Institutionen – das Coronavirus einen Strich durch die Rechnung. Neue Normalität, die im Kanzleramt, nur unweit des Demels, beschlossen wurde, das scheint das Prinzip zu sein. Was mit der Gastronomie und der Hotellerie sein wird, wenn sie ab Mitte Mai wieder schrittweise aufsperren darf, das steht in den Sternen. Auf jeden Fall wird dann wegen Corona das Bild ein anderes sein. Und der Normalzustand ist noch entsprechend weit weg. Kommen wir zum letzten wichtigen Programmpunkt unseres Aufenthaltes. Oder ziehen wir kurz davor noch einen vor. Auch abseits der Wiener Innenstadt, in der Flaniermeile Favoritenstraße im 10. Wiener Bezirk, dem bevölkerungsreichsten, scheint die neue Normalität Einzug gehalten zu haben. Beim Kebabladen bekommt man fast nur nach Vorbestellung, vor den Handyshops der Anbieter A1, Magenta und Drei bilden sich lange Schlangen, wobei alle den Sicherheitsabstand einhalten und sehr gesittet sich verhalten. Der Eissalon Tichy am Reumannplatz hat noch geschlossen  - er soll Anfang Mai wieder aufsperren. Und anderswo in  Favoriten, im Sonnwendviertel unweit des neuen Wiener Hauptbahnhofes wird fleißig gebaut. Doch zurück zur Favoritenstraße und zum Areal des Viktor-Adler-Marktes. Hier fällt auf der hohe türkischstämmige Bevölkerungsanteil in diesem Grätzl, und auch das Maskentragen, das zur Mode geworden zu sein scheint. Letzter Punkt: Das Abstandhalten ist hier etwas schwieriger als auf der Kärntner Straße, aber es ist dennoch möglich. Die neue Normalität, sie hat auch hier Einzug gehalten. Und das geschäftige Treiben nimmt langsam wieder Formen an. Und nun zum letzten Punkt unserer Reise: Den fast schon berühmt-berüchtigten Bundesgärten. Wahlkampfgeplänkel anlässlich der Wien-Wahl am 11. Oktober brachte sie in die Schlagzeilen. Die Bürgermeisterpartei SPÖ forderte das von der ÖVP geführte Tourismusministerium auf, die im Zuge des kompletten Shut-downs Mitte März geschlossenen Bundesgärten wieder zu öffnen, um mehr Freiraum und mehr Grünoasen der Wiener Bevölkerung zu geben. Die im Gegensatz zur ländlichen Bevölkerung oft nicht über einen eigenen Garten, ja oft nicht mal über einen eigenen Balkon verfügt. In Zeiten der Verkehrsbeschränkung sei das Betreten von Grünflächen zur Erholung ein wichtiges Gut und diene auch dazu, mehr Abstand halten zu können. So die Argumentation der städtischen SPÖ, die ihrerseits alle städtischen Parks offenhielt und sogar zusammen mit ihrem grünen Koalitionspartner das temporäre Gehen auf ansonsten gesperrten Fahrbahnen freigab. Auf der anderen Seite die Argumentation der türkisen Tourismusministerin Köstinger, 1. auch andere Länder hätten im Zuge des Shut-downs ihre Gartenanlagen beziehungsweise Parkanlagen geschlossen und 2. diese Gärten zu öffnen, wäre ein falsches Signal, weil dann das Gebot zu Hause zu bleiben, missdeutet werden könnte, nach dem Motto die Menschen sollen zuhause bleiben, deshalb sperren wir auch die Parks. Letztendlich dann das Ende der von vielen als Wahlkampfgeplänkel in Coronazeiten bezeichneten Geschicht‘: Am Osterdienstag, also unmittelbar nach dem Osterwochenende und zeitgleich mit den ersten Geschäften nach dem knapp einmonatigen kompletten Shut-down, öffneten auch wieder die Bundesgärten. Allerdings mit strengen Einlasskontrollen. Von diesen war im Burggarten, Volksgarten und Belvederegarten nicht immer was zu sehen. Allerdings fiel dennoch die enorme Präsenz der Gelbwesten auf. In diesem Fall im Unterschied zu Frankreich vor der Krise nicht Bürgerproteste, sondern eben Ordner wie im Fußballstadion beziehungsweise Polizei, die doch alles genau kontrollierte. Zwar nicht unbedingt beim Eingang jeden abtastete wie beim Eingang zum Fußballstadion, die aber vor allem im Burggarten sehr präsent war und nicht zu übersehen. Ein bisschen wie Big Brother is watching you. Aber dennoch: An der Schönheit der Bundesgärten kann man sich erfreuen und auch wenn der Anblick ungewohnt ist mit dem vielen Sicherheitspersonal, schon allein nach der einmonatigen Schließung und den vielen Schlagzeilen zu diesem Thema ist es wahrlich ein Genuss, wieder diese Gärten genießen zu dürfen. So wie auch den Blick auf das Schloss Belvedere, das ja aus dem Italienischen übersetzt „schöne Aussicht“ heißt. Und diese schöne Aussicht, wenn auch ungewisse, haben hoffentlich auch wir auf die Zukunft. Kommt es zu keiner zweiten Welle, wie sie Politiker vor allem immer wieder formulieren, dann wird es schrittweise Öffnungen geben, auch vom Belvedere beziehungsweise den Bundesmuseen im Allgemeinen. Das ist doch eine schöne Aussicht, also auf Italienisch ein Belvedere, oder?