Mein Lieblingstier heißt Winter 4 und 5 — Finale furioso in der ganzen Oper Graz
Text: Lukas Wogrolly / Living Culture; Fotos (wenn nicht anders angegeben): Philip Brunnader
Felix Heuser, Mathias Lodd, Raphaela Möst, Sieglinde Feldhofer
Martin Fournier
Team Mein Lieblingstier heißt Winter
Nach fast einem Jahr Pause fand die Operette „Mein Lieblingstier heißt Winter“ mit Musik des Jazzmusikers Lukas Kranzelbinder und nach dem Libretto von Bachmannpreisträger Ferdinand Schmalz in der Oper Graz ihre Fortsetzung. Nach Teil 1 Anfang Oktober 2024, Teil 2 Ende November 2024, alle beide auf der Studiobühne, und Teil 3 Anfang April 2025 in der Montagehalle, übersiedelte „Mein Lieblingstier heißt Winter“ für die letzten beiden Teile der Romanvorlage von Ferdinand Schmalz ins große Opernhaus, genauer gesagt auf die Hauptbühne. In Teil 4 wurde zwar nur auf der Hauptbühne gespielt, die Zuschauer waren jedoch auch Teil der Kulisse, denn ähnlich einem Fußballstadion waren auf der Bühne zwei Tribünen aufgebaut, auf denen das gesamte Publikum Platz nehmen durfte. Teil 5 hingegen bot jedoch nur mehr eine einzige Zuschauertribüne auf der Opernhaus-Hauptbühne, von der aus man über die Bühne hinaus in den Zuschauerraum bis ganz nach oben auf die Galerie blicken konnte. Dementsprechend war Bühne im übertragenen Sinn nicht mehr allein die Opernhaus-Hauptbühne, wie noch in Teil 4, sondern genauso der Zuschauerraum, wozu auch eine Loge im 1. Rang und die Galerie im 2. Rang zählten.
So viel zur außergewöhnlichen Inszenierung. Bleibt noch der schwierigste Teil dieser Rezension beziehungsweise Kritik: Die Handlung beziehungsweise der Inhalt:
Warum das Stück „Mein Lieblingstier heißt Winter“ ganz wie die Roman-Originalvorlage heißt, verschließt sich mir jedweder Logik. Genauso wie die Handlung, die oft zusammenhanglos metaphorische Gestalten wie Dr. Schauer oder Dr. Bitter zusammen- oder doch auseinanderführt. Und wo man sich irgendwie denkt, auch wenn man schon alle Teile gesehen hat: so etwas skurril-groteskes ohne roten Faden in der Finsternis, habe ich noch nie erlebt. Die Beschäftigung mit dem menschlichen Dasein oder Nichtsein. Das Rehragout, tiefgekühlt als skurrile Trophäe, Leute für die das Ungewöhnliche ach so normal wirkt, ein Kuriositätenkabinett ohne Ende. Stichwort: Tiefkühlchor. Und Vergänglichkeit. Sein oder nicht sein. Eine Liste an Impressionen, die sich unendlich fortführen ließe. Doch an dieser Stelle zitiere man nun aus den Handlungsbeschreibungen von Teil 1, 4 und 5:
Teil 1:
Willkommen in der dystopischen Welt eines verlassenen Vergnügungsparks. Umgekippte Plastikdinosaurier, überwuchert von Schimmelpilzen, scheinen eingefroren im Moment des Aussterbens, als der Asteroid vor 66 Millionen Jahren auf dieses Vulkanland hinabstürzte. Inmitten dieser Szenerie stehen die Reinigungsexperten Harald und Norbert und befreien schrubbend die Plastik-Echsen vom Schimmelbefall.
Teil 4:
Norbert und Harald betreten als Mönche verkleidet den Feuerwerkladen von Fabian. Ersterer dreht dem rotfaktorigen Kanari den Hals um. Fabian soll Schlicht die Drohung ausrichten. Norbert behält den toten Vogel in der Hand. Fabian erkennt in Harald und Norbert die Geldeintreiber von Kerninger. Er beschließt, an dem Ministerialrat Rache zu nehmen.
Teil 5:
Schlicht wird bei lebendigem Leib begraben. Erinnerungen an seine Schauer-Suche rasen durch seinen Kopf. Die Luft wird knapp, er halluziniert Stimmen eines Sterbeclubs, der Freiheit im selbstgewählten Tod sucht. Gerade noch rechtzeitig wird er ausgegraben und landet auf Tulps Seziertisch. Der erschrickt, als der „Tote“ einen Schrei ausstößt. […] Zurück im Maul des Dinosauriers findet Schlicht Astrid regungslos liegen. Als er den Ort verlässt, schlägt ein Blitz ein – der Saurier geht in Flammen auf. Schlicht entdeckt Fabian golfend mit Kerningers Christbaumkugeln – Rache für den ermordeten Kanarienvogel.
Mehr sei hier nun nicht vorweggenommen. Die Leistung der Schauspieler jedenfalls grandios, auch viele Statisten. Für mich eben eine Reise in die Untiefen des menschlichen Seins, mit aller Skurrilität und Kuriosität, die auch nur irgendwie möglich ist.
Tino Hillebrand und Raphaela Möst
Raphaela Möst und Mathias Lodd
Raphaela Möst und Martin Fournier
Raphaela Möst, Klemens Lendl, Felix Heuser, Wolfgang Vincenz Wizlsperger
Raphaela Möst, Klemens Lendl, Felix Heuser, Wolfgang Vincenz Wizlsperger
Martin Fournier, Raphaela Möst, Felix Heuser
Josephine Renelt und Wolfgang Vincenz Wizlsperger
Josephine Renelt und Tino Hillebrand
Josephine Renelt, Raphaela Möst und Mathias Lodd
Felix Heuser, Raphaela Möst, Martin Fournier, Klemens Lendl, Mathias Lodd
Zuschauerraum der Oper Graz und Klemens Lendl
Wolfgang Vincenz Wizlsperger, Josephine Renelt, Klemens Lendl, Raphaela Möst, Mathias Lodd, Felix Heuser, Martin Fournier, Tino Hillebrand
Tino Hillebrand und Mathias Lodd
Tino Hillebrand, Raphaela Möst, Wolfgang Vincenz Wizlsperger, Felix Heuser, Martin Fournier, Mathias Lodd, Josephine Renelt, Klemens Lendl
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