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Zweck­ehe mit der Kunst


Text: Moni­ka und Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re; Fotos: Jörg Star­ke
Er lebt mit sei­ner Fami­lie in Bali, Ber­lin und Miami. Er ist mit Len­non-Wit­we Yoko Ono auf Du-und-Du und för­dert sein Leben lang Kunst. Wie es dazu kam und was er davon hält, bespra­chen wir mit Kunst­ku­ra­tor, All­roun­der und Vor­den­ker Jörg Star­ke bei einem schi­cken Ita­lie­ner in Ber­lin.

Was bedeu­tet Kunst für Sie? Und wie sind Sie zur Kunst gekom­men, ist das von Ihnen gleich­sam „schon mit der Mut­ter­milch mit auf­ge­nom­men“ wor­den?

Jörg Star­ke: Im Grun­de bin ich zur Kunst gekom­men, weil mein Vater eine Stif­tung grün­den woll­te, und ich dann gesagt habe: Okay, Stif­tung ist gut, aber ich möch­te lie­ber eine Kunst­stif­tung. Eine Kunst­stif­tung des­we­gen, weil ich in dem Alter damals der „Bad Boy“ war, aber trotz­dem gesell­schaft­lich etwas bewe­gen woll­te. Außer­dem hat­te ich damals noch die nai­ve Ein­stel­lung gehabt, dass Poli­ti­ker unbe­dingt eine wei­ße Wes­te haben müss­ten. Da ich die­se wei­ße Wes­te sel­ber noch nicht so hat­te, habe ich die Kunst gewählt, um damit schließ­lich an die Öffent­lich­keit zu tre­ten. Schließ­lich ist die Kunst frei von die­sen gan­zen Auf­la­gen. Weil es in der Kunst eigent­lich egal ist, was man tut.

Heißt das, dass die Frei­heit und Tole­ranz und die­ser Plu­ra­lis­mus, die der Kunst inne­woh­nen, der „Magne­tis­mus der Kunst“ für Sie bedeu­te­ten? Waren Sie da nicht auch schwan­kend, oder war es von vorn­her­ein klar: Für mich kommt nur das in Fra­ge?

Jörg Star­ke: Es war für mich total klar: Nur das kommt für mich in Fra­ge, weil eben die Kunst so offen, so libe­ral ist, wenn man sie idea­lis­tisch betrach­tet. Natür­lich ist es nicht so, wie ich es erwar­tet hat­te. Doch damals war das für mich so.

Man­che sagen  Kunst sei eigent­lich unnö­tig. Bezie­hungs­wei­se sei Kunst schon Luxus­gut einer Gesell­schaft. Was kann man dem ent­ge­gen­hal­ten?

Jörg Star­ke: Nach mei­ner ers­ten Intui­ti­on, mich der Kunst zu wid­men, habe ich gelernt, mit Kunst zu leben. Man kann es im Grun­de mit einer Zwangs­ehe ver­glei­chen. Zwangs­ehe des­halb, weil zwei Part­ner zusam­men­kom­men, die eigent­lich von ande­ren dazu bestimmt wor­den sind, von nun an zusam­men­zu­le­ben. Erst wäh­rend der Bezie­hung ler­nen sich die Part­ner zu lie­ben.

Zusam­men­zu­wach­sen beim nähe­ren Ken­nen­ler­nen…

Jörg Star­ke: Genau! Des­we­gen haben mei­nes Erach­tens nach die Ehen in frü­he­ren Zei­ten viel bes­ser gehal­ten als die heu­ti­gen. Die gegen­wär­ti­gen Ehen wer­den vor­der­grün­dig nur aus Lie­be geschlos­sen, und wenn die Ver­liebt­heit vor­bei ist, dann hat man nichts Gemein­sa­mes mehr. Zweck­ehen hin­ge­gen sind eben aus einem mate­ri­el­len oder einem ande­ren pro­fa­nen Grund zustan­de gekom­men, und erst in der Ehe hat der eine den ande­ren erst schät­zen gelernt. Dadurch konn­te sich letzt­end­lich eine Lie­be ent­wi­ckeln und ent­fal­ten, die viel­leicht sogar viel tie­fer geht, als wenn man sich vor­her im Vor­feld ver­liebt hät­te. Genau­so wie in einer Zweck­ehe erging es mir mit der Kunst.

Ein orga­ni­sches Wachs­tum also. Die Fra­ge bleibt: Ob Kunst über­haupt etwas ist, das unse­re Gesell­schaft unbe­dingt braucht?

Jörg Star­ke: Im Grun­de ist ja das Bemer­kens­wer­te und das Schö­ne, dass Kunst eigent­lich nutz­los ist und dadurch im Grun­de der Wert der Kunst selbst geschaf­fen wird. Sehr klar wird das heut­zu­ta­ge, wo ich die­se gan­zen NFTs, die jetzt zur­zeit ent­ste­hen, sehe. NFTs haben ja über­haupt kei­nen „Value“, also sie haben über­haupt kei­nen Wert. Erst dadurch, dass sie von ande­ren begehrt wer­den, ent­wi­ckeln sie einen Wert. Und erst dadurch, dass das eini­ge glau­ben, dass die­ser Wert auch in der Zukunft noch wachs­tums­fä­hig ist, kommt auch eine Stei­ge­rung für die­se NFTs zustan­de. Ein NFT ist ja auch total nutz­los. Gera­de auf die­se Fra­ge bezo­gen ist ein NFT eigent­lich das bes­te Bei­spiel dafür, dass etwas total Nutz­lo­ses auf ein­mal einen unglaub­li­chen Wert erreicht.

Wie sieht ein typi­scher Tag von Ihnen aus?

Jörg Star­ke: Seit­dem ich mei­ne Toch­ter habe, sind mei­ne Tage lei­der erschre­ckend gleich.

Wirk­lich?

Jörg Star­ke: Ja, weil ich wuss­te im Grun­de nie, was pas­sie­ren wird, aber durch die­sen regel­mä­ßi­gen Ablauf, wie zum Bei­spiel mit Schu­le und nach-Hau­se-Kom­men und Haus­auf­ga­ben-Machen, hat sich natür­lich auch mein Leben total ver­än­dert.  Ich habe mich eigent­lich immer schon danach gesehnt, einen bestimm­ten Tages­rhyth­mus zu haben und den habe ich jetzt auch bekom­men. Das heißt ich ste­he ver­hält­nis­mä­ßig früh auf, bear­bei­te dann mei­ne ers­ten E‑Mails, trei­be dann Sport, esse zu Mit­tag, sit­ze dann wie­der am Com­pu­ter, und nach­mit­tags ver­su­che ich irgend­wie viel­leicht dann noch­mal irgend­wo hin­zu­fah­ren oder mei­ner Toch­ter bei den Haus­auf­ga­ben zu hel­fen. Nur das Wochen­en­de ist eigent­lich nicht durch­struk­tu­riert und ver­hält­nis­mä­ßig offen. Aller­dings ist mei­ne Toch­ter sehr häus­lich und schickt mich und mei­ne Frau dann meis­tens weg, damit wir was Schö­nes zusam­men machen kön­nen.

Was ist der Sinn des Lebens?

Jörg Star­ke: Naja ich den­ke schon, dass es der Sinn des Lebens ist, sich fort­zu­pflan­zen. Das ist der ursprüng­li­che Sinn, den jede Pflan­ze, jedes Tier und auch die Men­schen haben. Nicht umsonst war es immer so wich­tig gewe­sen für Königs­häu­ser oder Adels­häu­ser der Ver­gan­gen­heit, einen Sohn zu haben, der dann wie­der­um die Gene wei­ter­gibt. Es war eigent­lich schon ganz klar, dass der Sinn des Lebens dar­in besteht, sei­ne Gene wei­ter­zu­ge­ben und dadurch im über­tra­ge­nen Sin­ne eigent­lich unsterb­lich zu wer­den. Dynas­tien zu grün­den ist auch für jeden Dik­ta­tor das Bes­te, was ihm wie­der­fah­ren kann. Jeder Dik­ta­tor ver­sucht, eine Dynas­tie zu grün­den. Jeder Olig­arch ist bestrebt, eine Dynas­tie zu grün­den. Jedes rei­che Haus, auch die, die viel Ver­mö­gen ange­schafft haben, ver­su­chen das an ihre Kin­der und Enkel­kin­der wei­ter­zu­ge­ben, also wie­der­um eine Dynas­tie zu grün­den. Der Rück­schluss dar­aus ist, dass das Wich­tigs­te im Leben ist, sich fort­zu­pflan­zen.

Und ihrer Toch­ter geben Sie Ihr Ver­mächt­nis wei­ter? Also im Sin­ne von För­de­run­gen der Kunst und der Kul­tur?

Jörg Star­ke: Ich ver­su­che natür­lich, dass das, was ich auf­ge­baut habe, an mei­ne Toch­ter über­geht und dass sie das dann auch wei­ter­führt. Das wäre toll, vor allen Din­gen mit der Kunst­stif­tung, weil die­se Kunst­stif­tung „auf unend­lich“ ange­legt ist. Es wäre opti­mal, wenn wir das auch in eine bestimm­te Art von Dynas­tie über­ge­hen las­sen. Auf jeden Fall wird es die Stif­tung immer wei­ter­ge­ben.

Was ist aktu­ell der Fokus Ihres Tuns?

Jörg Star­ke: Das Haupt­pro­jekt, das ich vor­ha­be, ist ein Künst­ler­aus­tausch zwi­schen New York, Miami und Ber­lin. Das ist auch der Haupt­grund, war­um Miami, New York und Ber­lin gleich wich­tig sind für mein Schaf­fen, um dadurch ame­ri­ka­ni­sche Künst­ler in Deutsch­land zu för­dern. Wo die deut­schen Künst­ler geför­dert wer­den, das ist noch nicht ganz klar. Die ame­ri­ka­ni­schen Künst­ler wer­den im Löwen­pa­lais in mei­ner Stif­tung geför­dert.

Wo fin­den Sie Ihren Aus­gleich zur Kunst? Mal so ganz weg von die­ser sophisti­ca­ted, intel­lek­tu­el­len und kunst­sin­ni­gen Welt. Ist das der Sport? Oder die Natur?

Jörg Star­ke: Auf jeden Fall. Ich bin jetzt nicht der gro­ße Natur­mensch, obwohl ich es jetzt wahn­sin­nig toll fin­de, hier in der käl­te­ren Jah­res­zeit durch den Ber­li­ner Wald Nor­dic-Wal­king zu machen, das Schöns­te, was es gibt. Ich schwim­me sehr viel, mache Fit­ness und war ja in Bali sehr viel rei­ten. Ich möch­te, wenn mei­ne Toch­ter groß genug ist, dass sie dann allein leben kann. Ich freue mich dann dar­auf, mit mei­ner Frau dann in der Welt her­um zu rei­sen und die Kul­tur­sta­tio­nen zu besu­chen, die ich bis jetzt noch nicht besucht habe. Ägyp­ten reizt mich zum Bei­spiel sehr stark.

Da waren Sie noch nie?

Jörg Star­ke: Nein, da war ich noch nie. Und das, obwohl ich ein gro­ßer Ägyp­ten-Fan bin. In der ägyp­ti­schen Mytho­lo­gie ken­ne ich mich sehr gut aus. Ich wür­de eben­so gern eini­ge grie­chi­sche Orte auf­su­chen, weil mir die grie­chi­sche Mytho­lo­gie sehr am Her­zen liegt und natür­lich Ita­li­en, Rom, Vene­dig, Flo­renz. Auf jeden Fall machen wir einen klei­nen Anfang schon in die­sem Som­mer.

Was ist in der nahen Zukunft geplant?

Jörg Star­ke: Ich wer­de Gast­vor­trä­ge an Uni­ver­si­tä­ten in Miami und New York hal­ten — über Kul­tur­ma­nage­ment. Es geht inhalt­lich auch um Spon­so­ring. Wie kann ich Spon­so­ren fin­den und was muss ich Spon­so­ren bie­ten, dass sie einen för­dern  wol­len.

Dan­ke für das Gespräch.


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