Arizona Lady — Eine schmissige Western-Operette
Text: Lukas Wogrolly / Living Culture; Fotos: Werner Kmetitsch / Oper Graz, Ingo Pertramer
Richard Jähnig, Rada Kirova, Christof Messner, Pavel Silich, Gihwang Yoon, Chor der Oper Graz
Michael Großschädl, Rada Kirova, Christof Messner, Richard Jähnig, Gihwang Yoon, Pavel Silich
Ivan Oreščanin, Corina Koller, Ballett Graz, Chor und Statisterie der Oper Graz
Grazer Philharmoniker, Michael Großschädl, Martin Fournier, Corina Koller, Frederike Haas, Ivan Oreščanin, Markus Butter, Chor der Oper Graz, Ballett Graz
Arizona Lady Sideshot Pferd Portos
Arizona Lady – Sujetfoto, Falk Witzurke, Neira Muhic und Ivan Oreščanin
Richard Jähnig und Gihwang Yoon
Richard Jähnig, Rada Kirova, Christof Messner, Pavel Silich, Gihwang Yoon, Chor der Oper Graz
Michael Großschädl, Rada Kirova, Christof Messner, Richard Jähnig, Gihwang Yoon, Pavel Silich
Martin Fournier und Corina Koller
János Mischuretz, Wolfgang Lampl und Chor der Oper Graz
Ivan Oreščanin und Corina Koller
Ivan Oreščanin, Corina Koller, Ballett Graz, Chor und Statisterie der Oper Graz
Grazer Philharmoniker, Michael Großschädl, Martin Fournier, Corina Koller, Frederike Haas, Ivan Oreščanin, Markus Butter, Chor der Oper Graz, Ballett Graz
Frederike Haas und Markus Butter
Frederike Haas und Corina Koller
Frederike Haas und Christof Messner
Frederike Haas und Christof Messner
Frederike Haas, Christof Messner, Wolfgang Lampl und Chor der Oper Graz
Christof Messner
Christof Messner
Anna Brull, Chor der Oper Graz und Ballett Graz
Die Operette „Arizona Lady“ des ungarischen Komponisten Emmerich Kálmán ist in vielerlei Hinsicht einzigartig. Warum?
Kálmán, berühmter Sohn der k.u.k.-Monarchie, benannte all seine Operetten, die er in deutscher Sprache verfasste, nach der weiblichen Hauptdarstellerin. Beispielsweise „Die Csárdásfürstin“, „Die Bajadere“, „Gräfin Mariza“, oder auch: „Das Veilchen von Montmartre“. Bis auf eine Ausnahme: seine letzte, eben „Arizona Lady“. Denn „Arizona Lady“ ist ein Rennpferd, eine Art Schicksalspferd. Das zwar während der gesamten Operette erwähnt wird und eine wichtige Rolle einnimmt, aber nur in der Schlussszene kurz auf der Bühne ist.
Da „Arizona Lady“ seine letzte Operette war, blieb sie als einzige unvollendet.
Das Genre „Westernoperette“ mit den Handlungsorten Arizona in den USA sowie kurz gegen Ende auch Mexiko ist nahezu singulär für eine Operette. Die von der Thematik her ähnlicher ist den im Laufe des 20. Jahrhunderts entstandenen berühmten Musicals wie „Sound of Music“, „Saturday Night Fever“, oder allen voran „West Side Story“, als den Wiener Operetten der 1920er-Jahre.
Diese in ihrer Art also absolut außergewöhnliche Operette eines primär für andere Werke berühmten k.u.k.-Komponisten stand im Frühling 2026 auf dem Spielplan der Oper Graz.
In der Inszenierung von Christian Thausing sowie unter der musikalischen Leitung von Kai Tietje wurden im Vergleich zur Uraufführung am Stadttheater Bern 1954 zahlreiche Änderungen vorgenommen, wie auch im „Nachklang“ im Café Stolz die Dramaturgin Laura Bruckner betonte. So wurde beispielsweise das am Anfang erklingende eindrucksvolle „Lied der Prärie“ auch später eingebaut und die Darstellung der Mexikaner als „die Bösen“ überarbeitet und den Gegebenheiten der heutigen Zeit angepasst. Wie mir Laura Bruckner auf meine Frage im „Nachklang“ verriet, wurde zudem die immanente Liebesgeschichte vereinfacht dargestellt und die auf Wikipedia verfügbare Inhaltsangabe, auf die ich Bezug nahm, entspreche so keinesfalls 1:1 der auf der Bühne in zirka drei Stunden inklusive einer zwanzigminütigen Pause dargebotenen Handlung. Allgemein biete die Urversion an die zehn verschiedenen Bühnenbilder, was deutlich reduziert worden sei. Und, last but not least, allein schon da die Operette unvollendet geblieben war, bedurfte sie einer umfangreichen Bearbeitung.
Mein persönlicher Eindruck war zudem, dass die auf Wikipedia nur im letzten Satz der Inhaltsangabe erwähnte „Nebenhandlung zwischen Nellie Nettleton und Chester Kingsbury“ in der Inszenierung eine wesentlich zentralere Rolle einnimmt als man das vermuten könnte. Im Nachgespräch stand neben der Dramaturgin Laura Bruckner und der Darstellerin der weiblichen Hauptfigur Lona Farrell, Frederike Haas, auch die Darstellerin von Nellie Nettleton, Corina Koller zum offenen Gespräch bereit.
Kommen wir zu den Besonderheiten der Inszenierung. Bild und Ton scheinen wichtiger als Handlung: Bunte Farben, und schrille, einprägsame Töne wie eben beispielsweise im „Lied der Prärie“, prägen den schillernden Gesamteindruck. Die zwei schicksalshaften Pferderennen, darunter am Schluss das berühmte „Kentucky Derby“, werden über einen Kommentator und zahlreiche Darsteller*innen originalgetreu und authentisch auf die Bühne gebracht. Und wie so oft, oder fast immer, in dieser Welt der Operette, bildet eine Liebesgeschichte mit Happy-End das Herzstück. Ich will nicht zu viel verraten, deshalb gehe ich nun nicht mehr weiter auf die Handlung ein.
Sondern noch auf einige Details der Inszenierung: Im Grunde genommen hat diese Operette alles, was den Wilden Westen so ausmacht: Cowboys, Sherrifs, attraktive Frauen, Pferderennen, Wüste, spezielle Atmosphäre…Und eben beispielsweise auch die geänderte Darstellung beziehungsweise Definition der Sündenböcke — Die ich auch hier nicht näher erläutern möchte. Denn sonst wissen Sie ja schon alles, bevor Sie sich das Stück anschauen.
Und: ein von Dramaturgin Laura Bruckner erwähnter, kurzfristiger Ausfall eines Hauptdarstellers konnte der Begeisterung des Publikums keinen Abbruch tun. Denn die Leistung aller Akteur*innen auf der Bühne war fulminant. Authentisch und echt, vielleicht mit drei Stunden ungewohnt lang, und eben für eine Operette eines Komponisten der Silbernen Wiener Operettenära in jedem Fall einzigartig. Das ist „Arizona Lady“ an der Oper Graz.