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Ari­zo­na Lady — Eine schmis­si­ge Wes­tern-Ope­ret­te


Text: Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re; Fotos: Wer­ner Kme­titsch / Oper Graz, Ingo Per­tra­mer
Emme­rich Kál­máns letz­tes Werk ent­führ­te an der Oper Graz in den Wil­den Wes­ten.

Die Ope­ret­te „Ari­zo­na Lady“ des unga­ri­schen Kom­po­nis­ten Emme­rich Kál­mán ist in vie­ler­lei Hin­sicht ein­zig­ar­tig. War­um?

 

Kál­mán, berühm­ter Sohn der k.u.k.-Monarchie, benann­te all sei­ne Ope­ret­ten, die er in deut­scher Spra­che ver­fass­te, nach der weib­li­chen Haupt­dar­stel­le­rin. Bei­spiels­wei­se „Die Csár­dás­fürs­tin“, „Die Baja­de­re“, „Grä­fin Mari­za“, oder auch: „Das Veil­chen von Mont­mart­re“. Bis auf eine Aus­nah­me: sei­ne letz­te, eben „Ari­zo­na Lady“. Denn „Ari­zo­na Lady“ ist ein Renn­pferd, eine Art Schick­sals­pferd. Das zwar wäh­rend der gesam­ten Ope­ret­te erwähnt wird und eine wich­ti­ge Rol­le ein­nimmt, aber nur in der Schluss­sze­ne kurz auf der Büh­ne ist.

Da „Ari­zo­na Lady“ sei­ne letz­te Ope­ret­te war, blieb sie als ein­zi­ge unvoll­endet.

Das Gen­re „Wes­tern­ope­ret­te“ mit den Hand­lungs­or­ten Ari­zo­na in den USA sowie kurz gegen Ende auch Mexi­ko ist nahe­zu sin­gu­lär für eine Ope­ret­te. Die von der The­ma­tik her ähn­li­cher ist den im Lau­fe des 20. Jahr­hun­derts ent­stan­de­nen berühm­ten Musi­cals wie „Sound of Music“, „Satur­day Night Fever“, oder allen vor­an „West Side Sto­ry“, als den Wie­ner Ope­ret­ten der 1920er-Jah­re.

Die­se in ihrer Art also abso­lut außer­ge­wöhn­li­che Ope­ret­te eines pri­mär für ande­re Wer­ke berühm­ten k.u.k.-Komponisten stand im Früh­ling 2026 auf dem Spiel­plan der Oper Graz.

In der Insze­nie­rung von Chris­ti­an Thaus­ing sowie unter der musi­ka­li­schen Lei­tung von Kai Tiet­je wur­den im Ver­gleich zur Urauf­füh­rung am Stadt­thea­ter Bern 1954 zahl­rei­che Ände­run­gen vor­ge­nom­men, wie auch im „Nach­klang“ im Café Stolz die Dra­ma­tur­gin Lau­ra Bruck­ner beton­te. So wur­de bei­spiels­wei­se das am Anfang erklin­gen­de ein­drucks­vol­le „Lied der Prä­rie“ auch spä­ter ein­ge­baut und die Dar­stel­lung der Mexi­ka­ner als „die Bösen“ über­ar­bei­tet und den Gege­ben­hei­ten der heu­ti­gen Zeit ange­passt. Wie mir Lau­ra Bruck­ner auf mei­ne Fra­ge im „Nach­klang“ ver­riet, wur­de zudem die imma­nen­te Lie­bes­ge­schich­te ver­ein­facht dar­ge­stellt und die auf Wiki­pe­dia ver­füg­ba­re Inhalts­an­ga­be, auf die ich Bezug nahm, ent­spre­che so kei­nes­falls 1:1 der auf der Büh­ne in zir­ka drei Stun­den inklu­si­ve einer zwan­zig­mi­nü­ti­gen Pau­se dar­ge­bo­te­nen Hand­lung. All­ge­mein bie­te die Urver­si­on an die zehn ver­schie­de­nen Büh­nen­bil­der, was deut­lich redu­ziert wor­den sei. Und, last but not least, allein schon da die Ope­ret­te unvoll­endet geblie­ben war, bedurf­te sie einer umfang­rei­chen Bear­bei­tung.

Mein per­sön­li­cher Ein­druck war zudem, dass die auf Wiki­pe­dia nur im letz­ten Satz der Inhalts­an­ga­be erwähn­te „Neben­hand­lung zwi­schen Nel­lie Nett­le­ton und Ches­ter King­s­bu­ry“ in der Insze­nie­rung eine wesent­lich zen­tra­le­re Rol­le ein­nimmt als man das ver­mu­ten könn­te. Im Nach­ge­spräch stand neben der Dra­ma­tur­gin Lau­ra Bruck­ner und der Dar­stel­le­rin der weib­li­chen Haupt­fi­gur Lona Far­rell, Fre­de­ri­ke Haas, auch die Dar­stel­le­rin von Nel­lie Nett­le­ton, Cori­na Kol­ler zum offe­nen Gespräch bereit.

Kom­men wir zu den Beson­der­hei­ten der Insze­nie­rung. Bild und Ton schei­nen wich­ti­ger als Hand­lung: Bun­te Far­ben, und schril­le, ein­präg­sa­me Töne wie eben bei­spiels­wei­se im „Lied der Prä­rie“, prä­gen den schil­lern­den Gesamt­ein­druck. Die zwei schick­sals­haf­ten Pfer­de­ren­nen, dar­un­ter am Schluss das berühm­te „Ken­tu­cky Der­by“, wer­den über einen Kom­men­ta­tor und zahl­rei­che Darsteller*innen ori­gi­nal­ge­treu und authen­tisch auf die Büh­ne gebracht. Und wie so oft, oder fast immer, in die­ser Welt der Ope­ret­te, bil­det eine Lie­bes­ge­schich­te mit Hap­py-End das Herz­stück. Ich will nicht zu viel ver­ra­ten, des­halb gehe ich nun nicht mehr wei­ter auf die Hand­lung ein.

Son­dern noch auf eini­ge Details der Insze­nie­rung: Im Grun­de genom­men hat die­se Ope­ret­te alles, was den Wil­den Wes­ten so aus­macht: Cow­boys, Sher­rifs, attrak­ti­ve Frau­en, Pfer­de­ren­nen, Wüs­te, spe­zi­el­le Atmosphäre…Und eben bei­spiels­wei­se auch die geän­der­te Dar­stel­lung bezie­hungs­wei­se Defi­ni­ti­on der Sün­den­bö­cke — Die ich auch hier nicht näher erläu­tern möch­te. Denn sonst wis­sen Sie ja schon alles, bevor Sie sich das Stück anschau­en.

Und: ein von Dra­ma­tur­gin Lau­ra Bruck­ner erwähn­ter, kurz­fris­ti­ger Aus­fall eines Haupt­dar­stel­lers konn­te der Begeis­te­rung des Publi­kums kei­nen Abbruch tun. Denn die Leis­tung aller Akteur*innen auf der Büh­ne war ful­mi­nant. Authen­tisch und echt, viel­leicht mit drei Stun­den unge­wohnt lang, und eben für eine Ope­ret­te eines Kom­po­nis­ten der Sil­ber­nen Wie­ner Ope­ret­ten­ära in jedem Fall ein­zig­ar­tig. Das ist „Ari­zo­na Lady“ an der Oper Graz.


  • Gra­zer Phil­har­mo­ni­ker
  • Bal­lett Graz
  • Chor der Oper Graz
  • Sta­tis­te­rie der Oper Graz

Vor­stel­lun­gen

Fr. 17.04.2026 19:30 bis ca. 22:30 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
Do. 23.04.2026 19:30 bis ca. 22:30 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 5 bis € 77 TicketsOper Graz Logo
So. 26.04.2026 15:00 bis ca. 18:00 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 5 bis € 77 TicketsOper Graz Logo
Mi. 29.04.2026 19:30 bis ca. 22:30 Opern­haus Haupt­büh­ne
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So. 03.05.2026 15:00 bis ca. 18:00 Opern­haus Haupt­büh­ne
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So. 10.05.2026 15:00 bis ca. 18:00 Opern­haus Haupt­büh­ne
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Sa. 30.05.2026 19:30 bis ca. 22:30 Opern­haus Haupt­büh­ne
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Zum letz­ten Mal Sa. 20.06.2026 19:30 bis ca. 22:30 Opern­haus Haupt­büh­ne
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