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Piotr Bec­zała zu Gast im Musik­ver­ein Graz – ein sla­wi­scher Lie­der­abend voll Inbrunst


Text: Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re; Fotos: Shir­ley Sua­rez, Jean-Bap­tis­te Mil­lot
Im illus­tren Ambi­en­te des Gra­zer Ste­fa­ni­en­saals im Con­gress Graz gab sich am 21. Jän­ner 2026 der pol­nisch-öster­rei­chisch-schwei­ze­ri­sche Tenor Piotr Bec­zała die Ehre. Er war nicht die ers­te Berühmt­heit, die dort auf­trat.

Sein 140-jäh­ri­ges Bestehen hat­te der nach der Frau von Kron­prinz Rudolf, Ste­pha­nie von Bel­gi­en, benann­te Ste­fa­ni­en­saal im Con­gress Graz, nur unweit des Gra­zer Haupt­plat­zes und Rat­hau­ses und somit mit­ten im Zen­trum der stei­ri­schen Lan­des­haupt­stadt gele­gen, erst im Vor­jahr 2025 fei­er­lich zele­briert. Am 21. Jän­ner 2026, also unmit­tel­bar nach Ende des Jubi­lä­ums­jah­res, gab sich hier bei einem Lie­der­abend im Musik­ver­ein Graz der pol­nisch-öster­rei­chisch-schwei­ze­ri­sche Tenor Piotr Bec­zała ein Stell­dich­ein. Beglei­tet wur­de er dabei vom öster­rei­chi­schen Pia­nis­ten Hel­mut Deutsch, der an sel­bem Ort erst eine Woche zuvor ein genau­so kon­ge­nia­les Duo mit dem bay­risch-öster­rei­chi­schen Tenor und zugleich sei­nem ehe­ma­li­gen Schü­ler Jonas Kauf­mann gebil­det hat­te.
Bec­zała reih­te sich damit ein in eine mehr als illus­tre Rei­he an berühm­ten Per­sön­lich­kei­ten, die im Ste­fa­ni­en­saal bis­her auf­ge­tre­ten sind. Ich selbst hat­te erst im Dezem­ber ver­gan­ge­nen Jah­res eben­dort die ita­lie­ni­sche Kolo­ra­tur-Mez­zo­so­pran Ceci­lia Bar­to­li erle­ben dür­fen. Der bei die­ser Gele­gen­heit auch gleich von Prä­si­den­tin Irm­gard Griss, der ehe­ma­li­gen Bun­des­prä­si­dent­schafts­kan­di­da­tin, und Inten­dant Micha­el Neme­th die Ehren­mit­glied­schaft im Musik­ver­ein ver­lie­hen wor­den war. Und auch im Jahr davor, dem Ste­fa­ni­en­saal-Jubi­lä­ums­jahr 2025, waren mit der rus­sisch-öster­rei­chi­schen Sopran Anna Netreb­ko und dem mexi­ka­nisch-fran­zö­si­schen Tenor Roland Vil­la­zón zwei berühm­te Per­sön­lich­kei­ten der zeit­ge­nös­si­schen Opern­sze­ne dort zu Gast gewe­sen. Ihnen bei­den hat­te ich, wie auch bei einer drit­ten Gele­gen­heit der ehe­ma­li­gen ukrai­ni­schen Chef­di­ri­gen­tin der Oper Graz Oksa­na Lyniv, 2025 haut­nah bei­woh­nen dür­fen. Ich ver­bin­de mit dem Ste­fa­ni­en­saal zudem zwei wei­te­re ganz beson­de­re per­sön­li­che Erin­ne­run­gen: das „inter­na­tio­na­le Berg- und Aben­teu­er­film­fes­ti­val Graz“ unter der Lei­tung von Robert Schau­er und heu­te mitt­ler­wei­le als „Moun­tain­film Graz“ bekannt, hat­te mich auf ande­re Art und Wei­se als die Lie­der­aben­de, im Jahr 2013 und 2014 geis­tig in höhe­re Sphä­ren ver­setzt. Das emo­tio­nals­te, weil ein­zig­ar­ti­ge Erleb­nis in mei­nem Leben war dort last but not least jedoch mein Matu­ra­ball am 6. Febru­ar 2004 gewe­sen. Bei dem ich sogar selbst im Rah­men der Mit­ter­nachts­ein­la­ge in eben­die­sem Ste­fa­ni­en­saal einen berühm­ten mitt­ler­wei­le ver­stor­be­nen Sän­ger ver­kör­pert hat­te: Karel Gott aus Tsche­chi­en, bekannt im deutsch­spra­chi­gen Raum vor allem durch das Titel­lied der Zei­chen­trick­se­rie „Die Bie­ne Maja“.
Von der Erin­ne­rung an die­se illus­tre musi­ka­li­sche Per­sön­lich­keit sla­wi­scher Mut­ter­spra­che von Tsche­chi­en wie­der zurück in die Gegen­wart zu einem zeit­ge­nös­si­schen Musi­ker eben­falls sla­wi­scher Mut­ter­spra­che, gebo­ren in einem Nach­bar­land von Tsche­chi­en, Polen: Piotr Bec­zała ehr­te am Abend des 21. Jän­ner 2026 beglei­tet am Kla­vier von Hel­mut Deutsch, sei­ne sla­wi­sche Her­kunft musi­ka­lisch ganz beson­ders: Auf dem Pro­gramm stan­den Wer­ke von den bei­den rus­si­schen Kom­po­nis­ten Piotr Tschai­kow­ski und Ser­gej Rach­ma­ni­now sowie eben­so von dem pol­ni­schen 19./20.-Jahrhundert-Jahrhundertwende-Komponisten Miec­zysław Karło­wicz. Abge­run­det wur­de das Pro­gramm mit Wer­ken von zwei Kom­po­nis­ten mit ger­ma­ni­schen Mut­ter­spra­chen, Robert Schu­mann aus Deutsch­land und Edvard Grieg aus Nor­we­gen. Alle fremd­spra­chi­gen Ori­gi­nal­tex­te wur­den dank der deut­schen Über­ti­tel vom Inhalt her ver­ständ­lich und auch sonst bot die­ser Abend im voll besetz­ten Ste­fa­ni­en­saal eine mehr als gelun­ge­ne Atmo­sphä­re vol­ler Eupho­rie und Hin­ga­be für die­se hoch­ka­rä­ti­ge und hoch­kul­tur­i­ge Musik. War ich eine Woche zuvor bei Jonas Kauf­mann noch ver­hin­dert gewe­sen, so war ich umso glück­li­cher, zumal ich ent­fern­te pol­ni­sche Ver­wand­te habe, die­sen ganz beson­de­ren Lie­der­abend erle­ben zu dür­fen.
Bei die­ser Gele­gen­heit kann man sich nur freu­en auf alles, was da – nach der über­wun­de­nen Coro­na-Kri­se hof­fent­lich bis auf Wei­te­res wie­der ohne Ein­schrän­kun­gen – in naher und fer­ner Zukunft noch kom­men mag, im Musik­ver­ein Graz! Auf bald!

 


Musik­ver­ein Graz

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