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WENN DIE WELT KOPF STEHT


Text und Fotos: Living Cul­tu­re
Das Lan­des­kli­ni­kum Mau­er bie­tet 2026 eine Rei­se über die Geschich­te der psy­chi­schen Krank­heit und psy­chi­schen Gesund­heit von der Ver­gan­gen­heit bis in die Gegen­wart.

„Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psy­che. Gesund­heit.“ So der Titel der heu­ri­gen Nie­der­ös­ter­rei­chi­schen Lan­des­aus­stel­lung in Amstet­ten-Mau­er von 28. März bis 8. Novem­ber. Sie fin­det direkt im Lan­des­kli­ni­kum Mau­er statt. Und das bei lau­fen­dem Betrieb. Dass zum ers­ten Mal über­haupt eine Lan­des­aus­stel­lung in Nie­der­ös­ter­reich in einem Kli­ni­kum für psy­chi­sche Gesund­heit rea­li­siert wird, stellt ein kla­res Bekennt­nis für Offen­heit und Respekt mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen dar. Denn das „Lan­des­kli­ni­kum Mau­er“ oder „Lan­des­kli­ni­kum Amstet­ten-Mau­er“ bezie­hungs­wei­se frü­her: „Lan­des­kli­ni­kum Mau­er-Öhling“ im Most­vier­tel nahe Amstet­ten, im Übri­gen Nie­der­ös­ter­reichs archi­tek­to­nisch bedeu­tends­tes Jugend­stil-Ensem­ble, steht seit über 120 Jah­ren als ein Zen­trum für see­li­sche und kör­per­li­che Gesund­heit für die wech­sel­haf­te Geschich­te des Umgangs mit psy­chisch Kran­ken und psy­chi­schen Krank­hei­ten in Nie­der­ös­ter­reich.

His­to­ri­scher Rück­blick

Zu Beginn des 20. Jahr­hun­derts, nach der Eröff­nung im Jahr 1902 zur Zeit der k.u.k.-Monarchie, galt die offe­ne Struk­tur mit zahl­rei­chen Pavil­lons auf einem weit­läu­fi­gen, grü­nen Are­al als revo­lu­tio­nä­res Kon­zept. Sie sorg­te für wesent­lich mehr Bewe­gungs­frei­heit der Pati­en­tIn­nen, als das bei­spiels­wei­se noch im knapp 120 Jah­re vor­her, wäh­rend der Barock­zeit von 1783 bis 1784 errich­te­ten Wie­ner Nar­ren­turm gege­ben gewe­sen war. Wäh­rend des Zwei­ten Welt­kriegs wur­de jedoch auch das heu­ti­ge Lan­des­kli­ni­kum Mau­er zum Schau­platz zahl­rei­cher Ver­bre­chen des Natio­nal­so­zia­lis­mus, wie Zwangs­ste­ri­li­sa­tio­nen und Kran­ken­mor­de. Die zwei­te Hälf­te des 20. Jahr­hun­derts sowie der Beginn des 21. Jahr­hun­derts wie­der­um mar­kier­ten eine erneu­te Wen­de hin zu einer respekt­vol­len und wür­de­vol­len Behand­lung der psy­chisch Kran­ken und psy­chi­schen Krank­hei­ten. Heu­te ist das Zen­trum für see­li­sche und kör­per­li­che Gesund­heit Lehr­kran­ken­haus der Medi­zi­ni­schen Uni­ver­si­tät Wien und beher­bergt neben einer akut­psych­ia­tri­schen Abtei­lung auch Ein­rich­tun­gen für Alko­hol­ent­wöh­nung, Dro­gen­ent­zug, foren­si­sche Psych­ia­trie, Psy­cho­so­ma­tik, Kin­der- und Jugend­psych­ia­trie, Sozio­the­ra­pie und Reha­bi­li­ta­ti­on. Außer­dem gibt es drei Neu­ro­lo­gi­sche Abtei­lun­gen mit einer Wach­ko­ma­sta­ti­on, eine inter­ne Ger­ia­trie und meh­re­re Pfle­ge­hei­me.
Sowohl die dunk­len als auch die hel­len Sei­ten die­ser wech­sel­vol­len Geschich­te behan­delt die Nie­der­ös­ter­rei­chi­sche Lan­des­aus­stel­lung. Aller­dings bei wei­tem nicht aus­schließ­lich am Bei­spiel des Lan­des­kli­ni­kums Mau­er.
Die Haupt­aus­stel­lung ist im Direk­ti­ons­ge­bäu­de, dem Haus 21, unter­ge­bracht und in ins­ge­samt vier gro­ße The­men­be­rei­che, auf­ge­teilt auf 2 Stock­wer­ke, geglie­dert:

Defi­ni­ti­on einer Psy­chi­schen Erkran­kung
Dia­gno­se
Krank­heit und Gesell­schaft
The­ra­pie

Dabei gibt es zahl­rei­che inter­ak­ti­ve Ele­men­te und inter­ak­ti­ve „Mit­mach­sta­tio­nen“. Es wer­den Bei­spie­le aus dem In- und Aus­land, von der Anti­ke bis zur Gegen­wart, gebracht. Eini­ge Expo­na­te betref­fen natür­lich auch das Lan­des­kli­ni­kum Mau­er selbst. Einen beson­de­ren Platz unter den Aus­stel­lungs­stü­cken neh­men genau­so, oft im Rah­men einer Krea­tiv­the­ra­pie ent­stan­de­ne, künst­le­ri­sche Arbei­ten von Pati­en­tIn­nen ein.

Fran­co Basa­glia

Und das von Fran­co Basa­glia in Tri­est initi­ier­te „Gesetz 180“, das am 13. Mai 1978 in Ita­li­en in Kraft trat und die weit­ge­hen­de Öff­nung psych­ia­tri­scher Anstal­ten in unse­rem süd­li­chen Nach­bar­land mar­kier­te, wird eben­so erwähnt. Genau­so wie die Ver­ar­bei­tung psy­chi­scher Erkran­kun­gen in der Film- und Kul­tur­sze­ne, bei­spiels­wei­se durch den Film­klas­si­ker „Einer flog über das Kuckucks­nest“.

Zen­tra­les The­ma der Aus­stel­lung ist der Umgang mit psy­chi­schen Erkran­kun­gen im Wan­del der Zeit: Inwie­weit hat sich die For­schung geän­dert bezie­hungs­wei­se die Erkennt­nis­se, das Wis­sen über psy­chi­sche Krank­hei­ten, der Umgang mit psy­chisch Kran­ken genau­so wie die Dia­gno­se- und The­ra­pie­mög­lich­kei­ten? Sucht­er­kran­kun­gen wie Alko­hol- und Dro­gen­miss­brauch genau­so wie Niko­tin­sucht wird umfas­send Raum gewid­met. Die heut­zu­ta­ge immer rele­van­ter wer­den­de Spiel­sucht wird jedoch nicht the­ma­ti­siert. Inter­es­sant ist der Zugang zur Han­dy­sucht, wobei erwähnt wird, dass sich die Dau­er der Nut­zung von Han­dys in den Han­dy-Ein­stel­lun­gen kon­trol­lie­ren bezie­hungs­wei­se ein­stel­len las­se. Und auch wenn die Haupt­aus­stel­lung bar­rie­re­frei zugäng­lich ist, sind die Aus­stel­lungs­räu­me etwas ver­win­kelt. Was viel­leicht auch bewusst so gewählt ist, um die Enge auch ein biss­chen spü­ren zu las­sen, die psych­ia­tri­sche Pati­en­tIn­nen vor allem in der Ver­gan­gen­heit, bei­spiels­wei­se im Wie­ner Nar­ren­turm oder auch in Netz­bet­ten, erlebt haben.

Gedenk­ort

Zu die­sem kura­tier­ten Haupt­teil der Aus­stel­lung, der nach dem 8. Novem­ber abge­baut wird, gesellt sich noch der „Lern­ort Haus 18“, wo die sich in Mau­er und Umge­bung zuge­tra­ge­nen NS-Ver­bre­chen dar­ge­stellt und auf­ge­ar­bei­tet wer­den. Die­ser Teil der Aus­stel­lung soll auch nach Aus­stel­lungs­en­de als Gedenk­ort erhal­ten blei­ben.  Zudem ist das gesam­te Are­al des Lan­des­kli­ni­kums Mau­er aus­drück­lich Teil der Lan­des­aus­stel­lung, ein­schließ­lich Auf­bah­rungs­hal­le und der Fried­hof. Füh­run­gen durch das Haus 21 wie durch das Haus 18 sowie ein spe­zi­el­les Kin­der­pro­gramm und auch Rah­men­pro­gramm mit Ver­an­stal­tun­gen in den umlie­gen­den Gemein­den run­den das Ange­bot ab. Vom weit­läu­fi­gen Aus­stel­lungs­park­platz bei­spiels­wei­se führt eine Foto­aus­stel­lung mit Land­schafts­bil­dern von Nie­der­ös­ter­reich hin zum Direk­ti­ons­ge­bäu­de Haus 21. Und es gibt vie­le Wan­der­ta­ge.

Buchung und Infor­ma­ti­on

NÖ Lan­des­aus­stel­lung 2026

Lan­des­kli­ni­kum Mau­er

Öff­nungs­zei­ten ab 28.3.2026

Mon­tag bis Sonn­tag, 9:00 — 18:00 Uhr

Kein Ruhe­tag

Letz­ter Ein­lass um 17:00 Uhr

+43 (0) 800 24 10 45

buchung@noe-landesausstellung.at

https://www.noe-landesausstellung.at/de/noelandesausstellung2026

 

Quel­len:

https://de.wikipedia.org/wiki/Landesklinikum_Mauer

https://mauer.lknoe.at/landesklinikum-mauer/das-landesklinikum-mauer

https://www.noe-landesausstellung.at/de/noelandesausstellung2026