WENN DIE WELT KOPF STEHT
Text und Fotos: Living Culture
„Wenn die Welt Kopf steht – Mensch. Psyche. Gesundheit.“ So der Titel der heurigen Niederösterreichischen Landesausstellung in Amstetten-Mauer von 28. März bis 8. November. Sie findet direkt im Landesklinikum Mauer statt. Und das bei laufendem Betrieb. Dass zum ersten Mal überhaupt eine Landesausstellung in Niederösterreich in einem Klinikum für psychische Gesundheit realisiert wird, stellt ein klares Bekenntnis für Offenheit und Respekt mit psychischen Erkrankungen dar. Denn das „Landesklinikum Mauer“ oder „Landesklinikum Amstetten-Mauer“ beziehungsweise früher: „Landesklinikum Mauer-Öhling“ im Mostviertel nahe Amstetten, im Übrigen Niederösterreichs architektonisch bedeutendstes Jugendstil-Ensemble, steht seit über 120 Jahren als ein Zentrum für seelische und körperliche Gesundheit für die wechselhafte Geschichte des Umgangs mit psychisch Kranken und psychischen Krankheiten in Niederösterreich.
Historischer Rückblick
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts, nach der Eröffnung im Jahr 1902 zur Zeit der k.u.k.-Monarchie, galt die offene Struktur mit zahlreichen Pavillons auf einem weitläufigen, grünen Areal als revolutionäres Konzept. Sie sorgte für wesentlich mehr Bewegungsfreiheit der PatientInnen, als das beispielsweise noch im knapp 120 Jahre vorher, während der Barockzeit von 1783 bis 1784 errichteten Wiener Narrenturm gegeben gewesen war. Während des Zweiten Weltkriegs wurde jedoch auch das heutige Landesklinikum Mauer zum Schauplatz zahlreicher Verbrechen des Nationalsozialismus, wie Zwangssterilisationen und Krankenmorde. Die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie der Beginn des 21. Jahrhunderts wiederum markierten eine erneute Wende hin zu einer respektvollen und würdevollen Behandlung der psychisch Kranken und psychischen Krankheiten. Heute ist das Zentrum für seelische und körperliche Gesundheit Lehrkrankenhaus der Medizinischen Universität Wien und beherbergt neben einer akutpsychiatrischen Abteilung auch Einrichtungen für Alkoholentwöhnung, Drogenentzug, forensische Psychiatrie, Psychosomatik, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Soziotherapie und Rehabilitation. Außerdem gibt es drei Neurologische Abteilungen mit einer Wachkomastation, eine interne Geriatrie und mehrere Pflegeheime.
Sowohl die dunklen als auch die hellen Seiten dieser wechselvollen Geschichte behandelt die Niederösterreichische Landesausstellung. Allerdings bei weitem nicht ausschließlich am Beispiel des Landesklinikums Mauer.
Die Hauptausstellung ist im Direktionsgebäude, dem Haus 21, untergebracht und in insgesamt vier große Themenbereiche, aufgeteilt auf 2 Stockwerke, gegliedert:
Definition einer Psychischen Erkrankung
Diagnose
Krankheit und Gesellschaft
Therapie
Dabei gibt es zahlreiche interaktive Elemente und interaktive „Mitmachstationen“. Es werden Beispiele aus dem In- und Ausland, von der Antike bis zur Gegenwart, gebracht. Einige Exponate betreffen natürlich auch das Landesklinikum Mauer selbst. Einen besonderen Platz unter den Ausstellungsstücken nehmen genauso, oft im Rahmen einer Kreativtherapie entstandene, künstlerische Arbeiten von PatientInnen ein.
Franco Basaglia
Und das von Franco Basaglia in Triest initiierte „Gesetz 180“, das am 13. Mai 1978 in Italien in Kraft trat und die weitgehende Öffnung psychiatrischer Anstalten in unserem südlichen Nachbarland markierte, wird ebenso erwähnt. Genauso wie die Verarbeitung psychischer Erkrankungen in der Film- und Kulturszene, beispielsweise durch den Filmklassiker „Einer flog über das Kuckucksnest“.
Zentrales Thema der Ausstellung ist der Umgang mit psychischen Erkrankungen im Wandel der Zeit: Inwieweit hat sich die Forschung geändert beziehungsweise die Erkenntnisse, das Wissen über psychische Krankheiten, der Umgang mit psychisch Kranken genauso wie die Diagnose- und Therapiemöglichkeiten? Suchterkrankungen wie Alkohol- und Drogenmissbrauch genauso wie Nikotinsucht wird umfassend Raum gewidmet. Die heutzutage immer relevanter werdende Spielsucht wird jedoch nicht thematisiert. Interessant ist der Zugang zur Handysucht, wobei erwähnt wird, dass sich die Dauer der Nutzung von Handys in den Handy-Einstellungen kontrollieren beziehungsweise einstellen lasse. Und auch wenn die Hauptausstellung barrierefrei zugänglich ist, sind die Ausstellungsräume etwas verwinkelt. Was vielleicht auch bewusst so gewählt ist, um die Enge auch ein bisschen spüren zu lassen, die psychiatrische PatientInnen vor allem in der Vergangenheit, beispielsweise im Wiener Narrenturm oder auch in Netzbetten, erlebt haben.
Gedenkort
Zu diesem kuratierten Hauptteil der Ausstellung, der nach dem 8. November abgebaut wird, gesellt sich noch der „Lernort Haus 18“, wo die sich in Mauer und Umgebung zugetragenen NS-Verbrechen dargestellt und aufgearbeitet werden. Dieser Teil der Ausstellung soll auch nach Ausstellungsende als Gedenkort erhalten bleiben. Zudem ist das gesamte Areal des Landesklinikums Mauer ausdrücklich Teil der Landesausstellung, einschließlich Aufbahrungshalle und der Friedhof. Führungen durch das Haus 21 wie durch das Haus 18 sowie ein spezielles Kinderprogramm und auch Rahmenprogramm mit Veranstaltungen in den umliegenden Gemeinden runden das Angebot ab. Vom weitläufigen Ausstellungsparkplatz beispielsweise führt eine Fotoausstellung mit Landschaftsbildern von Niederösterreich hin zum Direktionsgebäude Haus 21. Und es gibt viele Wandertage.
Buchung und Information
NÖ Landesausstellung 2026
Landesklinikum Mauer
Öffnungszeiten ab 28.3.2026
Montag bis Sonntag, 9:00 — 18:00 Uhr
Kein Ruhetag
Letzter Einlass um 17:00 Uhr
+43 (0) 800 24 10 45
buchung@noe-landesausstellung.at
https://www.noe-landesausstellung.at/de/noelandesausstellung2026
Quellen:
https://de.wikipedia.org/wiki/Landesklinikum_Mauer
https://mauer.lknoe.at/landesklinikum-mauer/das-landesklinikum-mauer
https://www.noe-landesausstellung.at/de/noelandesausstellung2026