Der Rosenkavalier — 4 Stunden exzellente Richard-Strauss-Oper
Text: Lukas Wogrolly / Living Culture; Fotos: Ingo Pertramer, Herwig Prammer, Marija Kanizaj
Vorhang auf! Wilfried Zelinka, Neira Muhić, Ausschnitt aus „Der Rosenkavalier“
Wilfried Zelinka, Tetiana Miyus, Neira Muhic, Arthur Haas, Anna Brull, Chor und Statisterie der Oper Graz
Marijana Nikolic, Iurie Ciobanu, Wilfried Zelinka, Will Frost, Arthur Haas, Chor und Statisterie der Oper Graz
Arthur Haas, Anna Brull, Wilfried Zelinka, Sarah Kreuz, Statisterie der Oper Graz
Der Rosenkavalier, Sideshot, Wilfried Zelinka
Vorhang auf! Wilfried Zelinka, Neira Muhić, Ausschnitt aus „Der Rosenkavalier“
Der Rosenkavalier, Anna Brull und Wilfried Zelinka
Wilfried Zelinka, Tetiana Miyus, Neira Muhic, Arthur Haas, Anna Brull, Chor und Statisterie der Oper Graz
Wilfried Zelinka, Tetiana Miyus, Anna Brull, Chor der Oper Graz
Tetiana Miyus, Anna Brull, Chor und Statisterie der Oper Graz
Sarah Kreuz, Anna Brull, Wilfried Zelinka, Chor und Statisterie der Oper Graz
Polina Pastirchak
Neira Muhic, Wilfried Zelinka, Chor und Statisterie der Oper Graz
Neira Muhic, Anna Brull, Arthur Haas, Tetiana Miyus, Chor der Oper Graz
Martin Fournier, Neira Muhic, Anna Brull, Tetiana Miyus
Markus Butter, Wilfried Zelinka, Statisterie der Oper Graz
Markus Butter, Wilfried Zelinka, Statisterie der Oper Graz
Marijana Nikolic, Iurie Ciobanu, Wilfried Zelinka, Will Frost, Arthur Haas, Chor und Statisterie der Oper Graz
Dirigent Vassilis Christopoulos
Arthur Haas, Wilfried Zelinka, Polina Pastirchak, Chor der Oper Graz
Arthur Haas, Wilfried Zelinka
Arthur Haas, Anna Brull, Wilfried Zelinka, Sarah Kreuz, Statisterie der Oper Graz
Anna Brull, Tetiana Miyus
Anna Brull, Polina Pastirchak
Anna Brull, Polina Pastirchak
Anna Brull
Natürlich ist Emanuel Schikaneder als Librettist von Wolfgang Amadeus Mozart ein Begriff. Und dennoch, bei den meisten Opern bleibt im Gedächtnis lediglich der Komponist, und nicht unbedingt auch derjenige, der die Handlung dazu geschrieben hat. Eine Ausnahme hierfür neben Schikaneder, ist zweifelsohne der Wiener Autor Hugo von Hofmannsthal. Sein bedeutendstes Werk wird alljährlich am Domplatz der Mozartstadt aufgeführt: der berühmte Jedermann.
Denn Hugo von Hofmannsthal war auch Librettist des bayrischen Strauss, Richard Strauss, unter anderem für dessen zirka vierstündige Oper „Der Rosenkavalier“. Genau dieses Werk, wo Musik wie Handlung und Text von gleichermaßen bedeutenden Persönlichkeiten gestaltet wurden, wird nun zeitgenössisch-zeitlos inszeniert an der Oper Graz von Philipp M. Krenn. Dank je einer Pause zwischen 1. und 2. sowie 2. und 3. Akt beträgt die Brutto-Spielzeit zwar knapp viereinhalb Stunden, die Netto-Spielzeit bleibt aber unter vier Stunden, in etwa drei Stunden fünfundvierzig Minuten. Opulent gestaltet sind vor allem der jeweils über einstündige erste und dritte Akt. Der zweite Akt ist mit einer knappen Stunde etwas kürzer.
Bei der Inszenierung zeigt sich eine gewisse Parallele zwischen Hugo von Hofmannsthal und Richard Strauss sowie Regisseur Philipp M. Krenn: Denn: auch wenn die Handlung im Wien zur Zeit des Rokokos und Maria Theresias, um 1740, spielt, spiegeln die Handlung von Hugo von Hofmannsthal und die Musik von Richard Strauss die Situation im damaligen Wien um 1910 wider. Beispielsweise durch die an die Wiener Strauss-Familie angelehnten Walzerklänge. Und genauso bringt der Regisseur das im 18. Jahrhundert während Maria Theresia angesiedelte und am Beginn des 20. Jahrhunderts entstandene Werk nun in die Gegenwart des 21. Jahrhunderts: dabei bedient er sich einer Drehbühne, die für viele lustige und dynamische Effekte sorgt; Videokamera, Mikrofone und Society-Reporter sind immer wiederkehrende, zentrale Elemente der Inszenierung. Und einzelne Filmszenen werden sogar auf die Bühne projiziert, die dadurch auch immer wieder als Leinwand fungiert. Teilweise sind das eingespielte Sequenzen, zum Teil ist es aber auch das Live-Bild der Videokamera. Last but not least sind auch die Kleidungsstücke zum Teil modern und zum Teil historisch nachempfunden. So lässt sich zweifelsohne sagen, dass in diesem Stück die zeitlichen Ebenen nahezu verschwimmen, denn irgendwie hat man als Betrachter immer das Gefühl, in mehreren Jahrhunderten gleichzeitig zu sein. Ein Stoff, der allzeit Gültigkeit hat, so verschieden die Jahrhunderte beziehungsweise Zeiten denn nun auch sein mögen. Fast wie ein Science-Fiction-Roman aus der Vergangenheit, der sich auf die Zukunft bezieht. Zeitlosigkeit einmal anders.
Mit Polina Pastirchak als Feldmarschallin Fürstin Werdenberg und Tetiana Miyus als Sophie sind die zentralen Frauenrollen mit zwei Gästinnen besetzt, für Tetiana Miyus ist es eine Rückkehr an die Oper Graz. Und auch Sofia Vinnik in ihrer Hosenrolle als Titelheld Rosenkavalier Octavian überzeugt wie die anderen beiden genannten Damen, und das trotz einer Verkühlung, auf die zu Beginn der Vorstellung am 17. Mai explizit hingewiesen wurde. Von den ständigen Ensemblemitgliedern der Oper Graz bestechen Wilfried Zelinka in der männlichen Hauptrolle als Baron Ochs auf Lerchenau, und auch Corina Koller in der weiblichen Nebenrolle der Jungfer Marianne Leitmetzerin. Um nur einige der unzähligen Mitwirkenden zu nennen.
Was soll man sonst noch sagen: Natürlich braucht man, trotz der zwei Pausen, für so eine lange Oper ein gewisses Sitzfleisch und ein bisschen Ausdauer. Aber es lohnt sich zweifelsohne, denn sowohl Inszenierung beziehungsweise Regie als auch Darstellende sind herausragend. Nicht zuletzt auch wurde dieses Monumentalwerk, angesiedelt im schönen Wien Maria Theresias, von zwei ganz berühmten Persönlichkeiten geschaffen: die Musik vom einzigen nicht österreichischen berühmten Komponisten mit dem Nachnamen Strauss, nämlich dem Bayern Richard Strauss. Und der Text beziehungsweise die Handlung vom Wiener Jedermann-Autor Hugo von Hofmannsthal. “Der Rosenkavalier” erlebte schon nach seiner Uraufführung in Dresden 1911 großen Zuspruch. Nun, im Mai 2026, ist es nicht viel anders in Graz und das vielleicht ja auch gerade wegen der Überlänge.