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Der Rosen­ka­va­lier — 4 Stun­den exzel­len­te Richard-Strauss-Oper


Text: Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re; Fotos: Ingo Per­tra­mer, Her­wig Pram­mer, Mari­ja Kani­zaj
Viel Sitz­fleisch braucht man für die­ses exzel­lent insze­nier­te Monu­men­tal­werk des bun­des­deut­schen Strauss.

Natür­lich ist Ema­nu­el Schi­ka­ne­der als Libret­tist von Wolf­gang Ama­de­us Mozart ein Begriff. Und den­noch, bei den meis­ten Opern bleibt im Gedächt­nis ledig­lich der Kom­po­nist, und nicht unbe­dingt auch der­je­ni­ge, der die Hand­lung dazu geschrie­ben hat. Eine Aus­nah­me hier­für neben Schi­ka­ne­der, ist zwei­fels­oh­ne der Wie­ner Autor Hugo von Hof­manns­thal. Sein bedeu­tends­tes Werk wird all­jähr­lich am Dom­platz der Mozart­stadt auf­ge­führt: der berühm­te Jeder­mann.
Denn Hugo von Hof­manns­thal war auch Libret­tist des bay­ri­schen Strauss, Richard Strauss, unter ande­rem für des­sen zir­ka vier­stün­di­ge Oper „Der Rosen­ka­va­lier“. Genau die­ses Werk, wo Musik wie Hand­lung und Text von glei­cher­ma­ßen bedeu­ten­den Per­sön­lich­kei­ten gestal­tet wur­den, wird nun zeit­ge­nös­sisch-zeit­los insze­niert an der Oper Graz von Phil­ipp M. Krenn. Dank je einer Pau­se zwi­schen 1. und 2. sowie 2. und 3. Akt beträgt die Brut­to-Spiel­zeit zwar knapp vier­ein­halb Stun­den, die Net­to-Spiel­zeit bleibt aber unter vier Stun­den, in etwa drei Stun­den fünf­und­vier­zig Minu­ten. Opu­lent gestal­tet sind vor allem der jeweils über ein­stün­di­ge ers­te und drit­te Akt. Der zwei­te Akt ist mit einer knap­pen Stun­de etwas kür­zer.
Bei der Insze­nie­rung zeigt sich eine gewis­se Par­al­le­le zwi­schen Hugo von Hof­manns­thal und Richard Strauss sowie Regis­seur Phil­ipp M. Krenn: Denn: auch wenn die Hand­lung im Wien zur Zeit des Roko­kos und Maria The­re­si­as, um 1740, spielt, spie­geln die Hand­lung von Hugo von Hof­manns­thal und die Musik von Richard Strauss die Situa­ti­on im dama­li­gen Wien um 1910 wider. Bei­spiels­wei­se durch die an die Wie­ner Strauss-Fami­lie ange­lehn­ten Wal­zer­klän­ge. Und genau­so bringt der Regis­seur das im 18. Jahr­hun­dert wäh­rend Maria The­re­sia ange­sie­del­te und am Beginn des 20. Jahr­hun­derts ent­stan­de­ne Werk nun in die Gegen­wart des 21. Jahr­hun­derts: dabei bedient er sich einer Dreh­büh­ne, die für vie­le lus­ti­ge und dyna­mi­sche Effek­te sorgt; Video­ka­me­ra, Mikro­fo­ne und Socie­ty-Repor­ter sind immer wie­der­keh­ren­de, zen­tra­le Ele­men­te der Insze­nie­rung. Und ein­zel­ne Film­sze­nen wer­den sogar auf die Büh­ne pro­ji­ziert, die dadurch auch immer wie­der als Lein­wand fun­giert. Teil­wei­se sind das ein­ge­spiel­te Sequen­zen, zum Teil ist es aber auch das Live-Bild der Video­ka­me­ra. Last but not least sind auch die Klei­dungs­stü­cke zum Teil modern und zum Teil his­to­risch nach­emp­fun­den. So lässt sich zwei­fels­oh­ne sagen, dass in die­sem Stück die zeit­li­chen Ebe­nen nahe­zu ver­schwim­men, denn irgend­wie hat man als Betrach­ter immer das Gefühl, in meh­re­ren Jahr­hun­der­ten gleich­zei­tig zu sein. Ein Stoff, der all­zeit Gül­tig­keit hat, so ver­schie­den die Jahr­hun­der­te bezie­hungs­wei­se Zei­ten denn nun auch sein mögen. Fast wie ein Sci­ence-Fic­tion-Roman aus der Ver­gan­gen­heit, der sich auf die Zukunft bezieht. Zeit­lo­sig­keit ein­mal anders.
Mit Poli­na Pas­tirch­ak als Feld­mar­schal­lin Fürs­tin Wer­den­berg und Tetia­na Miy­us als Sophie sind die zen­tra­len Frau­en­rol­len mit zwei Gäs­tin­nen besetzt, für Tetia­na Miy­us ist es eine Rück­kehr an die Oper Graz. Und auch Sofia Vin­nik in ihrer Hosen­rol­le als Titel­held Rosen­ka­va­lier Octa­vi­an über­zeugt wie die ande­ren bei­den genann­ten Damen, und das trotz einer Ver­küh­lung, auf die zu Beginn der Vor­stel­lung am 17. Mai expli­zit hin­ge­wie­sen wur­de. Von den stän­di­gen Ensem­ble­mit­glie­dern der Oper Graz bestechen Wil­fried Zelin­ka in der männ­li­chen Haupt­rol­le als Baron Ochs auf Ler­chen­au, und auch Cori­na Kol­ler in der weib­li­chen Neben­rol­le der Jung­fer Mari­an­ne Leit­met­ze­rin. Um nur eini­ge der unzäh­li­gen Mit­wir­ken­den zu nen­nen.
Was soll man sonst noch sagen: Natür­lich braucht man, trotz der zwei Pau­sen, für so eine lan­ge Oper ein gewis­ses Sitz­fleisch und ein biss­chen Aus­dau­er. Aber es lohnt sich zwei­fels­oh­ne, denn sowohl Insze­nie­rung bezie­hungs­wei­se Regie als auch Dar­stel­len­de sind her­aus­ra­gend. Nicht zuletzt auch wur­de die­ses Monu­men­tal­werk, ange­sie­delt im schö­nen Wien Maria The­re­si­as, von zwei ganz berühm­ten Per­sön­lich­kei­ten geschaf­fen: die Musik vom ein­zi­gen nicht öster­rei­chi­schen berühm­ten Kom­po­nis­ten mit dem Nach­na­men Strauss, näm­lich dem Bay­ern Richard Strauss. Und der Text bezie­hungs­wei­se die Hand­lung vom Wie­ner Jeder­mann-Autor Hugo von Hof­manns­thal.  “Der Rosen­ka­va­lier” erleb­te schon nach sei­ner Urauf­füh­rung in Dres­den 1911 gro­ßen Zuspruch. Nun, im Mai 2026, ist es nicht viel anders in Graz und das viel­leicht ja auch gera­de wegen der Über­län­ge.



  • Chor der Oper Graz
  • Sta­tis­te­rie der Oper Graz
  • Sing­schul’ der Oper Graz

Vor­stel­lun­gen

Do. 21.05.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
Do. 28.05.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
So. 31.05.2026 15:00 bis ca. 19:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
Nach­klangSonn­tag, 31. Mai, 19.15 Uhr, Café Stolz
Mi. 03.06.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
Mi. 10.06.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 7 bis € 83 TicketsOper Graz Logo
Sa. 13.06.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
€ 8 bis € 89 TicketsOper Graz Logo
Fr. 19.06.2026 17:30 bis ca. 21:45 Opern­haus Haupt­büh­ne
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Zum letz­ten Mal Fr. 26.06.2026 18:00 bis ca. 22:15 Opern­haus Haupt­büh­ne
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