“Servus. Grüezi. Hallo.” Das Opernhaus zum Bersten voll.
Text und Fotos: Lukas Wogrolly / Living Culture
Am Abend des 8. Juni war das Grazer Opernhaus einmal mehr zum Bersten voll. Und das völlig zurecht. Die Darbietung war furios. Doch dazu später mehr. Denn es ist ein bisschen schade, dass die Lüftung des Großen Saales nicht ganz zur vollsten Zufriedenheit erfolgte. Das Belüftungssystem zu verbessern, insbesondere bei zirka 25 Grad im Freien und einem vollbesetzten Großen Saal, wäre definitiv eine Anregung für die Zukunft.
Die Belüftung war der einzige Wermutstropfen demgegenüber, was denn da Furioses dargeboten wurde auf der Bühne: Ein Gastspiel einer Dreier-Gesprächsrunde, die mich ein bisschen an den Grand Prix der Volksmusik aus meiner Kindheit erinnerte. Dieses Format wurde während der gesamten 1990er-Jahre, im Gegensatz zu so gut wie allen anderen Shows, nicht von einer einzigen Person, sondern von gleich 3 Personen moderiert, von denen jeweils eine aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kam. Und auf der Grazer Opernbühne hatte nun ebenso je eine Person aus einem der drei großen deutschsprachigen Länder Platz genommen. Feministinnen und Feministen mögen bekritteln, dass beim Grand Prix der Volksmusik wenigstens eine Frau (aus Deutschland in diesem Fall, um genau zu sein) mitmoderierte mit zwei Männern, während hier es eine reine Männerrunde war.
Doch nun zu den Höhepunkten: Was die drei Redakteure der deutschen Wochenzeitung DIE ZEIT in ihrem Podcast „Servus. Grüezi. Hallo.“ zum Besten gaben, war wahrhaft satirisches Kabarett vom Feinsten. Matthias Daum aus der Schweiz, Florian Gasser aus Innsbruck und Lenz Jacobsen aus Berlin diskutierten auf humorvolle Art und Weise zunächst über Politik und dann eigentlich nur mehr übers Wohnen. Ganz zu Beginn verblüffte jedoch Lenz Jacobsen mit einer Anspielung auf die vor der Tür stehende Fußball-WM: Er hatte das brandneue Auswärtstrikot der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft an und witzelte über das seltsame Muster, das dem Muster der Wiener Kaffeehaustische, als Hommage an die weltberühmte Wiener Kaffeehaustradition, nachempfunden war.
Dann widmete sich das Trio, passend zur bevorstehenden Grazer Gemeinderatswahl am 28. Juni, dem Thema „Graz als Kommunistische Hochburg“. Denn der Wahlsieg der KPÖ bei der letzten Gemeinderatswahl 2021 hatte international für Aufsehen gesorgt und Graz weit über die Grenzen Europas hinaus in die Schlagzeilen gebracht.
Und passend dazu, denn immerhin ist ja das zentrale Thema der KPÖ in Graz das leistbare Wohnen, standen nach dem rein politischen Anfangsdrittel die letzten beiden Drittel des Podcasts ganz im Zeichen der Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen den drei Ländern hinsichtlich Wohnen allgemein. Da ging es um Stereotype, aber auch um echte objektive Besonderheiten, was auch wieder Politisches beinhaltete. Denn Hausherr und Gastgeber Florian Gasser ließ es sich nicht nehmen, dem Publikum und den anderen beiden Kollegen aus den Nachbarländern ein kurzes Referat über den Sozialen Wohnbau in Wien zu halten.
Nichtsdestotrotz, abgesehen von der stehenden Luft und der mangelnden Frauenpräsenz auf der Bühne ein durch und durch professionell gestalteter, kabarettistisch anmutender Abend.
Denn fernab aller Klischees und Stereotype und Unterschiede gibt es doch noch so viele Gemeinsamkeiten, dass es zu dritt möglich ist, mit abendfüllender Unterhaltung den Großen Saal im Grazer Opernhaus zu füllen, sodass er zum Bersten voll ist. Und das will ja auch schon mal was heißen. Chapeau!