schließen

Ser­vus. Grüezi. Hal­lo. Das Opern­haus zum Bers­ten voll.


Text und Fotos: Lukas Wogrol­ly / Living Cul­tu­re
3 Jour­na­lis­ten aus 3 Län­dern füll­ten mit einem Pod­cast von DIE ZEIT die Gra­zer Oper und sorg­ten für ein­ein­halb Stun­den bes­te Unter­hal­tung.

Am Abend des 8. Juni war das Gra­zer Opern­haus ein­mal mehr zum Bers­ten voll. Und das völ­lig zurecht. Denn das Dar­ge­bo­te­ne war furi­os. Doch dazu spä­ter mehr. Denn es ist ein biss­chen scha­de, dass die Lüf­tung des Gro­ßen Saa­les nicht ganz zur volls­ten Zufrie­den­heit erfolg­te. Nach zir­ka einer Stun­de nahm bei mir auf­grund man­geln­der Frisch­luft die Müdig­keit Ober­hand und ich schaff­te es nicht mehr, dem Dar­ge­bo­te­nen zu 100% zu fol­gen. So inter­es­sant es nun auch war. Dem­entspre­chend sah ich mich in mei­ner Auf­fas­sung bestä­tigt, als ich im Anschluss, nach gut 90 Minu­ten wie­der an der fri­schen Luft, eine im Vor­bei­ge­hen auf­ge­schnapp­te Mei­nung zu 100% teil­te. Die da lau­te­te: Es gäbe in der Oper Graz Sau­er­stoff­man­gel. Das Belüf­tungs­sys­tem zu ver­bes­sern, ins­be­son­de­re bei zir­ka 25 Grad im Frei­en und einem voll­be­setz­ten Gro­ßen Saal, wäre defi­ni­tiv eine Anre­gung für die Zukunft. Mei­ner Mei­nung nach.
Denn genau die­se feh­len­de Belüf­tung stell­te für mich per­sön­lich ein biss­chen in den Schat­ten, was denn da Inter­es­san­tes dar­ge­bo­ten wur­de auf der Büh­ne. Es war ein Gast­spiel einer Drei­er-Gesprächs­run­de, die mich ein biss­chen an den Grand Prix der Volks­mu­sik aus mei­ner Kind­heit erin­ner­te. Denn die­se Sen­dung wur­de wäh­rend der gesam­ten 1990er-Jah­re, im Gegen­satz zu so gut wie allen ande­ren Shows, nicht von einer ein­zi­gen Per­son, son­dern von gleich 3 Per­so­nen mode­riert, von denen jeweils eine aus Deutsch­land, Öster­reich und der Schweiz kam. Und hier auf der Gra­zer Opern­büh­ne hat­te nun eben­so je 1 Per­son aus einem der drei gro­ßen deutsch­spra­chi­gen Län­der Platz genom­men. Femi­nis­tin­nen und Femi­nis­ten mögen bekrit­teln, dass beim Grand Prix der Volks­mu­sik wenigs­tens 1 Frau (aus Deutsch­land in die­sem Fall, um genau zu sein) mit­mo­de­rier­te mit zwei Män­nern, wäh­rend hier es eine rei­ne Män­ner­run­de war.
Doch nun genug der nega­ti­ven Punk­te: Was die drei Redak­teu­re der deut­schen Wochen­zei­tung DIE ZEIT in ihrem Pod­cast „Ser­vus. Grüezi. Hal­lo“ zum Bes­ten gaben, war wirk­lich lus­tig-sati­ri­sches Kaba­rett. Mat­thi­as Daum aus der Schweiz, Flo­ri­an Gas­ser aus Inns­bruck und Lenz Jacob­sen aus Ber­lin dis­ku­tier­ten auf humor­vol­le Art und Wei­se zunächst über Poli­tik und dann eigent­lich nur mehr über Woh­nen. Ganz zu Beginn ver­blüff­te jedoch Lenz Jacob­sen mit einer Anspie­lung auf die vor der Tür ste­hen­de Fuß­ball-WM: Er hat­te das brand­neue Aus­wärts­tri­kot der öster­rei­chi­schen Fuß­ball-Natio­nal­mann­schaft ange­zo­gen und wit­zel­te über das selt­sa­me Mus­ter, das dem Mus­ter der Wie­ner Kaf­fee­haus­ti­sche, als Hom­mage an die welt­be­rühm­te Wie­ner Kaf­fee­haus­tra­di­ti­on, nach­emp­fun­den war.
Dann wid­me­te sich das Trio, pas­send zur bevor­ste­hen­den Gra­zer Gemein­de­rats­wahl am 28. Juni, dem The­ma „Graz als Kom­mu­nis­ti­sche Hoch­burg“. Denn der Wahl­sieg der KPÖ bei der letz­ten Gemein­de­rats­wahl 2021 hat­te inter­na­tio­nal für Auf­se­hen gesorgt und Graz weit über die Gren­zen Euro­pas hin­aus in die Schlag­zei­len gebracht.
Und pas­send dazu, denn immer­hin ist ja das zen­tra­le The­ma der KPÖ in Graz das leist­ba­re Woh­nen, stan­den nach dem rein poli­ti­schen Anfangs­drit­tel dann die letz­ten bei­den Drit­tel des Pod­casts ganz im Zei­chen der Unter­schie­de und Gemein­sam­kei­ten zwi­schen den drei Län­dern hin­sicht­lich Behau­sun­gen und Woh­nen all­ge­mein. Da ging es um Ste­reo­ty­pe, aber auch um ech­te objek­ti­ve Beson­der­hei­ten, was auch wie­der Poli­ti­sches beinhal­te­te. Denn Haus­herr und Gast­ge­ber Flo­ri­an Gas­ser ließ es sich nicht neh­men, dem Publi­kum und den ande­ren bei­den Kol­le­gen aus den Nach­bar­län­dern ein kur­zes Refe­rat über den Sozia­len Wohn­bau in Wien zu hal­ten. Da wur­de dann kurz ein­mal auch das Wit­zeln ein­ge­stellt und das The­ma war tod­ernst.
Nichts­des­to­trotz, abge­se­hen von der ste­hen­den Luft und dem Feh­len einer Frau auf der Büh­ne ein durch und durch pro­fes­sio­nell gestal­te­ter, kaba­ret­tis­tisch anmu­ten­der Abend. Letzt­end­lich ver­eint (oder trennt) Deutsch­land, Öster­reich und die Schweiz viel­leicht nicht nur die gemein­sa­me Spra­che, son­dern auch die Art, Wit­ze zu machen, Unter­hal­tung zu gestal­ten oder auch ein­fach zu woh­nen.
Denn fern­ab aller Kli­schees und Ste­reo­ty­pe und Unter­schie­de gibt es offen­bar doch noch so vie­le Gemein­sam­kei­ten, dass es zu dritt mög­lich ist, mit abend­fül­len­der Unter­hal­tung den Gro­ßen Saal im Gra­zer Opern­haus zu fül­len, sodass er zum Bers­ten voll ist. Und das will ja auch schon mal was hei­ßen. Cha­peau!