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„GUTE NÄHE — MIT ABSTAND“ — CORONA IN WIEN


Text: Lukas Wogrol­ly; Fotos: Living Cul­tu­re
Living Cul­tu­re ist auch in Zei­ten der Coro­na-Kri­se aktiv. Und ver­sorgt Sie, lie­be Lese­rin­nen und Leser, mit lau­fend neu­en Bei­trä­gen unter der Devi­se „gren­zen­los online“.

Wir haben für Sie jene Orte in der öster­rei­chi­schen Bun­des­haupt­stadt auf­ge­sucht, wo man am bes­ten auf Abstand sein kann: Die bei­den groß­zü­gi­gen Grün­oa­sen im Wes­ten bezie­hungs­wei­se Osten Wiens, zwi­schen wel­chen sich nahe­zu das gesam­te Stadt­ge­biet erstreckt. Im Wes­ten der zum Wie­ner­wald gehö­ren­de 24 Hekt­ar gro­ße Lain­zer Tier­gar­ten, im Osten die 22 ha umfas­sen­de und zum Natio­nal­park Donau-Auen gehö­ren­de Fluss­land­schaft Lobau — die größ­ten zusam­men­hän­gen­den Naturarea­le, die zum größ­ten Teil noch inner­halb der Stadt­gren­zen lie­gen. Nir­gend­wo inner­halb Wiens fin­det der Mensch so viel Platz zum Wan­dern. Was bei­de Gebie­te gemein­sam haben, ist neben der Grö­ße und Weit­läu­fig­keit auch die Beschaf­fen­heit der — zu einem gro­ßen Teil — Schot­ter­we­ge. Ein wesent­li­cher Unter­schied: Der Lain­zer Tier­gar­ten ist — als Are­al von frei­lau­fen­dem Wild — ummau­ert und dort sind weder Fahr­rä­der noch Hun­de erlaubt. In der Lobau ist bei­des erlaubt und auch höchst will­kom­men. Es gibt auch kei­ne Umgren­zun­gen. Im Lain­zer Tier­gar­ten gäbe es auch gar nicht so viel zum Radeln; als öst­li­cher Teil des Wie­ner­wal­des ist er hüge­lig mit kaum ebe­nen Flä­chen. In Zei­ten von Aus­gangs­sper­re und Abstand­hal­ten geben wir die Emp­feh­lung aus, genau dort­hin zu gehen, wo sich die Besucher/innen am bes­ten ver­tei­len.

Wir star­ten im Lain­zer Tier­gar­ten: Ein früh­lings­haf­ter, nahe­zu som­mer­li­cher Tag mit fast 20 Grad plus. Und das Anfang April, in der Kar­wo­che. Vom Niko­lai­tor am nord­öst­li­chen Rand des Lain­zer Tier­gar­tens, nicht weit vom Bahn­hof Hüt­tel­dorf und dem Beginn der West­au­to­bahn A1 in Wien-Auhof führt der Weg zunächst berg­auf vor­bei an einem der ältes­ten Sakral­bau­ten Wiens. Die dem hei­li­gen Eusta­chi­us geweih­te schlich­te Niko­lai­ka­pel­le wur­de nach dem Zwei­ten Welt­krieg geplün­dert. Dann geht es berg­auf über bewal­de­tes Gebiet, bis zum Aus­sichts­punkt Wien­blick. Dort auf frei­er Wie­se erin­nert ein Gedenk­stein an den Besuch des japa­ni­schen Kai­ser­paa­res im Juli 2002. Und dort sieht man auf ein Häu­ser­meer. Im Dunst erken­nen wir Kah­len­berg und Donau­turm, etwas genau­er da wesent­lich näher gele­gen die von Otto Wag­ner gestal­te­te Kir­che am Stein­hof. Und man merkt als Gra­zer schon einen deut­li­chen Unter­schied: Die­ses Häu­ser­meer ist eine ganz ande­re Dimen­si­on als wenn man in Graz vom eben­falls am west­li­chen Stadt­rand gele­ge­nen Pla­butsch auf die zweit­größ­te Stadt Öster­reichs hin­ab­sieht. Ich kann zu 100% nach­voll­zie­hen, war­um es dem japa­ni­schen Kai­ser­paar hier so gut gefal­len hat bezie­hungs­wei­se war­um es unbe­dingt hier­her woll­te. Stich­wort Japan und Asi­en: Die in öst­li­chen Gefil­den so weit ver­brei­te­te Mas­ken­pflicht wur­de vor allem wegen des Coro­na­vi­rus in die west­li­che Welt impor­tiert und wird nun auch hier­zu­lan­de salon­fä­hig.

Apro­pos Coro­na: Coro­na­vi­rus­be­dingt kön­nen wir Öster­rei­cher bekannt­lich in unse­rem Som­mer­ur­laub heu­er nur schwer weit weg ver­rei­sen. Das ein­zi­ge Meer als Trost das uns bleibt, ist das Häu­ser­meer einer fast 2‑Mil­lio­nen-Stadt. Auf das wir vom Aus­sichts­punkt Wien-Blick, wo alle vor­bild­lich Abstand hal­ten, hin­un­ter­bli­cken (Abstand­hal­ten ist auf­grund der Weit­läu­fig­keit des Are­als nicht so schwer). Und uns berg­ab vom Wien­blick in Rich­tung St. Vei­ter Tor bege­ben und von dort wei­ter zur Her­mes Vil­la. Kai­se­rin Sis­si leb­te hier und ein Hauch von k.u.k.-Zeiten weht durch die­se Gemäu­er — auch wenn sowohl die Vil­la selbst als Muse­um als auch die angren­zen­de Gas­tro­no­mie „Café-Restau­rant Lab­stel­le Her­mes“ geschlos­sen blei­ben müs­sen. Zurück geht es über Berg und Tal und über das weit­läu­fi­ge Gelän­de des Lain­zer Tier­gar­tens.

Hier kann einem trotz Schlie­ßung der Bun­des­gär­ten nie­mand auf die Füße stei­gen, nie­mand zu nahe­kom­men. Die Bewe­gung an fri­scher Luft mit dem nöti­gen Abstand zu ande­ren stärkt auch die Psy­che.

 

Einen Tag spä­ter geht es in die Lobau. Nur unweit des play­mo­bil- und Sim-City-arti­gen neu­en Stadt­teils See­stadt Aspern, der erst zur Hälf­te fer­tig ist, erwar­tet uns statt einer Tier­gar­ten­mau­er eine Brü­cke. Genau­so wie vie­le Hin­weis­schil­der, eini­ge mit dem Kon­ter­fei der Umwelt- und Frei­zeit­stadt­rä­tin Ulli Sima (SPÖ). Zusätz­lich sind zahl­rei­che Coro­na­vi­rus-Hin­weis­schil­der zu fin­den. Abstand hal­ten und Kon­trol­le des Ver­samm­lungs­ver­bo­tes, ist zu lesen. Im Gegen­satz zum Lain­zer Tier­gar­ten haben wir es in der Lobau auch mit Rad­lern und Hun­den zu tun. Was fehlt, sind die Stei­gun­gen, in der Fluss­land­schaft ist alles eben. Eh klar, als noch kein Huber­tus­damm die umlie­gen­de Gegend vor Hoch­was­ser der Donau schütz­te und als die Donau eben noch in keins­ter Wei­se regu­liert war, bahn­te sie sich ihr Fluss­bett selbst und hin­ter­ließ bis heu­te zahl­rei­che klei­ne­re und grö­ße­re, mitt­ler­wei­le längst vom eigent­li­chen Fluss­lauf abge­trenn­te Gewäs­ser. Die sich mit Aus­nah­me der Alten Donau in einer Auland­schaft befin­den, dem heu­ti­gen Natio­nal­park Donau-Auen des­sen Wie­ner Anteil Lobau heißt.

Die größ­ten Lobau­ge­wäs­ser tra­gen die Namen Dechant­la­cke und Panoz­zala­cke. Wir sehen heu­te aber nur klei­ne­re ehe­ma­li­ge Fluss­läu­fe bezie­hungs­wei­se Alt­arme. Den­noch dür­fen auch dort die für die Lobau so typi­schen Nudis­ten nicht feh­len. Kein Wun­der, befin­det sich doch in der Nähe des Ein­gangs Sal­ten­stra­ße, wo wir die Lobau betre­ten und auch wie­der ver­las­sen, ein Nudis­ten­ver­ein. Die Auland­schaft bezie­hungs­wei­se der Weg führt stets am Was­ser ent­lang, teils durch Wald, teils durch Wie­se. Durch­wegs flach und mit Schot­ter. Wie im Lain­zer Tier­gar­ten genießt man hier die Ruhe vor dem Häu­ser­meer und Beton­meer. Ein Meer an Grün, ein Meer an Ruhe. Und auch wenn die Städ­te selbst mitt­ler­wei­le wie aus­ge­stor­ben wir­ken, ist es den­noch ein ande­res Gefühl, mal im Grü­nen zu sein und Bewe­gung zu machen. Wenn auch das Wet­ter passt, ist es in jedem Fall ein Gewinn.

 

Des­halb auch die Emp­feh­lung: auf Abstand blei­ben und Bewe­gung machen auch in der frei­en Natur, wenn Ihnen sonst die Decke auf den Kopf fällt. In Wien vor­zugs­wei­se in Lain­zer Tier­gar­ten oder in der Lobau. Denn nir­gend­wo ist mehr Platz, nir­gend­wo ist in der Bun­des­haupt­stadt das Grün­are­al weit­läu­fi­ger. Ans Meer kom­men wir die­sen Som­mer wohl nicht. Genie­ßen wir die Ruhe und Idyl­le dort, wo wir sie auch abseits der Stadt, nicht weit ent­fernt, fin­den kön­nen. Denn so schaf­fen wir es gemein­sam best­mög­lich durch die Kri­se. Machen Sie mit und auf bald hier bei Living Cul­tu­re.

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